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Unsere Woche
Mal wieder auf allen Sendern

Duisburg. Die Entscheidung des Landgerichtes, dass der Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe nicht zustande kommt, hat am Dienstag wieder einmal bundesweit Schlagzeilen gemacht. Während in den Medien überwiegend Verständnis für die Entscheidung des Gerichtes geäußert wurde, bekam die Duisburger Staatsanwaltschaft ihr Fett weg, weil sie offenbar schlampig gearbeitet hat. Sie sieht das natürlich anders und hofft nun wie die in den Hinterbliebenengruppen organisierten Angehörigen auf die nächste Instanz. Verständlich, dass sie die Entscheidung der Duisburger Richter nicht nachvollziehen können. Aber zur Aufarbeitung des furchtbaren Unglücks kann kaum beitragen, wenn es zum Prozess kommt und am Ende keiner verurteilt wird. Doch genau diese Gefahr scheint das Gericht gesehen zu haben.

Oberbürgermeister Sören Link zeigte am Dienstag Verständnis für die Empörung der Angehörigen der Loveparade-Opfer. Aus seinen Worten sprach, dass er selbst emotional berührt war.

Dass er aber nicht ein einziges Wort für seine Mitarbeiter fand, denen ein Prozess (vorerst) erspart geblieben ist, wirkt befremdlich. Immerhin ist er Vorgesetzter dieser Beschäftigten, die seit der Katastrophe fast sechs Jahre lang damit leben mussten, Beschuldigte zu sein. Und damit hat er ihnen gegenüber eine Fürsorgepflicht.

Aber vielleicht wollte Sören Link auch nur vermeiden, Worte zu wählen, die falsch verstanden werden könnten. Denn sich auf die Seite der empörten Angehörigen zu stellen und gleichzeitig seinen Mitarbeitern zu signalisieren, wie erleichtert er darüber ist, dass sie nicht vor Gericht gestellt werden, das bedarf schon einer Menge Fingerspitzengefühl.

Und daran scheint es ihm bisweilen zu mangeln. Wir erinnern nur an seine Äußerung, dass er gerne mehr Flüchtlinge aufnehmen würde, wenn man ihm gleichzeitig Rumänen und Bulgaren abnehme.

Auch wenn es vielleicht nun keine gerichtliche Aufarbeitung der Katastrophe auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände mehr geben wird, wovon viele Juristen inzwischen ausgehen, unsere Stadt wird dieses Unglück mit Sicherheit wohl noch sehr, sehr lange mit sich herumtragen.

Doch sie sollte dies selbstbewusst tun und sich nicht länger darauf reduzieren lassen. Die Katastrophe ist in unserer Stadt passiert, aber sie ist nicht gleichbedeutend mit Duisburg.

hildegard.chudobba@rheinische-post.de

Quelle: RP
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