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Duisburg
Mehr Platz für Asylsuchende

Duisburg: Mehr Platz für Asylsuchende
Beim Frühstück der Flüchtlingshilfe Neudorf kann es auch passieren, dass zur Musik von Mozart auf den Tischen getanzt wird... FOTO: Flüchtlingshilfe Neudorf
Duisburg. Flüchtlingshilfe Neudorf organisiert zudem kulturelles Frühstück mit Musik der Duisburger Philharmoniker. Von Jan Luhrenberg

Ende des vergangen Jahres sind die ersten Flüchtlinge in das ehemalige Verwaltungsgebäude in der Memelstraße gezogen. Nun genehmigte der Stadtrat in der letzten Ratssitzung den Umbau des bisher ungenutzten Gebäudeteils der Anlage - der Neubau soll Teil der Asylbewerberunterkunft werden.

Mit diesen Baumaßnahmen begegnet die Stadt dem großen Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten der Asylbewerber, der keineswegs abzuebben scheint. In den 19 schon vorhandenen Übergangsheimen der Stadt stehen zurzeit nur noch rund 90 freie Plätze zur Verfügung. Dem gegenüber stehen Prognosen, die besagen, dass das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 voraussichtlich 200.000 Flüchtlinge aufnehmen muss. Diese Verpflichtung geht aus den Regularien des "Königsteiner-Schlüssels" hervor. Die Aufnahmeqoute der Gemeinde Duisburg liegt bei knapp 2,5 Prozent, so dass rechnerisch bis zu 5.000 Asylsuchende ihre neue Heimat alleine in Duisburg finden werden. Hinzu kommen noch circa 1.500 Personen, die aufgrund des Aufnahmedefizits aus dem Jahr 2015 unterzubringen sind.

In der Memelstraße sollen die Bauarbeiten planmäßig zum Jahresende abgeschlossen sein. Zeitliche Verzögerungen kann sich das Projekt dabei nicht erlauben. Zu groß ist die Gefahr für die Stadt, ihrer Unterbringungspflicht nicht mehr nachkommen zu können. Mit dem Umbau des nördlichen Gebäudeteils der Anlage können 225 neue Plätze für Asylbewerber geschaffen werden.

Dazu gilt es zunächst den Gebäudeteil an die schon vorhandene Unterkunft anzuschließen, im Anschluss folgt die Einrichtung von Koch-, Speise- und Sanitärräumen sowie die Erneuerung der Gebäudeelektrik. Zudem bekommt der neue Flügel der Flüchtlingsunterkunft eine flächendeckende automatische Brandmeldeanlage, um die Sicherheit auf dem Gelände zu gewährleisten. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich in etwa auf zwei Millionen Euro.

Ab dem 5. März können sich die Bewohner der Unterkunft aber nicht nur über mehr Platz freuen - sie können sich auch regelmäßig an den Klängen von Mozart und Co. entzücken und sich dabei nicht nur satt hören, sondern auch satt essen. Jeden ersten Samstag im Monat wird das Treffen organisiert, bei dem die Flüchtlinge mit ihren Nachbarn und Unterstützern zum gemeinsamen Frühstück zusammenkommen. Die Flüchtlingshilfe Neudorf organisiert das monatliche Beisammensein in Kooperation mit Kultursprung e.V.

Im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in der Gustav-Adolf-Straße wird dann nicht nur gemeinsam gegessen und getrunken - anschließend greifen die Musiker der Duisburger Philharmoniker zu ihren Instrumenten und geben ein kleines Konzert.

Hintergrund dieses Zusammenseins ist folgender: Viele der 350 Bewohner der Unterkunft für Asylbewerber interessieren sich für Kultur, einige von ihnen haben an Kunstprojekten des Lehmbruckmuseums und an der aktuellen Ausstellung "Hafen - Ort der Wahrheiten" im Rahmen der Akzente teilgenommen. Bei mehreren Konzertbesuchen im Theater am Marientor haben die Bewohner der größten kommunalen Flüchtlingsunterkunft in der Stadt die Duisburger Philharmoniker bereits kennengelernt. "Das ist unser Beitrag zur Willkommenskultur", sagt deren Intendant Alfred Wendel.

Ab 10 Uhr sind die Türen des Gemeindesaals der evangelischen Kirche geöffnet. Kaffee und Tee stehen kostenlos zur Verfügung, genau wie die bunten Klänge der Philharmoniker. Luise Hoyer vom Verein Kultursprung e.V. hat das gemeinsame Frühstück von Flüchtlingen und Anwohnern mit entwickelt und setzt auf die Hilfsbereitschaft der Duisburger Bevölkerung: "Wer kommen möchte, bringt für sich und einen Gast aus der Unterkunft alles für ein Frühstück mit."

Klassische Musik und ein gemeinsames Frühstück - ist das ein Erflolgsrezept? "Ich bin mir sicher, dass die Philharmoniker bei unseren Freunden gut ankommen werden", meint Kai Toss von der Flüchtlingshilfe Neudorf. Deshalb soll das kleine Konzert während des gemeinsamen Frühstücks auch nur der Auftakt zu einer weiteren und ausgedehnten Kooperation zwischen den Philharmonikern und der Flüchtlingshilfe werden. Schon bald soll ein ganzes Konzert folgen, weitere musikalische Angebote, zum Beispiel mit Nachwuchsmusikern, sind ebenfalls geplant.

Quelle: RP
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