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Duisburg
Mal sorgfältig, mal draufgängerisch

Duisburg. In der Friedenskirche überzeugten Johanna Kloppert (Blockflöten, Barockvioline) und Andreas Boos (Orgel). Von Ingo Hoddick

Johanna Kloppert spielte im so genannten "Sommerlichen" Konzert in der Hamborner Friedenskirche von dem vor 250 Jahren gestorbenen Georg Philipp Telemann hier die Sonate Nr. 1 F-Dur für Blockflöte und Basso continuo TWV 41:F2, die Fantasie für Violine solo Nr. 9 h-Moll TWV 40:22 sowie die für Violine und Orgel bearbeiteten Choralbearbeitungen "Was mein Gott will, das g'scheh allzeit" TWV 31:41 und "Nun freut euch, lieben Christen g'mein" TWV 31:52 (und nicht - wie ursprünglich vorgesehen - die erste Fassung TWV 31:51). Am meisten Beifall erhielt sie für Telemanns zusätzlich ins Programm genommene, besonders einfallsreiche Fantasie d-Moll für Blockflöte solo TWV 40:4, ursprünglich für Traversflöte und in h-Moll. Das Konzert in Hamborn enthielt auch passende Werke von Telemanns Freund und Kollegen Johann Sebastian Bach; die besonders begabte Studentin war beteiligt an der durchaus anspruchsvollen Triosonate Nr. 3 d-Moll BWV 527 in einer Bearbeitung für Violine und Orgel. Johanna Kloppert musiziert mal mit sorgfältiger Artikulation, mal mehr draufgängerisch. Ihre Intonation ist gut - wenn auch nicht immer auf der Barockvioline, die sie erst seit Oktober 2016 bei Mayumi Hirasaki in Duisburg studiert.

Andreas Boos ging im dritten Sommerlichen Orgelkonzert nur für zwei Werke nach oben an die Eule-Orgel. Zunächst improvisierte er ein Präludium, das wie eine stark vereinfachte Version der beliebten Toccata F-Dur BuxWV 137 von Dietrich Buxtehude wirkte, später spielte er Bachs schönes Choralvorspiel "Liebster Jesu, wir sind hier" BWV 730 und 731 (und nicht nur - wie ursprünglich vorgesehen - die zweite, stark verzierte Fassung). Für die Begleitungen wechselte er an ein (pedalloses) Orgelpositiv unten im Kirchenschiff, außerdem für Telemanns schlichte Choralbearbeitung "Gott Vater wohn uns bey" TWV 31:4) und die Bach zumindest zugeschriebene Fantasie d-Moll aus BWV 905 (Anhang II 87). Bei Boos schwankt die Artikulation noch stärker als bei der Solistin. Besonders fokussiert wirkten beide in Telemanns Sonate für zwei Blockflöten F-Dur TWV 40:102, ursprünglich für zwei Traversflöten und in h-Moll (und nicht - wie ursprünglich vorgesehen - TWV 40:103), denn der Organist hatte gleichfalls Blockflöte bei Prof. Gudrun Heyens in Duisburg studiert. Vollends erfreulich wirkte die Zugabe, die ersten beiden Sätze aus Telemanns heiterer Sonate für Blockflöte und Continuo Nr. 4 C-Dur TWV 41:C2.

Der nächste, vierte Abend am Mittwoch, 9. August, um 20 Uhr, zeigt, warum die Konzertreihe - jeden Mittwoch in den Sommerferien - in diesem Jahr genau genommen "Sommerliche (Orgel-)Konzerte" heißt. Denn dann schweigt die Königin der Instrumente und die Sopranistin Evelyn Ziegler gibt mit der Harfenistin Susana Feige einen sommerlichen Liederabend unter dem Titel "Summertime". Der Eintritt kostet sechs Euro. Anschließend gibt es kühle Getränke im Kirchgarten, bei ungünstigen Wetterverhältnissen in der Sakristei.

Quelle: RP
 
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