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Loveparade-Katastrophe
Anwalt klagt über Ermittlungslücken

Nacht der 1000 Lichter: Gedenken an Loveparade-Opfer
Nacht der 1000 Lichter: Gedenken an Loveparade-Opfer FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Der Düsseldorfer Opferanwalt Julius Reiter sieht einem möglichen Strafprozess zur Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe kritisch entgegen. "Das Gerichtsverfahren wird eine Sachaufklärung voraussichtlich nur partiell leisten können", sagte Reiter unserer Redaktion.

"Das Gericht wird sich auf das Verwaltungshandeln bei der Genehmigung konzentrieren", betonte Reiter. Die Rolle der Polizei werde ausgeklammert, kritisierte er.

Dabei sie seiner Sicht schon jetzt erkennbar, dass es Ermittlungslücken gebe. Das durch neue Frage nachgebesserte Gutachten von Panikforscher Keith Still, auf das sich die Anklage stützt, beschäftigte sich etwa nicht mit der Auswirkung des Bullys der Polizei, der ganz nah an der Stelle stand, an dem es zur tödlichen Massenpanik kam. Die Arbeit der Staatsanwaltschaft wirke nicht professionell. "Die Nachfragen an den Gutachter sind eine Ohrfeige für die bisherige Arbeit der Anklagebehörde", kritisierte Reiter.

Die Opfer und Hinterbliebenen lebten täglich mit den Folgen der Katastrophe. Es gebe Opfer, die keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen könnten, weil sie bei Menschenansammlungen in Panik gerieten, so der Jurist. Es gebe Traumatisierte, die durch keinen Tunnel mehr fahren könnten.

Weitere Verzögerungen des Verfahrens seien für die die Opfer und Angehörigen desillusionierend. "Sie wollen Klarheit bekommen, warum ihre Kinder gestorben oder verletzt wurden", so Reiter.

Die Anklageschrift wird seit anderthalb Jahren vom Landgericht Duisburg geprüft. Ein möglicher Strafprozess würde frühestens 2016 stattfinden.

(csh)
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