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Duisburg
Materialhilfe für Seiteneinsteigerklassen

Duisburg: Materialhilfe für Seiteneinsteigerklassen
Klaus Bongardt (rechts) von der Caritas bemüht sich schon seit Jahren um die Integration von Zuwanderern in Duisburg. FOTO: ARchiv
Duisburg. Nach den jetzt startenden Sommerferien beginnt ein neues Schuljahr - auch für Zuwandererkinder aus Rumänien und Bulgarien. Damit auch diesen Kindern der Start gelingt, hilft die Caritas mit Schulmaterialien.

Sie kommen aus Spanien, Portugal oder Polen - die sogenannten Seiteneinsteiger-Klassen sind bunt gemischt. Doch der größte Teil der neuen Schüler kommt aus Rumänien und Bulgarien, nur mit dem sprichwörtlichen Hemd auf dem Leibe. Das sind fatale Startbedingungen, denn: "Zum Schulbeginn werden Weichen für das ganze Leben gestellt", sagt Klaus-Peter Bongardt vom Caritasverband Duisburg. "Wer von Anfang an nicht mithalten kann, der ist uns bereits durch die Maschen des sozialen Netzes entglitten. Das können wir uns menschlich und gesellschaftlich nicht leisten."

Deswegen etablierte die Caritas neben den "Satt&Warm-Aktien" für bedürftige Schulkinder - eine Aktion für Schulmittagessen und Winterkleidung - das ergänzende Projekt "Steck die Bildung in die Tasche": ein Aufruf, gut erhaltene Schultaschen zu spenden - natürlich werden auch neue Rucksäcke und Tornister gern entgegen genommen. "Für die Kinder wäre das eine Riesenfreude", erklärt der Caritas-Mann. "Wenn man sieht, wie sehr sie sich hineinknien, wie sehr sie lernen wollen, dann tut es weh, sie mit stigmatisierenden Plastiktüten zu sehen, während vom Schicksal begünstigtere Mitschüler mit Markentaschen unterwegs sind. Hier wünschen wir uns mehr Chancengleichheit."

Mit den richtigen Materialien können auch Kinder von Flüchtlingen und Zuwanderern im Schulalltag besser lernen. FOTO: privat

Eine Schultasche ist jedoch erst der Anfang: Seit Jahren betreibt die Gemeindecaritas in Kooperation mit Gemeinden und Ehrenamtlichen die unverzichtbaren Schulmaterialkammern. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren es bereits über 3000 Kinder, die sie dank der Spendenbereitschaft von Mitbürgern und Sponsoren in den vergangenen fünf Jahren unterstützen konnten. Und ein Ende ist nicht in Sicht - im Gegenteil: "Wir verzeichnen derzeit in manchen Stadtteilen unverhältnismäßig hohe Einschulungsraten", sagt Bongardt. "In Hochfeld zum Beispiel gehen an jeder Grundschule vier erste Klassen an den Start, das sind zwölf Seiteneinsteiger-Klassen, mit Schülerinnen und Schülern, die altersmäßig in die erste bis vierte Klasse gehören. Hierbei handelt es sich um Kinder von Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylbewerbern, die ganz neu in Deutschland eingetroffen sind. Anders als ALG-II-Bezieher bekommen sie keinerlei Leistungen für Schulmaterialien. Dabei fängt Bildung mit der richtigen Ausstattung an."

Das kann Bettina Grosser, Schulsozialarbeiterin an der Gemeinschaftsgrundschule Eschenstraße in Wanheimerort, bestätigen. Sie erlebt das Schicksal dieser Kinder täglich: "Der Teufel steckt wirklich im Detail", sagt sie. "Ein fehlender Füller erschwert das Lernen der Rechtschreibung, die wiederum Einfluss auf die gesamte Schullaufbahn hat. Die neuen Schüler aus Rumänien und Bulgarien haben tatsächlich gar nichts! Sie kommen im Winter mit Stoffschlappen in die Schule und haben natürlich auch keine Schulmaterialien. Bei unseren Hausbesuchen erleben wir hautnah, dass ihre Familien wirklich am Hungertuch nagen."

Um dieser Not entgegenzuwirken, hat die Sozialarbeiterin gemeinsam mit dem Lehrerkollegium ein Elternspenden-Café veranstaltet: Dort konnten sich die Familien von den Sachspenden das Nötigste aussuchen. "Unsere Familien sind sehr höflich und zurückhaltend. Anfangs befürchteten wir, sie würden nicht zugreifen, da es ihnen unangenehm ist. Doch durch die Klassenlehrerin Sabine Pandel konnte viel Vertrauen aufgebaut werden - so war das Spenden-Café ein schöner Erfolg." Nun soll auch noch ein kostenloser Deutschkurs ins Leben gerufen werden. "Die Männer wollen arbeiten, aber sie müssen erst Deutsch lernen und die kostenpflichtigen Kurse können sie sich nicht leisten. Auch hier müssen wir ansetzen", sagt die Sozialarbeiterin.

"Es sagt sich immer so leicht: Kinder sind unsere Zukunft.", mahnt Caritas-Mann Klaus Peter Bongardt. "Doch die Deutschen bekommen immer weniger Kinder. Hier haben wir nun Kinder, die dringend integriert werden müssen." Auch Caritas-Vorstand Thomas Güttner versteht den vielseitigen Einsatz rund um das jeweils betroffene Kind und seine Familie "als unmittelbare Hilfen, die unsere darüber hinaus gehende Aufgabe ergänzen, als Stadtgesellschaft wirksame und tragfähige Konzepte eines interkulturellen Zusammenlebens zu etablieren: Bildungsteilhabe und Chancengerechtigkeit sind dabei unverzichtbare Zukunftsbausteine."

Quelle: RP
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