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Duisburg
"Landhausmoden" auf der Kö gibt auf

Duisburg. Das Landleben ist seit Jahren schwer in Mode. Trotzdem schließt nun in Duisburg das einzige Geschäft, das sich auf die entsprechende Kleidung spezialisiert hat. Bärbel Steinnacher gibt ihr Geschäft "Landhausmoden" an der Königstraße 51 auf. Spätestens zum 29. Oktober will sie das Ladenlokal geräumt haben.

Noch vor gut fünf Jahren hat ihr die Renaissance der Trachtenmode eine steigende Nachfrage nach Dirndln beschert. Doch das hat sich geändert, seitdem auch Warenhäuser und Discounter ein lukratives Geschäft erkannt haben. Mit dem wachsenden Boom einhergegangen sei auch die veränderte Einstellung zu der Kleidung: "Der Oktoberfest-Boom hat die Tracht verkitscht. 97 Prozent der Leute, die heute Landhausmode tragen, sehen das nicht als Garderobe, sondern als Kostüm, als Verkleidung." Denen reiche es, "dafür beim Discounter 39,90 Euro zu zahlen", sagt Bärbel Steinnacher. Bei ihr liegen allein die Dirndl-Blusen in diesem Preissegment.

Hochwertige Waren aus Stoffen wie Seide, Leinen oder Loden wüssten viele nicht mehr zu schätzen. "Der Standardsatz ist heute: Ich brauch das nur für ein Mal. Ich kann's nicht mehr hören", sagt die 54-Jährige. Vor gut 20 Jahren hat sie den Laden an der Königstraße übernommen. "Damals kamen ältere, elitäre, reichere Damen und Herren in mein Geschäft, die sich von der Masse abheben wollten", erinnert sich Bärbel Steinnacher. "Heute gibt es nur wenige Kunden, die Trachten ganzjährig tragen. Das reicht nicht für das Überleben des Ladens." Deshalb ist sie 2012 parallel in den Onlinehandel eingestiegen, den sie auch weiter betreiben will.

Zudem habe sich Duisburg sehr zum Nachteil verändert, meint die Geschäftsfrau. Seit der Loveparade gehe es mit der Stadt immer weiter bergab, wobei Bärbel Steinnacher auch der Duisburger Politik eine Mitschuld am negativen Image gibt. "Wir haben enorm hohe Gewerbesteuern. Zudem wurde die Grundsteuer B angehoben. Hinzu kommen die permanenten Baustellen." Die hatten ihr bereits Ende der 90er Jahre heftige Umsatzeinbußen beschert.

Steinnacher gibt ihr Geschäft nicht leichten Herzens auf. "Es tut weh. Aber ich mache ja nicht pleite, ich gehe hoch erhobenen Hauptes. Alles hat seine Zeit, unsere ist jetzt vorbei."

(U.S.)
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