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Duisburg
Kunst, die unter die Haut geht

Duisburg: Kunst, die unter die Haut geht
Marten Wedekind in seinem Laden an der Gutenbergstraße bei der Arbeit. Auch in Duisburg erfreuen sich Tätowierungen immer größerer Beliebtheit, hat der Fachmann festgestellt. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Marten Wedekind betreibt seit 2008 sein eigenes Tattoo-Studio in der Duisburger Innenstadt. Seit einigen Jahren kommen immer mehr Kunden in sein Geschäft, in dem Individualität und Qualität groß geschrieben werden. Von Jan Luhrenberg und Lara Duyster

Auf Japanisch heißt es "Irezumi" – ins Deutsche übersetzt so viel wie Auflehnung gegen gesellschaftliche Werte. Die Rede ist vom Tattoo, das mittlerweile von vielen als Kunst angesehen wird. Weltweit ist ein echter Tattoo-Boom entbrannt, alleine in Deutschland legten sich bereits mehr als acht Millionen Männer und Frauen unter die Nadel.

Auch in Duisburg erfreut sich der Körperschmuck immer mehr an Beliebtheit. Das bestätigt Marten Wedekind: "Die Zahl der Tattoo-Läden ist zwar nicht angestiegen, aber wir haben deutlich mehr zu tun als noch vor ein paar Jahren." Der 50-jährige betreibt seit acht Jahren sein eigenes Tattoo-Studio "Queeg Queg" an der Gutenberstraße, direkt in der Duisburger Innenstadt. Unter seiner Schirmherrschaft in einem "einzigartigen und freien Geschäftsmodell" - wie er es selbst beschreibt - arbeiten auch die Selbstständige Jessica Cziesla und ein Auszubildender.

Seit Wedekind 35 Jahre alt ist, tätowiert er. "Anfangs dachte ich, dass das ziemlich einfach ist", erklärt er. Doch schnell überkam ihn eine andere Erkenntnis: "Tätowieren ist harte Übungssache, bei der auch der eigene Körper herhalten muss." Denn in seiner Ausbildungszeit hat Wedekind häufig an sich selbst ausprobiert, wie tief er zum Beispiel die Nadel in die Haut stechen sollte. Wird sie zu tief geführt, bilden sich Narben, und das Werk sieht auch optisch nicht gut aus. "Das übt man besser an seinem eigenen Körper als an fremden Leuten, denen man vielleicht wieder über den Weg laufen könnte", so der Tätowierer. Um den Kunden etwas die Angst vor den Schmerzen zu nehmen, zieht der Künstler mit seiner Tätowiermaschine eine Linie aus Wasser über die Haut. Das nehme die Angst vor dem Unbekannten. Aber schmerzfrei geht die eigentliche Stecherei nicht über die Bühne. "Besonders schmerzhaft ist das Tätowieren an den Knickstellen des Körpers", so Wedekind. Das sind die Achseln, die Innenseite der Schenkel und die Kniekehlen, an denen die Haut sehr dünn und nicht von Fett geschützt ist. Dass Wedekind mit seiner Passion Geld verdienen kann, hat er bei seiner Arbeit noch nie im Hinterkopf gehabt. Im Alter von drei Jahren war er schon von der Körperbemalung fasziniert. "Ich habe damals Moby Dick geschaut und der tätowierte Harpunier auf dem Schiff hat mich sofort in den Bann gezogen", so der 50-jährige. So entstand auch der Name des kleinen Ladens, der nach diesem Fischer benannt ist.

Sein Tattoostudio bedient ein ganz besonderes Klientel, das Wedekind als "jung-gemischte reife Generation" bezeichnet. Denn auch ältere Menschen scheuten sich nicht vor der Nadel. Ein 85-jähriger alt ließ sich einen Löwen auf den Unterarm stechen.

Die beliebtesten Motive seien bei den Frauen aber weiterhin Blumen und Schmetterlinge und bei den Männern polynesische Muster. Das sind sehr komplexe Motive, die von uralten Kulturen und Traditionen künden, zum Beispiel von den Azteken. Am häufigsten lassen sich Kunden auf der Brust oder den Arm tätowieren.

Während seiner Reisen nach Asien und Griechenland hat der in Essen ausgebildete "Stech-Künstler" viel über die Hautverschönerung gelernt. Diese Erfahrungen spiegeln sich häufig in selbst kreierten Motiven wider, die sich die Kunden stechen lassen können. "Ein Tattoo soll immer aus dem Leben eines Menschen erzählen", so Wedekind. Deshalb ist er auch kein Fan von kopierten Starmotiven.

Neben der Individualität der Tattoos seien auch die Fähigkeiten der Künstler eine Besonderheit seines Studios, denn nicht alle Tätowierer würden eine ähnliche Qualität bieten. Bekannt ist sein Laden vor allem für seine Aquarellkunst. Die selbstständige Tätowiererin Jessica Cziesla hat sich auf diese Art spezialisiert.

Der Berufszweig kann nicht in einer Ausbildung erlernt werden. Stattdessen gilt es, sich die Sachen selbst anzueignen oder von einem Mentor zu profitieren. So hat Wedekind seine Kollegin acht Jahre lang selbst in seinem Geschäft "Queeg Queg" angelernt. "Das hat so lange gedauert, weil die Ausbildung nebenberuflich abgewickelt wurde", so der Tätowierer. Zudem liegt es ihm am Herzen und es ist auch sein Anspruch, dem Nachwuchs immer alle Stilrichtungen offen zu legen, das dauere seine Zeit. Wedekind ist im übrigen froh, dass Hautkünstler kein Ausbildungsberuf ist: "Dieser Schrei nach Anerkennung ist unnötig, da diese durch gute Arbeit erreicht werden kann."

Weitere Informationen und Arbeitsproben des Tattoo-Studios "Queeg Queg" an der Gutenbergstraße in der Innenstadt finden Interessierte unter: www.queegqueg-tattoo.de. Dort werden auch alle Fragen rund um das Thema Gesundheit, Pflege oder Ablauf beantwortet.

Quelle: RP
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