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Duisburg
Langfristiger Plan für Kanalarbeiten

Duisburg: Langfristiger Plan für Kanalarbeiten
Kanalarbeiten, wie hier vor einigen Jahren an der Sympher Straße in Meiderich, sind oft sehr aufwändig. FOTO: Ralf Hohl
Duisburg. Im Juni sind die Tunnel am Sternbuschweg und an der Karl-Lehr-Straße nach Starkregen voll gelaufen. Das Kanalsystem ist an manchen Stellen nicht für die Wassermassen ausgelegt. Das wird auch erstmal so bleiben (müssen). Von Jan Luhrenberg

Bei diesem herrlichen Sommerwetter verschwendet sicherlich niemand Gedanken an das Regenwasser. Aber schon zum Wochenende hin könnte sich das ändern. Spätestens wenn der Herbst eintrifft, müssen die Kanäle unter unseren Füßen wetterfest sein. Nur so können Szenen wie aus dem Juni verhindert werden, als aufgrund des Dauerregens nicht nur Straßen und Keller überflutet waren, sondern Tunnel voll Wasser liefen.

Das öffentliche Kanalnetz umfasst eine Länge von über 1.400 Kilometer. Die kleinsten Leitungen haben nur einen Durchmesser von 17,5 Zentimeter, die größten Kanäle sind gut drei Meter breit. Der Ausbau und die Modernisierung des Systems ist eine kostspielige Sache: Nach Angaben der Wirtschaftsbetriebe, die für die Planung und Errichtung sowie den Betrieb der Anlagen zuständig sind, investierten sie im Zeitraum von 2009 bis 2015 rund 140 Millionen Euro in das unterirdische Rohrsystem.

FOTO: Christoph Reichwein

"Kanalarbeiten sind dabei immer langfristig geplant und kurzfristig überhaupt nicht umsetzbar", erklärt Sarah Mdaghi, Sprecherin der Wirtschaftsbetriebe. Die Anfertigung eines Kanals dauere ungefähr ein Jahr. Dabei wird immer nach einem genauen Fahrplan gebaut, der sich aus Messwerten der vergangenen fünf Jahre ergibt. Aus diesen lässt sich die optimale Größe für den jeweiligen Abschnitt des Kanals errechnen. Ist ein Teil des unterirdischen Konstrukts zu klein und daher zu stark ausgelastet, drohen Überschwemmungen.

Alle nötigen Informationen rund um das Kanalsystem werden in einem sogenannten Kataster geführt. Neben der Lage gehören auch Angaben über Größe, Form, Material, Baujahr, Fassungsvermögen und Gefälle dazu. Darüber hinaus stehen im Kataster ebenfalls Informationen über den Zustand der Kanäle. "Diese Daten werden durch die ständigen Inspektionen eingepflegt", so Mdaghi. Auf Basis dieser Angaben werden dann Sanierungen oder Neubaumaßnahmen in die Wege geleitet. So sollen auch Überschwemmungen verhindert werden, die vor allem nach starken Regenfällen passieren können, wenn das Wasser in den Rohren ansteigt. "Dieser Rückstau kann im Extremfall zum Abwasseraustritt an den Kanaldeckeln und Straßenabläufen führen", erklärt die Sprecherin.

Und immer wieder führt es auch zu Kellerüberflutungen. Aber auch undichte Rohre, Bodenabläufe, Waschbecken, Toiletten und Duschen fühlen sich dann bisweilen mit dem Abwasser. "Daher ist es sicherer, wenn sich Hauseigentümer selbst vor Rückstau sichern", so Mdaghi.

Ein Dauerregen, wie er im Juni vorgekommen ist, sei nicht zu kalkulieren gewesen. Dementsprechend hoch waren auch seine Auswirkungen für Duisburgs Straßen und Tunnel. Letztere sind besonders anfällig für Überflutungen: "Sie wirken wie kleine Senken, in denen sich das Wasser besser sammeln kann", erklärt die Sprecherin. "Hier ist ein Rückstau wahrscheinlicher als an anderen Stellen." Zwar haben die Wirtschaftsbetriebe alleine in der Innenstadt sechs Tunnel aufgrund dieser Problematik stetig im Blick. Aber Kanalsanierungen an diesen Stellen sind vorerst nicht geplant.

"Es gibt immer nur einen langfristigen Plan, den wir verfolgen und da haben wir andere Prioritäten gesetzt", so Mdaghi. Modernisierungsarbeiten in Tunneln sind zudem schwierig umzusetzen. Man müsse viele Variablen, wie zum Beispiel den Straßenbau, berücksichtigen, so die Sprecherin. "Ein Hauruck ist da nicht möglich, Kanalarbeiten und ihre Planung benötigen viel Zeit." Insgesamt sind immer wieder Renovierungsarbeiten nötig, die in den kommenden Jahren bestimmt auch die Tunnel betreffen werden. Denn der Juni hat gezeigt, dass ein modernes Abwassersystem absolut notwendig ist.

Der Zustand des Duisburger Abwassersystems kann schlecht pauschal bewertet werden. Laut Auskunft der Wirtschaftsbetriebe sind sie aber auf einem guten Stand und relativ modern: "Bei normalem Starkregen können alle Duisburger sicher schlafen", sagt zumindest Mdaghi. Im Herbst könne sich das durch herabgefallenes Laub geschehen, das die Gullys verstopft, wenn es nicht rechtzeitig entfernt wird.

Quelle: RP
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