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Duisburg
Lehrer sind manchmal Schlangenfänger

Duisburg: Lehrer sind manchmal Schlangenfänger
Harald Jüngst mit einer Schulklasse in Australien. Auf Vermittlung des Goethe-Instituts hatte er 15 Auftritte in der Region um die Stadt Perth, die meisten davon in Schulen. FOTO: bruce hunt
Duisburg. Harald Jüngst, Musiker, Autor und ehemaliger Lehrer, hat auf einer fünfwöchigen Australien-Tournee in Schulen und im Goethe-Institut vor Schülern und Erwachsenen gelesen und musiziert. Einmal war auch eine Giftschlange dabei. Von Peter Klucken

In seinem Berufsleben als Lehrer hat Harald Jüngst, mittlerweile 67 Jahre alt und pensioniert, nur drei Schulen erlebt. Als Autor und Musiker hat er jedoch in den Ferien und jetzt auch in seiner freien Zeit mehr als 20 Länder bereist und dabei Hunderte Schulen und dabei auch ganz verschiedene Schulsysteme und Unterrichtsmetholden kennengelernt. Nun ist Jüngst von einer fünfwöchigen Australien-Reise zurückgekehrt. Und da lernte er beispielsweise ein Zusatzamt für Lehrer kennen, das es hierzulande zum Glück nicht gibt: "Schlangenfänger der Schule".

"Down Under" ist für Harald Jüngst kein Neuland. Bereits dreimal zuvor war er mit seinen irischen "Herzbeben"-Märchen auf Lesetourneen in Australien. Auch diesmal war das Goethe-Institut Türöffner. Das australische Büro, mit dem er seit dem Jahr 2003 in Kontakt steht, vermittelte einige Lesetermine im Bundesstaat Western Australia, das ist die Region rings um die Stadt Perth. Wie beim Schneeball-Effekt ergaben sich da neue Termine. Insgesamt hatte Jüngst 15 Auftritte, davon die meisten in Schulen.

Gefragt war Jüngst besonders in Schulen, bei denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Er sei überrascht gewesen, wie gut die Schüler im Alter von elf oder zwölf Jahren bereits Deutsch sprechen konnten, berichtet Jüngst. Seine Märchen habe er auf Deutsch erzählt, nur wenn er Fragezeichen in den Gesichtern der Schüler sah, half er mit kurzen englischen Erklärungen aus. Einige Gastauftritte hatte Jüngst auch in deutschen Schulen, in denen Kinder von deutschen Australien-Auswanderern unterrichtet werden.

Es habe ihm immer wieder aufs Neue Spaß gemacht, den Kindern von Irland, Europa und natürlich auch Deutschland zu erzählen. Die irischen Geschichten, mit denen Jüngst in dieser Region bekannt geworden ist, seien auch auf der andren Erdhalbkugel gut angekommen. Eine Schulveranstaltung werde er nie vergessen, berichtete Jüngst bei seinem Besuch in der RP-Redaktion (wir kommen nun zur Giftschlange): Er sei bei einem Auftritt vor Grundschülern richtig in Fahrt gewesen und die Schüler hätten ihm auch gebannt zugehört, da habe er ein wenig Unruhe hinter seinem Rücken, dort, wo die Lehrer saßen, bemerkt. Da sei auch schon einer der Lehrer in seine Nähe gerückt und habe ihm zugeraunt: "Machen Sie einfach weiter. Hier ist eine Giftschlange im Zimmer, aber wir kümmern uns drum." "Mit viel Schiss in der Buchs und schweißnassen Händen" habe er zu Ende erzählt, berichtet Harald Jüngst. Beim anschließenden Gespräch mit den Lehrern habe er gehört, dass es schon mehrmals "Vorkommnisse mit Schlangen in Klassenzimmern" gegeben habe. Deshalb gebe es an der Schule auch einige Lehrer, die eine spezielle Ausbildung als Schlangenfänger absolviert hätten. So abenteuerlich sei es allerdings nur ein einziges Mal bei seiner Australien-Reise zugegangen. Kurios fand er allerdings einen Auftritt, den das Goethe-Institut im deutschen Konsulat in Perth für ihn organisiert habe. Da sei es, im Gegensatz zu den sonst üblichen Gepflogenheiten, überaus formell zugegangen. Der Grund war, dass man den Besuch von Harald Jüngst nutzte, um die formalen Abläufe für einen bevorstehenden Besuch von Bundespräsident Steinmeier zu proben. An dem Abend habe er für Kinder und Erwachsene gelesen, wobei er eine Auswahl aus klassischen heiteren Werken getroffen habe. Auf Wunsch der Zuhörer seien an dem Abend auch deutsche Lieder gesungen worden. Am besten sei das Volkslied "Auf einem Baum ein Kuckuck saß..." angekommen. Er habe den Text gesungen, die Zuhörer stimmten dann das bekannte "Simsaladimbam basaladusaladim" an. Das taten sie begeistert, denn Jüngst hatte seinen jungen und den älteren Zuhörern zuvor erklärt, dass der Kuckuck ein Symbol der Freiheit sei, die man nicht ausmerzen kann.

Zurück in Deutschland, bleibt Harald Jüngst aktiv: So las er vor wenigen Tagen in einem Altenheim erotische Gedichte, übrigens auf Anregung einer Bewohnerin. Dieser Nachmittag sei sehr gut bei seinem Publikum angekommen, berichtet Jüngst. Und am 22. Dezember, 20 Uhr, tritt Jüngst mit seiner Traditionsband "Sheevón" im Grammatikoff auf. Dort gibt es, wie in vielen Jahren zuvor, wieder ein "Celtic Christmas".

Das Weihnachtsfest selber verbringen Harald Jüngst und seine Frau in Irland. Dort haben die Jüngst' seit vielen Jahren ein Feriendomizil.

Quelle: RP
 
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