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Duisburg
Leben in der Karmel-Kommunität

Duisburg. Pater Hermann Olthof und Prof. Franz-Josef Nocke feier(te)n ihr Goldenes Priesterjubiläum. Von Olaf Reifegerste

Seit 1975 prägt Pater Hermann Olthof (77) das Gesicht der Karmel-Gemeinde "Mutter vom guten Rat" am Innenhafen. Seitdem ist er als Seelsorger und Pastor dort aktiv, und zwar immer noch, denn offiziell befindet er sich seit 2014 im Ruhestand. "Mit 75", sagt Hermann, "ist nämlich Schluss. So will es das Bistum Essen. Und daran halte ich mich." Trotzdem ist er geblieben, hält weiterhin Gottesdienste in der Kirche und lebt unverändert in der Karmel-Kommunität. "Der Dienst für und in der Gemeinde ist mir zu wichtig. Aus diesem Grund bin ich hier weiterhin ansprechbar für liturgische Dienste gleich welcher Art."

Nicht (viel) anders verhält es sich mit dem bekannten Duisburger Theologieprofessor Dr. Franz-Josef Nocke (83), den es 2007 in die Karmel-Kommunität zog. "In der Kommunität leben heißt, eine spirituelle Lebensgemeinschaft zu bilden", sagt er. Nocke lehrte von 1981 bis 1998 katholische Theologie an der Universität Duisburg-Essen. Dann emeritierte der NRW-Landesbeamte und ging in Pension, allerdings nur formal, denn er blieb vorerst dem universitären Lehrbetrieb ebenso wie der Lehrer- und Priesterfortbildung weitgehend erhalten. Vor allem aber publizierte er weiterhin Bücher, darunter "Was können wir hoffen? Zukunftsperspektiven im Wandel" (2007), "Ja sagen zum Alter. Impulse aus dem Glauben" (2007) und "Liebe, Tod und Auferstehung. Die Mitte des christlichen Glaubens" (Neuauflage 2005), und schrieb Aufsätze in Handbüchern und Lexika sowie Zeitschriften und Sammelwerken. Anders als Pater Hermann ist Prof. Nocke aber kein Ordenspriester. Nocke, der 1932 in Bochum geboren wurde, studierte von 1953 bis 1965 römisch-katholische Theologie, Philosophie und Germanistik an den Universitäten Paderborn, Innsbruck, Münster, München und Paris. "Meine Eltern ließen mich die lange Studienzeit gewähren", erzählt er, "mein Vater sagte nur: Du kannst machen, was du willst. Nur bringe dein Studium zu Ende, solange ich lebe. Letzteres hatte sich seinerzeit leider nicht erfüllt." Dafür promovierte er bei Michael Schmaus, zu dessen Schülern immerhin Prominente wie Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., und Uta Ranke-Heinemann gehörten.

Pater Hermann, 1939 im niederländischen Zenderen in der Provinz Overijssel geboren, zu der auch Enschede gehört, kam recht früh zum Glauben. "Zunächst ging ich zu den Wölflingen, den jungen Pfadfindern. Später wurde ich Messdiener im Orden der Redemptoristen", erinnert er sich an die ersten Kirchenkontakte seiner Kindheit und Jugend. Er habe gespürt, dass er Pastor werden möchte. "Es war eine Führung Gottes. Denn Gott ist in den Menschen, die es gut mit uns meinen. Das habe ich besonders durch meine Mutter erfahren. Wenn ich ihr ins Gesicht schaute, wusste ich, dass ich den Weg meines Onkels gehen will." Der war schließlich auch Pfarrer und Karmeliter.

Hermanns Weg zu den Karmelitern ist des Weiteren vorgezeichnet durch seinen Schulbesuch eines Karmeliter-Gymnasiums. Später, 1959, ging er nach Deutschland und trat den Karmelitern in Kamp-Lintfort bei. Es folgten ein Theologie- und Philosophiestudium in Mainz, die Priesterweihe in der dortigen Karmeliterkirche am 16. Juli 1966 und eine anschließende siebenjährige Tätigkeit als Kaplan in Köln-Ehrenfeld. 1975 verschlug es ihn nach Duisburg zum dortigen Karmelorden.

Nocke dagegen erhielt seine Priesterweihe am 2. Februar 1965 in Gelsenkirchen-Buer und ging anschließend als seelsorgerischer Pfarrvikar nach Essen-Huttrop. Während also Nocke bereits im vergangenen Jahr sein Goldenes Priesterjubiläum feierte - zusammen übrigens mit Pater Hermann und anderen -, begeht es Pater Hermann Ende nächster Woche - ebenfalls mit Prof. Nocke und anderen natürlich. Bemerkenswert und beeindruckend zugleich, allein im Hinblick auf ihr Lebensalter, ist Hermanns wie Nockes nachhaltiges Einsetzen für Menschen und deren Verständigung untereinander sowie für das ungebrochene Eintreten von Menschenrechten in den verschiedenen Gesellschaften der Welt. Hermann: "Ich verstehe mich nicht als ein Seel(en)sorger, einer, der als Sorger nur die Seele des Menschen sieht, sondern ich bin gewissermaßen ein Menschen-Sorger, dem der ganze Mensch am Herzen liegt."

Und Nocke ergänzt sein Engagement mit einem anderen Beispiel: "Ich beteilige mich an einem christlich-muslimischen Gesprächskreis und trete dort im Dialog auf Augenhöhe für einen aufgeklärten Islam ein. Denn für mich ist der Islam unbestritten ein Teil der deutschen Kultur."

Quelle: RP
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