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Mammutprozess um Unglück in Duisburg
Loveparade-Anklage empört die Eltern

Mammutprozess um Unglück in Duisburg: Loveparade-Anklage empört die Eltern
Paco Zapater und Núria Carminal Zapater aus Spanien haben ihre Tochter bei der Loveparade in Duisburg verloren. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Duisburg. Die Eltern von zehn der 21 Loveparade-Toten sind enttäuscht, dass Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Veranstalter Rainer Schaller sowie Polizeichef und Ordnungsdezernent nicht angeklagt werden: "Die Situation ist untragbar." Von Ulli Tückmantel

Bis zum Nachmittag des 24. Juli 2010 war Clara Zapater-Caminal eine fröhliche junge Frau, die zum Studium aus Spanien nach Münster gekommen war. An jenem wolkenlosen warmen Sommertag besuchte die damals 22-Jährige gemeinsam mit ihrer Freundin Marta Acosta-Mendoza (21) die Loveparade in Duisburg. Dort wurden aus den beiden lebenlustigen Frauen die Leichen Nr. 15 und Nr. 19.

Eine Woche nach der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Duisburg hat sich Claras Vater nun im Namen der Eltern von zehn Toten aus Spanien, Italien, den Niederlanden und Deutschland an die Öffentlichkeit gewandt.

Die Eltern sind empört, dass die Staatsanwaltschaft weder den früheren Oberbürgermeister Sauerland noch Veranstalter Rainer Schaller und auch nicht den Duisburger Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe und den damaligen Leitenden Polizeidirektor Kuno Simon angeklagt hat. "Der Staatsanwalt hat vor den Mächtigen kalte Füße bekommen und keine Courage bewiesen, diese auf die Anklagebank zu setzen", schreibt Paco Zapater.

Fotos: Staatsanwalt über Anklage in Loveparade-Unglück FOTO: dpa, jps wst

"Meine Tochter ist tot. Ich kann mein Leben nicht weiterführen wie zuvor"

Anders sei nicht zu erklären, dass nur gegen Beschuldigte aus der zweiten und dritten Reihe Anklage erhoben werde. Paco Zapater (67) ist von Beruf Rechtsanwalt. Er ist kein Hitzkopf. Er spricht so ruhig, wie ein Vater sprechen kann, der seine Tochter verloren hat und nun mitansehen soll, dass diejenigen, die er für ihren Tod verantwortlich macht, straffrei ausgehen sollen.

Im vergangenen Jahr nahm Zapater mit seiner Frau Núria Caminal Zapater in Duisburg an der Gedenkfeier für die Opfer teil. Die 59-Jährige war schon damals tief enttäuscht, dass gegen Sauerland und Schaller nicht mehr ermittelt wurde: "Die Kinder wären zu Hause, wenn diese beiden Männer die Loveparade nicht hätten stattfinden lassen. Meine Tochter ist tot. Ich kann mein Leben nicht weiterführen wie zuvor, und die spazieren herum", sagte sie unserer Redaktion.

Paco Zapater und die übrigen Eltern beklagen in ihrem Schreiben, dass ihre Anwälte gegenüber den Strafverteidigern der Beschuldigten von den Ermittlern benachteiligt worden seien: "Vielleicht wäre alles anders ausgegangen, wenn alle Anwälte gleichberechtigt an dem Ermittlungsverfahren hätten teilnehmen können. Die Anwälte der Beschuldigten konnten im Gegensatz zu den Anwälten der Opfer sehr viel intensiver an dem Ermittlungsverfahren teilhaben, was einer Ungleichbehandlung gleichkommt und dem Prinzip der Gleichheit entgegensteht, da die Gegenseite einen größeren Beeinflussungsgrad als die Opferseite einnehmen konnte", heißt es in ihrem Brief.

Frage der Akteneinsicht

Laut mehrerer Verfahrensbeteiligter sollen die Strafverteidiger der Beschuldigten unter anderem massiven Einfluss darauf genommen haben, was die Opfer-Anwälte bei der erstmaligen Akteneinsicht im vergangenen Sommer zu sehen bekamen. So sollen sich in den den Anwälten zugänglich gemachten Akten so gut wie keine Vernehmungen oder Einlassungen der Hauptbeschuldigten gefunden haben.

Die Eltern setzen weiter ihre Hoffnung darauf, "dass unsere Anwälte die Verurteilung aller Schuldigen erreichen und dass die Tragödie der Loveparade dazu dienen möge, weitere Tragödien zu vermeiden." Ihre Kinder, so die Eltern, hätten schuldlos den Tod gefunden: "Die Verantwortlichen führen im Gegensatz dazu weiterhin ein ruhiges und beschauliches Leben. Und sie werden weiterhin in Ruhe leben, sollte das Unrecht nicht behoben werden und die Verantwortlichen auf die Anklagebank gebracht werden. Die gegenwärtige Situation erscheint uns daher als untragbar."

Quelle: RP
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