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Duisburg
Mehr Mieter als Coesfeld Einwohner

Duisburg: Mehr Mieter als Coesfeld Einwohner
In der neuen Siedlung am Angerbogen stehen mehr Architektenhäuser als solche von der Stange. Ähnliches ist auch für das östlich davon gelegene Gebiet geplant, für das sich die Gebag als Grundstücksentwickler anbietet. FOTO: Archiv
Duisburg. Geförderter Wohnungsbau, Pflege des Bestandes und Grundstücksentwicklung - das sind die drei Säulen der Gebag, die Geschäftsführer Bernd Wortmeyer erfolgreich aus der Krise geführt hat. Von Hildegard Chudobba

In Kürze wird Gebag-Chef Bernd Wortmeyer den Verlauf des Geschäftsjahres 2015 vorstellen und dabei zufrieden dreinschauen. Seit seinem Amtsantritt vor einem guten Jahr hat er das städtische Unternehmen aus dem Tiefkeller wieder an die Oberfläche geholt - oder anders gesagt verhindert, dass die Wohnungsgesellschaft in die Insolvenz abgleitet und bewirkt, dass die Banken wieder Vertrauen in die Geschäftsfähigkeit haben.

"Keine Abenteuer" ist die Devise von Wortmeyer, der damit auf Geschäfte der Gebag in der Vergangenheit anspielt, die die Krise verursacht haben - zum Beispiel die Küppersmühle oder das Atlantis-Kindermuseum. Er hat die Aktivitäten wieder auf das Kerngeschäft zurückgeführt: Wohnungsbau und -vermietung. Das jetzt wieder positive Geschäftsergebnis "kommt aus dem Bestand", sagt er. Zu dem zählen rund 12.000 Wohnungen mit 38.000 Bewohnern. Das sind etwa so viel, wie die Stadt Coesfeld Einwohner hat (rund 36.000).

Früher führte die Gebag den Zusatz "gemeinnützig" im Namen. Und diese Ausrichtung wird in Zukunft wieder stärker deutlich werden. Im öffentlich geförderten Wohnungsbau sieht Wortmeyer den richtigen Ansatz für Duisburg. Mit Quadratmetermieten von unter sech Euro will er den sozialen Wohnungsmarkt beleben, damit abwanderungswillige Duisburger bleiben, abgewanderte zurückkommen und neue aus Nachbarkommunen wie Düsseldorf hierher finden. "Hochpreisig bauen, das ist nicht unser Metier", sagt Wortmeyer.

Rund 70 Millionen Euro will die Gebag in den nächsten beiden Jahren in die Hand nehmen. Neben dem Bau geförderter Wohnungen wird das Geld auch verwendet, um den Altbestand zu sanieren. Zu dem zählt etwa ein Drittel des Bestandes. Im ersten Schritt werden 660 Wohnungen in Siedlungen an 18 Standorten sowie 900 in Einzelobjekten auf Vordermann gebracht. Anders als in den zurückliegenden Jahren "werden wir keine Wohnungen mehr verkaufen", kündigt Wortmeyer an. Stattdessen wird gebaut, etwa bezahlbare Einfamilienhäuser für Kinderreiche. Ins Hochpreissegment wagt sich das Unternehmen, allenfalls als Bauträger zusammen mit solventen Partnern beziehungsweise als Grundstücksentwickler.

So im Angerbogen. Dort kann sich Wortmeyer vorstellen, für die nötige Infrastruktur und Baureifmachung zu sorgen, die parzellierten Grundstücke zu verkaufen und den Käufern zur Seite zu stehen, den passenden Architekten oder Bauträger zu finden. Ähnlich wie auf der gegenüberliegenden Seite sollen bekanntlich auch auf dem östlich der Straßenbahnlinie liegenden Gelände hochwertige und individuell gestaltete Immobilien (Einfamilien-Häuser) entstehen, um Besserverdienende in die Stadt zu locken. "Das wird funktionieren", ist Wortmeyer sicher. Neubautätigkeit wird es auch einige Kilometer weiter auf dem ehemaligen Kasernengelände geben. Dort sind noch einige Mehrfamilienhäuser geplant. "Und im kommenden Jahr wollen wir dort auch einen Kindergarten errichten", kündigt der Gebag-Chef an.

Neubauaktivitäten im großen Stil setzen geeignete freie Grundstücke voraus. Das Angebot ist hier allerdings begrenzt. Wortmeyer kann sich gut vorstellen, künftig zum Beispiel nicht mehr benötigtes Schulgelände für den Wohnungsbau zu aktivieren, weil die Grundstücke meist gut angebunden im Stadtteil liegen.

Gleichzeitig hält er es für wichtig, Angebote zu schaffen, mit denen auf den demografischen Wandel reagiert wird. "Es müssen nicht immer komplett barrierefreie Wohnungen sein", sagt er. Manchmal reiche es schon, Stolperfallen zu beseitigen oder Aufzüge einzubauen. Der Gebag-Kasse gut getan hat die Flüchtlingswelle, das will Wortmeyer gar nicht bestreiten. Jeder fünfte in Duisburg untergebrachte Flüchtling lebt inzwischen in einer Wohnung des Unternehmens. Standen vor zwei Jahren noch rund 1000 Gebag-Wohnungen leer, so sind es inzwischen nur noch rund 700, quasi ein Bodensatz, "denn die meisten lassen sich nicht mehr herrichten, sondern müssen abgerissen werden". Anders als vielleicht manch privater Immobilienbesitzer, wird die Gebag aber auch hier bei der Mietpreiskalkulation ihrem sozialen Auftrag gerecht. "Und bei größeren Objekten übernehmen wir sogar die Betreuung."

Quelle: RP
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