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Duisburg
Liebe und andere Verrücktheiten

Duisburg. Das jüngste, erste Kammerkonzert der neuen Saison 2016/17 in der wiedereröffneten Duisburger Philharmonie Mercatorhalle war die absolute Premiere des neuen Wort-Ton-Programms "Verliebt, verschmäht, verrückt!" Von Ingo Hoddick

"Dieses Programm wurde eigens für heute Abend geschaffen. Es wird natürlich von Duisburg aus seinen Weg über die Bühnen der Welt machen!" Intendant Dr. Alfred Wendel meinte das vor Beginn des jüngsten, ersten Kammerkonzert der neuen Saison 2016/17 nur halb ironisch. In der wiedereröffneten Philharmonie Mercatorhalle präsentierten die junge Sopranistin Julia Sophie Wagner, der 1985 geborene Bassbariton David Jerusalem von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, der Rezitator Stefan Wilkening, bekannt aus Funk, Film und Fernsehen, und der Pianist Eric Schneider, ein extrem erfahrener Liedbegleiter, ihr kluges Programm "Verliebt, verschmäht, verrückt!"

In 23 Kompositionen vor allem von Robert Schumann, aber auch von Hugo Wolf, Franz Schubert und Johannes Brahms ging es meist um die erfüllte oder zurückgewiesene Liebe, dazwischen gab es kurze Texte zum Thema, darunter auch Liebesbriefe von Clara und Robert Schumann sowie solche von Brahms an Clara. Das war ein Abend der differenziertesten Gesangskultur und der einfühlsamsten Begleitung, aber auch der heftigeren Akzente. Das reichte von der vollkommenen Entspannung in Schuberts "Du bist die Ruh" D 776 (Text: Friedrich Rückert) bis zu den Hammerschlägen und dem aufgebrannten Sklavenzeichen in Hugo Wolfs "Da nur Leid und Leidenschaft" auf einen Text des ersten deutschen Literatur-Nobelpreisträgers Paul Heyse. Als eigentliches Thema des Programms erwies sich die Frage, ob die Leidenschaften des Menschen nicht eigentlich Verrücktheiten sind. Die wahren Prüfsteine, welche die beiden Sänger erstklassig bestanden, kamen erst nach der Pause. Es waren die sehr bekannten Schubert-Lieder "Gretchen am Spinnrade" D 118 (Text: Johann Wolfgang von Goethe) für Julia Sophie Wagner und "Ständchen" ("Leise flehen meine Lieder") D 957 Nr. 4 für David Jerusalem. Die beiden sangen auch Duette, echte wie Schumanns innige Rückert-Vertonung "So wahr die Sonne scheinet" op. 37 Nr. 12 und von ihnen auf ihre beiden Stimmen aufgeteilte wie Hugo Wolfs "Nimmersatte Liebe" (Text: Eduard Mörike). Erwähnt werden müssen noch die beiden Melodramen: Schumanns pathetisches "Die Flüchtlinge" op. 122 Nr. 2 für Deklamation und Klavier (Text: Julius Seypt, nach Percy Bysshe Shelley) und Schuberts ausgeglichener "Abschied von der Erde" D 829 (den Text schuf ein gewisser Adolf von Pratobevera). Stefan Wilkenings Mikrofon-Verstärkung trug leider nicht unbedingt zur Textverständlichkeit bei.

Die zweite Zugabe war dann ebenso überraschend wie willkommen, nämlich das Duett "Lippen schweigen" aus der Operette "Die lustige Witwe" von Franz Lehár, einschließlich Walzer-Tanz.

Quelle: RP
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