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Duisburg
Matena-Tunnel bald voll mit Sand

Duisburg: Matena-Tunnel bald voll mit Sand
Der Matena-Tunnel ist seit 2013 aus Sicherheitsgründen nicht mehr betretbar und wird jetzt verfüllt. Dabei berücksichtigt Thyssen-Krupp Steel Europe die Belange des Denkmalschutzes. FOTOS (3): RAINER SCHRÖER FOTO: Rainer Schroeer
Duisburg. Die aus den Schimi-Tatorten bekannte Röhre unter dem Thyssengelände in Bruckhausen war so marode, dass sie für den Verkehr geschlossen wurde. Nun wird sie verfüllt. Von Hildegard Chudobba

Mit der Bezeichnung "Matena-Tunnel" können nicht einmal alle Duisburger etwas anfangen. Doch wenn die Rede ist von dem Tunnel, in dem manche schummrige Szene für die Schimi-Tatorte gedreht wurde, dann ist das anders. Schon lange ist die Unterführung unter dem Thyssen-Gelände in Bruckhausen, durch die man früher von der Kaiser-Wilhelm-Straße bis zur Alsumer Straße am Rhein fahren konnte gesperrt. Nun wird der Tunnel zugeschüttet.

Die Lastwagen rollen bereits und bringen Hüttensand in den Matena-Tunnel. Am Ende werden es rund 15.000 Tonnen sein, mit denen die in die Jahre gekommene Unterführung verfüllt wird. Der 1912 erbaute Tunnel war stark einsturzgefährdet und deshalb aus Sicherheitsgründen Mitte 2013 geschlossen worden. Große Bedeutung für den Verkehr hatte er eh nicht mehr.

Bei den Arbeiten berücksichtigt thyssenkrupp Steel Europe die Belange des Denkmalschutzes. Denn der Tunnel darf durch die Verfüllung nicht beschädigt werden, sondern bleibt als Ganzes erhalten. Wegen der historischen Bedeutung des Duisburger Bauwerks wird das zur Kaiser-Wilhelm-Straße gerichtete verzierte Ost-Portal aufbereitet sowie ein kurzes Stück des Tunnels. In diesem Bereich wird später eine Info-Tafel angebracht. Die Baumaßnahme soll im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen sein. Bevor der Matena-Tunnel zum Tunnel wurde, war es eine ganz normale zweispurige Straße, die das Betriebsgelände der August Thyssen-Hütte teilte und die Hauptverbindung zwischen Bruckhausen, dem ehemaligen Stadtteil Alsum und der Anlegestelle am Rhein war. Erste Überlegungen zur Errichtung einer Überbauung wurden bereits 1903 angestellt. Doch erst 1911 bekam die Matenastraße ein Dach.

Der Straßenbelag und die etwa 400 Meter lange Tunnelröhre waren in einem äußerst maroden Zustand. FOTO: Rainer Schroeer

Der etwa 400 Meter lange Tunnel war von Anfang an so ausgelegt, dass ihn auch schwere Lastwagen passieren konnten. Nach der Fertigstellung verband er die ehemaligen Werksteile Kokerei/Hochofenwerk mit dem Stahlwerk/Walzwerk und war damit sowohl für die Stadt Hamborn als auch für die August Thyssen-Hütte ein logistischer Zugewinn. Zeitweise fuhr sogar eine Straßenbahn auf diesem gepflasterten Streckenabschnitt. Am 29. Oktober 1910 nahm die erste Linie von Alsum durch den späteren Matena-Tunnel über die Stadtmitte von Hamborn bis nach Oberhausen-Buschhausen ihren Betrieb auf. 55 Jahre schoben sich die Bahnen durch den Tunnel. Erst 1965 wurde die Linie durch die vier Meter hohe Röhre stillgelegt.

Einem bundesweiten Fernsehpublikum wurde der Matena-Tunnel dank Götz George bekannt. In sechs Folgen diente er dem Tatort-Kommissar als Kulisse für Szenen, in denen es eher nicht darum ging, Duisburgs schöne Seiten zu zeigen. Denn dass der Tunnel mit den schmutzig-beigen Kacheln eine Scheußlichkeit war, darin stimmten viele Duisburger überein, die ein ungutes Gefühl hatten, wenn sie bei schummrigem Licht durch die Röhre fahren mussten.

Eine Besonderheit des Tunnels war der abknickende Bürgersteig. FOTO: Rainer Schroeer

Die städtische Matenastraße verlor in den vergangenen Jahrzehnten für Thyssen ihre Bedeutung, weil der Zugang auf das Betriebsgelände nur noch über die Werktore erfolgte. Die dauernde Instandsetzung der Straße sowie der zum Teil gefliesten Röhre, die sich nach wie vor in Firmenbesitz befindet, machte angesichts des maroden Gesamtzustands keinen Sinn mehr. Als Ersatz für den deshalb geschlossenen Tunnel wurde 2013 für die Fußgänger und Radfahrer ein zwei Kilometer langer Rad- und Wanderweg nahe dem Werkgelände angelegt.

Mit der Verfüllung des Matena-Tunnels wurde in diesen Tagen etwa 150 Meter hinter dem West-Portal begonnen. Verwendet wird sogenannter "Hüttensand", ein Nebenprodukt der Stahlherstellung, das auch im Straßenbau verwendet wird und bedenkenlos eingesetzt werden kann. Von der Kaiser-Wilhelm-Straße fahren die Lastwagen bis vor den Tunneleingang und laden ab. Das Material wird dann mit Radladern in die Röhre transportiert und an der Einbaustelle verfüllt.

Bevor der Matena-Tunnel zum Tunnel wurde, war der Abschnitt eine zweispurige Straße. Diese teilte das Betriebsgelände der August Thyssen-Hütte in zwei Teile. FOTO: thyssenkrupp-Konzernarchiv

Stück für Stück wird die Baustelle zurück in Richtung Kaiser-Wilhelm-Straße wandern. Die Einbauhöhe des Hüttensandes erfolgt bis etwa zwei Meter unter die Tunneldecke. Der verbleibende Hohlraum wird anschließend mit einem hydraulischen Spezialbindemittel auf Zementbasis aufgefüllt.

Vor Beginn der Arbeiten mussten zunächst verschiedene Kabel- und Rohrleitungen entfernt bzw. neu verlegt werden. Außerdem waren noch technische Fragen wie das Ziehen von Zwischenwänden zu klären. Weiterhin gab es während der Ausschreibungsphase Änderungsvorschläge aus dem Bieterkreis, die geprüft und bewertet werden mussten. Die Bauleitung geht nun davon aus, dass die Arbeiten zügig voranschreiten und im kommenden Frühjahr abgeschlossen sein werden.

Quelle: RP
 
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