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Duisburg
Leichenpredigten in der Unibibliothek

Duisburg: Leichenpredigten in der Unibibliothek
Der ehemalige Uni-Bibliothekar Dr. Manfred Komorowski, der Pfarrer der Salvatorkirche Manfred Winterberg und Museumsdirektor a.D. Dr. Gernot Tromnau (v.l.), stellten die ungewöhnliche Ausstellung gestern vor. FOTO: a. Probst
Duisburg. Leichenpredigten, gehalten in der Salvatorkirche für Professoren der Alten Universität Duisburg, sind bis zum 18. September im ersten Stock der Universitätsbibliothek ausgestellt. Von Ingo Hoddick

Der Brauch, einen Verstorbenen durch eine handschriftliche oder vielfach auch gedruckte Leichenpredigt zu ehren, kam im protestantischen Deutschland in der Nachfolge Luthers auf. Je höher der soziale Rang der Verstorbenen, desto umfangreicher und aufwendiger waren die Drucke gestaltet. Neben den geistlichen Predigtinhalten wie Lob Gottes, Trost der Angehörigen und Belehrung der Gemeinde wurden die Leistungen des Verstorbenen gebührend gewürdigt. Vielfach gehören dazu Beigaben in Form von Trauergedichten (Epicedien).

In deutschen Bibliotheken und Archiven sind weit über 200.000 dieser Trauerschriften erhalten. Nur spärlich überliefert sind Leichenpredigten über Duisburger Honoratioren und deren Angehörige - Professoren der alten Universität, Bürgermeister oder auch Pfarrer, außerdem hochgestellte auswärtige Persönlichkeiten bis hin zu preußischen Königen. Momentan sind rund 70 in Duisburg gedruckte, in geringem Umfang auch an anderen Orten gehaltene Leichenpredigten bekannt. Sie befinden sich - meist in Kopie - im Rara-Magazin der Duisburger Universitätsbibliothek (UB). Eine repräsentative Auswahl dieser sehens- und lesenswerten Quellen zeigt die UDE anlässlich des Jubiläums "700 Jahre Salvatorkirche" unter dem Titel "Der Traurige/doch allzeit Fröliche Christ" noch bis zum 18. September im ersten Stock der UB.

Kuratiert hat die Ausstellung Dr. Gernot Tromnau, ehemaliger Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg, zusammen mit Dr. Manfred Komorowski, ehemaliger wissenschaftlicher Bibliothekar der UB Duisburg-Essen und UDE-Experte für frühe Universitätsgeschichte. Komorowski: "Mit ihren zahlreichen genealogischen Details, aber auch durch volkskundliche, frömmigkeits-, sozial- oder medizingeschichtliche Fakten geben die Leichenpredigten der Forschung zahlreiche Antworten." Schon die Gründungsveranstaltung der alten Duisburger Universität hatte 1655 in der Salvatorkirche stattgefunden, dort wurden die Leichenpredigten gehalten und die Professoren auch beigesetzt.

In einer besonders geschützten Vitrine enthält die Ausstellung auch einige Originale, Leihgaben aus der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, der Universitätsbibliothek Heidelberg, der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, aus dem Stadtarchiv und dem Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg.

Unter den Geehrten sind Persönlichkeiten, an die auch heute noch Straßennamen erinnern. Im Alter von knapp 43 Jahren verstarb Johann Clauberg (1622-1665), der Gründungsrektor der alten Uni. Als entschiedener Vertreter der Philosophie von René Descartes erlangte er große wissenschaftliche Bedeutung. Der Mediziner und Naturwissenschaftler Johann Gottlob Leidenfrost (1715-1794) wurde bekannt durch die Entdeckung des "Leidenfrostschen Phänomens", den auf heißem Untergrund "tanzenden" Tropfen. Der Jurist Friedrich Gottfried Schlegtendal (1730-1801) lehrte hier rund ein halbes Jahrhundert.

Quelle: RP
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