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Duisburg
Licht- und Schattenseiten in Ruhrort

Duisburg: Licht- und Schattenseiten in Ruhrort
Das Gemeindehaus in Ruhrort - eins von den architektonischen Kleinoden des aufstrebenden Hafenstadtteils. FOTO: Florian Waldhof
Duisburg. Eine bislang einmalige Bürgerumfrage fördert viel Zustimmendes, aber auch Ablehnendes über den Hafenstadtteil zutage. Die Umfrage-Methode als so genannte Vollerhebung könnte ein Beispiel für andere Stadtteile werden. Von Olaf Reifegerste

Exakt 52 fast ausnahmslos anzukreuzende Fragen auf 14 Seiten verteilt galt es zu beantworten bei der ersten Bürgerumfrage, die das Kreativquartier Ruhrort im Herbst vergangenen Jahres in seinem Hafenstadtteil durchführte. Die Idee für die Befragung hatte Susanne Köckert, seinerzeit noch im Projekt "KreAktiv für Ruhrort" tätig. Flankierend unterstützt wurde die Studie durch den Ruhrorter Bürgerverein.

Als Empirie-Methode wählten die Macher nicht das Zufallsprinzip mittels qualitativer Stichprobe, sondern die aufwändige Vollerhebung. Mit anderen Worten: Alle privaten Haushalte und jede Geschäftsadresse im Stadtteil erhielten einen eigenen auszufüllenden Fragebogen. Ruhrort hat per 31. Dezember 2014 eine Gesamtbevölkerung von 5280 Einwohnern, davon 4309 Deutsche und 971 Ausländer.

Von exakt 2993 ausgegebenen Fragebögen kamen allerdings nur 189 auswertbar zurück. Das entspricht einer sogenannten Ausschöpfungsquote von gerade mal 6,31 Prozent. Nicht viel also. Die Statistiker gehen bei einer Verwertung derartiger Verfahren von einer durchschnittlichen Rücklaufquote zwischen zehn und 20 Prozent aus. Dennoch: Da das Ruhrorter Befragungsgebiet in 15 Teilbereiche aufgeteilt wurde und bis auf zwei alle anderen Bereiche vollständig beantwortete Fragebögen zurückschickte, hätten die erzielten Umfrageergebnisse durchaus eine annähernd repräsentative Aussagekraft, erläutert Oliver Sprenger, Geschäftsführender Gesellschafter der Agentur "sprengerbleilevens", die Bedeutung der Umfrage. Seine Firma, die seit Ende 2011 in Ruhrort ansässig ist, war es, die für Organisation und Auswertung dieser Erhebung verantwortlich zeichnet. "Vorher mussten aber noch 41 165 Einzelantworten verarbeitet werden, um die Studie überhaupt berichtsfähig zu machen", ergänzt sein Kompagnon Stefan Bleilevens.

Eine der zentralen Kernaussagen der Studie zufolge war "Ja, ich lebe und bin gern in Ruhrort!" Das nämlich sagten immerhin mehr als zwei Drittel der Antwortenden. Dazu zählt aber nicht nur die in Ruhrort lebende Wohnbevölkerung, sondern auch die von außerhalb kommenden Beschäftigten und jene, die ihre Freizeit hier verbringen. Dieser Personenkreis war zudem der Ansicht, dass Ruhrort vor allem ein lebenswerter Stadtteil sei - tolerant, offen und international.

Positiv wird auch die "Altenfreundlichkeit" empfunden, die geringen Mietpreise, die Versorgung mit Kindergärten, vor allem aber die gute Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsmittelnetz. Demgegenüber fehl es nach Ansicht der Befragten an Gastronomie und Einzelhandel sowie an Sport- und Jugendeinrichtungen. Der Straßenverkehr, sein verursachender Lärm und die ständige Parkplatznot empfinden viele Ruhrorter als ein nervendes Dauerthema.

66 Prozent der Befragten sehen den Leerstand als großes Problem. Negativ in Ruhrort werden aber auch unzureichende Sauberkeit und die Kriminalität empfunden.

Mittlerweile wurden erste Auswertungsergebnisse beim Quartiers-Treffen vorgestellt. Es folgen dann die Bekanntgaben am "Runden Tisch" und beim Ruhrorter Bürgerverein. "Wir jedenfalls stehen für weitere Aufträge hinsichtlich Ausarbeitungen und Nachbefragungen zur Verfügung", so Sprenger.

Die Art und Weise der Umfrage könnte beispielgebend auch für andere Stadtteile in Duisburg werden. Die so genannte Vollerhebung macht es möglich, die Licht- und Schattenseiten eines Stadtteils, so wie sie von den Bewohnern selber gesehen werden, zu erkennen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Quelle: RP
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