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Duisburg
Margriet de Moors Rezept gegen eine "Schlaflose Nacht"

Duisburg. Die bekannte niederländische Autorin Margriet de Moor war Gast im Verein für Literatur und Kunst. Von Olaf Reifegerste

Auf Einladung des "Vereins für Literatur" las jetzt die "Grande Dame" der niederländischen Literatur, Margriet de Moor, die 1941 als Margaretha Maria Antonetta Neefjes im niederländischen Seebad Noordwijk geboren wurde, in der Zentralbibliothek aus ihrem vor zwei Monaten erschienenen Roman "Schlaflose Nacht". Ihr zur Seite stand als Gesprächspartner des Abends Wolfgang Schwarzer.

Das Thema des Buches ist die Frage nach dem "Warum", die letztlich unbeantwortet bleibt. So will es der Inhalt des Romans, der die Hauptfigur mit einem ungelösten Geheimnis leben lässt, aber natürlich auch die Autorin, die nur etwas zeigen, nicht aber erklären wolle, wie sie sagt. Die Erzählung beginnt zunächst ganz harmlos: "Dies ist wieder eine dieser Nächte, die ich schlaflos durchlebe." Das sagt die im Roman namenlos bleibende Frau und berichtet von ihrer Schlaflosigkeit.

Seit einiger Zeit verzichte sie aber darauf, sich im Bett hin und her zu wälzen, erzählt sie weiter, sondern sie stehe stattdessen auf und backe Kuchen. So auch in dieser Nacht, die zugleich das Zeitfenster der Handlung markiert.

Zusammen mit ihrem Hund Anatole geht sie in die Küche und backt: Herrnhuter Sandküchlein, Butterkuchen mit Zimt, Apfelkuchen, eine Bretonische Schinkenquiche und später sogar noch einen russischen Napfkuchen mit Wodka. Recht bald, nämlich alles auf den ersten Seiten des Buches, wird klar, dass etwas Unfassbares passiert war, was die Frau nicht schlafen lässt. Doch in der besagten Nacht ist sie nicht allein - sie hat Gesellschaft: Ein Mann, den sie an diesem Tag zum ersten Mal in einer Bahnhofsgaststätte traf, schläft tief und fest in ihrem Bett.

Doch was war so Unfassbares passiert? Vierzehn Monate dauerte ihre Ehe mit Ton. Bis er plötzlich, ohne Ankündigung und Erklärung, seinem Leben ein Ende setzt. Mit einem Schuss in den Kopf, an einem Tag im September. Der Selbstmord wirkte auf die damals zwanzigjährige Ehefrau, die gerade Lehrerin geworden war, wie eine Schuldzuweisung. Blieb sie deshalb in dem Haus des kleinen Dorfes wohnen? Wir wissen es nicht.

Das jetzige Werk wurde von der Autorin aber nicht neu geschrieben, sondern "lediglich" bearbeitet. Die Ursprungsnovelle erschien 1989 unter dem Titel "Op het eerste gezicht" und war Inhalt eines dreiteiligen Novellenbandes. Von Rotraut Keller seinerzeit auf Deutsch übersetzt, kam die Erzählung in dem Band 1994 bei dtv unter dem Titel "Auf den ersten Blick" heraus. Ihr jetziger Herausgeber, der Carl Hanser Verlag, wollte diese Novelle im Zuge der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Schwerpunkt "Flandern und die Niederlande" aber neu bearbeitet und vor allem neu übersetzt haben.

"Das ist zwar eher ungewöhnlich, war für mich aber sehr schön", freute sich de Moor darüber. "Ich habe nicht viel verändert. Figuren in der Literatur verändern sich nicht. Sie sind unsterblich, sind ewig. Doch es ist eine ganz neue Übersetzung geworden."

Die Übersetzung der Neubearbeitung besorgte erneut Helga von Beuningen, die seit Beginn der 1990er Jahre alle ihre Veröffentlichungen aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen hat.

Quelle: RP
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