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Unsere woche
Manchmal schwer zu lösen

Duisburg. Bei ihren Räumungsaktionen stößt die Stadt fast jedes Mal auf erheblichen Widerstand. Doch aus vergammelten Immobilien, in denen Gefahr für Leib und Leben der Bewohner besteht, müssen diese notfalls auch gegen ihren Willen raus. Gegen diese Räumung gibt es u.a. Protest von denjenigen, die dahinter eine Vertreibung von Sinti und Roma aus politischen und ethnischen Gründen vermuten. Das ist - Pardon - Blödsinn! Die gleichen Leute, die die Stadt hier an den Pranger stellen, würden sie vermutlich heftig (und zu Recht) angreifen, wenn es dort mal zu einem Brand mit Toten und Verletzten käme. In Duisburg leben mehr Rumänen und Bulgaren als in jeder anderen NRW-Stadt. Hierher kommen in der Mehrzahl nicht die gebildeten Südosteuropäer, die am Arbeitsmarkt gefragt sind. Die, die in Marxlohs Gammelhäusern leben, hatten in ihrer Heimat keine Perspektive und finden sie auch hier nicht. Hilfestellungen, um aus diesem Sumpf herauszukommen, gibt es reichlich. Nur: Die Betroffenen müssen sie auch annehmen. Und daran scheint zu hapern. Wenn die Stadt beispielsweise den Bewohnern von geräumten Häusern Ersatzunterkünfte anbietet, aber kein einziger annimmt, dann stimmt das nachdenklich. Und ebenso, dass Menschen in diesen Schrotthäusern und gleichzeitig auch noch in anderen Städten gemeldet sind. Da stellt sich die Frage, warum Bürokratie eigentlich so schwerfällig sein muss. Gut möglich, dass die angeblich hohe Zahl der hier lebenden Rumänen und Bulgaren gar nicht korrekt ist.

Das Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter des Außendienstes, das wir in dieser Woche führten, macht deutlich, wie schwer es die Zugezogenen den prüfenden Behörden machen. Immer wieder andere Nachnamen von denen, die als Familie zusammen leben - da kann ein Amt schnell mal den Überblick verlieren. Und er berichtete auch, wie man dem Auge des Gesetzes entfliehen kann, wenn man ein Auto besitzt, aber nicht möchte, dass die Behörden davon erfahren. Südosteuropäer (aus Marxloh), so stellte er fest, sprechen häufiger Junkies auf der Straße mit der Bitte an, dass diese ihr Auto (oder auch mehrere) auf ihren Namen anmelden. Der Junkie bekommt Geld für seinen nächsten Schuss und verschwindet wieder im Drogensumpf. Bei den Ämtern und Ordnungsbehörden aber "flutscht" der rechtmäßige Eigentümer durchs Netz. Er zahlt keine KfZ-Steuern, keine Versicherungen und im Falle eines Unfalls auch kein Geld an die Opfer.

HildegardChudobbahildegard,chudobba@rheinische-post.de

Quelle: RP
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