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Duisburg
Laut, schnell und rücksichtslos

Duisburg: Laut, schnell und rücksichtslos
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Das Verhalten mancher Autofahrer nervt. Bis zum Anschlag aufgedrehte Autoradios, Motorräder scheinbar ohne Schalldämpfer, Blitzstart und Vollbremsungen an der Ampel - erlaubt ist das alles nicht. Von Hildegard Chudobba

Ulrich Wloch würde sich oft wünschen, noch mehr Kontrollmöglichkeiten zu haben. Denn der Leiter der Polizeidirektion Verkehr erlebt im Norden der Stadt, dass kontinuierliche Kontrollen und Überwachungen positiv Wirkung zeigen. In Marxloh und in den angrenzenden Stadtteilen zeigt Duisburgs Polizei dank zusätzlicher Kräfte aus der Einsatzhundertschaft seit Monaten sehr viel mehr Präsenz als im übrigen Stadtgebiet. Um die so genannte Raserszene ist es ebenso ruhiger geworden wie um die Rotlichtsünder, die lange Zeit ein großes Ärgernis waren. Dass so viel Überwachung auch an anderen Stellen nicht Schaden würde, weiß Wloch, der mit seinen rund 80 Mitarbeitern, darunter die Motorradstaffel, allerdings an Grenzen stößt.

Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden rund 10.000 Autofahrer wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen rausgewunken. 24000 Mal blitzten die mobilen Radargeräte beziehungsweise gerieten Raser ins Visier einer Laserpistole. Zu hohe Geschwindigkeit ist und bleibt eine der Hauptunfallursachen. Würde es sich da nicht anbieten, überall im Stadtgebiet Messgeräte fest zu installieren? Ulrich Wloch verneint. "Die Autofahrer wissen nach kurzer Zeit, wo gemessen wird und passen ihre Geschwindigkeit entsprechend an", so seine Erfahrung. Mit Radarwagen und Laserpistolen lasse sich mehr erreichen, ist er überzeugt.

Stellen Bürger fest, dass die Straße vor ihrer Haustüre sich immer mehr zu einer Rennstrecke entwickelt, "so sind wir für Hinweise dankbar", sagt der Direktionsleiter. Anrufen könnten Anlieger auch, wenn sie feststellen, dass sich bei ihnen ein motorisierter Szenetreff entwickelt oder vermehrt Verkehrsrowdies zu bestimmten Zeiten "Angst und Schrecken" verbreiten.

Auf der Steinschen Gasse in der Innenstadt zum Beispiel kommt es vermehrt in den frühen Abendstunden immer häufiger vor, dass PS-starke Fahrzeuge mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit vom Marientor in Richtung Rathaus Brettern, die Fahrer abrupt bremsen oder beschleunigen und ihr Autoradio so weit aufgedreht haben, wie es der Lautstärkeregler zulässt. Ulrich Wloch lässt keinen Zweifel zu: Zu schnell fahren, das geht gar nicht, den Motor aufheulen lassen, ist eindeutig verboten, die Reifen quietschen zu lassen auch und die Umgebung zwangsbeschallen ebenso. Ordnungswidrigkeitsanzeigen sind dann das mindeste.

Es kann aber auch für eine Anzeige reichen. Die droht zum Beispiel Schraubern, die ihren fahrbaren Untersatz auf "extralaut" umrüsten. Zwar ist auch grundloses Hupen verboten, aber wenn es sich bei den Krachmachern um eine Hochzeitgesellschaft handelt, dann zeigen auch strenge Polizisten schon mal Verständnis.

Die kennt die Polizei allerdings gar nicht, wenn sie Autofahrer mit Handy am Ohr erwischt. "Hier wollen wir noch viel aktiver werden", sagt Wloch. Denn abgelenkte Autofahrer sind für alle anderen Verkehrsteilnehmer eine große Gefahr. Seit kurzem setzen Wloch und seine Mitarbeiter Kameras zur Beweissicherung ein. Denn immer wieder haben sie erlebt, dass sich erwischte Auto-Telefonierer vor Gericht ehrausreden konnten. Zum Beispiel damit, dass sie ja nur vor der roten Ampel telefoniert hätten, als der Wagen stand und ausgeschaltet war, danke Start-Stopp-Automatik...

Quelle: RP
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