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Duisburg
Martin Stadtfeld sprang für erkranke Pianistin Alice Sra Ott ein

Duisburg. Am Sonntag erhielt Prof. Franz Xaver Ohnesorg, der Intendant des Klavier-Festivals Ruhr, einen Anruf der jungen Münchner Pianistin Alice Sra Ott, die bei diesem Festival oft und gerne in Duisburg auftritt. Sie musste ihr für Montag in der Gebläsehalle im Landschaftspark vorgesehenes Konzert absagen, weil ihr der Arzt das Reisen verboten hatte. Ohnesorg erreichte dieser Anruf in einem ICE von Berlin nach Hamm, wo an diesem Tag ein Konzert des Klavier-Festivals stattfand, der wiederum bei Rheda-Wiedenbrück auf offener Strecke liegenblieb und geräumt werden musste. Von Ingo Hoddick

Der 1980 in Koblenz geborene, schon recht renommierte Pianist Martin Stadtfeld sprang ein und rettete somit den Abend mit seinem sechsten Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr. Er hatte fünf Werke seines Leib- und Magenkomponisten Johann Sebastian Bach mitgebracht, wo nötig nach alter Pianistentradition selbst für Klavier bearbeitet, und zwei von Robert Schumann. Das war zunächst das Choralvorspiel "Wie schön leuchtet der Morgenstern" BWV 739, die Toccata fis-Moll BWV 910 und das "Capriccio sopra la lontananza del fratello dilettissimo" (über die Abreise des geliebten Bruders) B-Dur BWV 992, scherzhaft und in der Mitte beim "allgemeinen Lamento der Freunde" tieftraurig, am Ende gibt es eine Posthorn-Fuge. Stadtfelds Bach wirkt volltönend, fast romantisch, respektiert aber immer die Struktur und meistens auch die Rhetorik dieser Musik. Dazu trägt sicher auch sein unbestechlicher Anschlag bei. Nur die beliebte, Bach zumindest zugeschriebene Toccata und Fuge d-Moll und die monumentale Passacaglia c-Moll BWV 582 erschienen hier zu bombastisch und auch ziemlich flächig. Nach der Pause spielte Stadtfeld Schumanns virtuose Toccata C-Dur op. 7 gewissermaßen als Präludium zu Bachs Passacaglia und danach Schumanns fast halbstündige, etwas spröde Humoreske B-Dur op. 20. Stadtfelds Schumann wirkt klar konturiert, swingt manchmal. Zum Glück hat der junge Pianist auch ein Händchen für die stillen und nachdenklichen Momente dieser Musik.

Das 27. Klavier-Festival Ruhr läuft noch bis zum 4. Juli und steht in diesem Jahr unter dem Motto "Der nordische Ton". Richtig nordisch wird es in der Gebläsehalle am kommenden Montag, 27. April, um 20 Uhr. Der finnische Pianist Oli Mustonen bringt dann zehn Klavierstücke op. 58 von dem vor 150 Jahren geborenen Jean Sibelius, seine eigene Sonate Nr. 1 "Jehkin livana", mit der er an das finnische Volksinstrument Kantele erinnert, Edvard Griegs Ballade in Form von Variationen über eine norwegische Melodie g-Moll op. 23 und die elektrisierende Sonate Nr. 6 A-Dur von Sergej Prokofjew.

Es gibt noch Karten, am einfachsten und sogar platzgenau unter www.klavierfestival.de im Internet.

Quelle: RP
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