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Duisburger Geschichte und Geschichten
Machtmensch residierte im Wehrturm

Duisburger Geschichte und Geschichten: Machtmensch residierte im Wehrturm
So oder so ähnlich könnte der legendäre Frankenführer Chlojo (Chlodio) ausgesehen haben. FOTO: R. Szydlak
Duisburg. Vor 1600 Jahren hatten sich die Römer aus dem Gebiet um Duisburg zurückgezogen. Der Merowingerkönig Chlojo ließ sich zeitweise in Duisburg nieder. Duisburg gilt als Ausgangspunkt für die Eroberung Galliens. Von Harald Küst

Chlojo, der erste namentlich bekannte Duisburger und Urvater aller Merowinger-Könige, startete seinen Eroberungszug vor 1600 Jahren von Duisburg aus. Die Merowinger, ein Fürstengeschlecht aus dem germanischen Stamm der Franken, siedelten damals längs des Rheins. Ihre Nachfahren gelten als Gründer des "Reichs der Franken", dem heutigen Frankreich.

Der Reihe nach: Vor 1600 Jahren hatten sich die Römer aus dem Gebiet um Duisburg zurückgezogen. Die vorrückenden Franken nahmen ein befestigtes Römerlager in Besitz, um die Ruhrmündung und den Rheinübergang zu kontrollieren. Den Wehrturm (castrum) in Duisburg nutzte Chlojo als Residenz. Der Rhein floss zur damaligen Zeit nur wenige hundert Meter entfernt am Burgplatz vorbei. Der Boden im Hang- und Auenbereich war fruchtbar. Hier würde alles gedeihen, was der Merowinger-Clan und seine Tiere zum Leben brauchten, Roggen, Hafer und Lein, aus dem sie Flachs für die Herstellung von Leinenstoff spinnen konnten. Also fingen die Franken an, Häuser zu bauen. Sie rammten Pfosten in den Boden, so nah wie möglich am Fluss und doch weit auf einem Hügel, um bei Hochwasser nicht überschwemmt zu werden. Zwischen den Pfosten schichteten sie Wände aus geflochtenen Ästen und Lehm auf. Darüber legten sie Strohdächer.

Eine Siedlung entstand um 430 n. Chr.: Disparvm Divsbvg. Dies gilt inzwischen auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse als gesichert, so Tilmann Bechert, Verfasser des Buches "Dispargum Duisburg". Bechert beschreibt anschaulich die Lebenswelt der Ur-Duisburger mit ihrem Führer Chlojo. Wer war dieser Merowinger? Er wurde als kampferprobt und "Edelster in seinem Geschlecht" charakterisiert. Die Duisburger Siedlung betrachtete er wohl als Basislager für weitere Eroberungszüge. Daher blieb er nur wenige Jahre in Duisburg. Den Vormarsch plante er gewissenhaft, baute seine Machtbasis laufend aus und sicherte sich durch Treueschwur die Gefolgschaft. Sein Eroberungsdrang zog ihn ins nördliche Gallien, das sich noch in römischen Händen befand. Dort gab es noch unbeschädigte Straßen, intakte Städte und reiche Ländereien. Dort lockte reiche Beute, aber die römische Macht- und Ordnungsstruktur bestand noch.

Den heidnischen Frankenführer Chlojo schreckte das nicht. Mit seinen tollkühnen Kriegern schlug er die Römer und besetzte die Stadt Cambrai im heutigen Frankreich. Die Franken stießen um 445 unter Chlojo in den Norden der Belgica secunda vor, wurden dann aber 448 vom römischen Heermeister Aëtius Flavius durch einen Überraschungsangriff besiegt.

Der Merowinger-Clan feierte gerade eine ausschweifende Hochzeitsfeier, die trotz erbitterter Gegenwehr von den Römern "aufgemischt" wurde.

Derartige Scharmützel konnten den militärischen Aufstieg des Machtmenschen Chlojo aber nicht stoppen. Er genoss durch seine Schlachtenerfolge eine steigende Anerkennung und die Römer versuchten, ihn in die zerfallende Machtstruktur Roms einzubinden. So liegt es nahe, ihn als einen «romanisierten» Franken zu charakterisieren. Die gemischte Bevölkerung im Raum von Arras (südlich von Lille) versuchte, sich mit diesen "germanischen Barbaren" aus Duisburg zu arrangieren.

Die Franken und der Clan der Merowinger vermischten sich im Laufe der Zeit mit der einheimischen Bevölkerung.

Die Merowinger verschwanden nach und nach wieder im historischen Nebel, aber daraus entwickelte sich das fränkische Großreich aus der bedeutende europäische Reiche - Frankreich, Italien, Burgund und, auf langen Um- und Sonderwegen, Deutschland - hervorgegangen sind. Die Lektüre des Buches Dispargium Duisburg eröffnet neue Perspektiven.

Quelle: RP
 
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