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Duisburg
"Meine Tochter ist bitter enttäuscht"

Duisburg: "Meine Tochter ist bitter enttäuscht"
Delfinshow im Zoo: Auch hier sind viele Kinder dabei. Um so verständlicher ist Emmas Enttäuschung, nicht zur Ferienfreizeit zu dürfen. FOTO: Crei
Duisburg. Carmen Scheeren kann nicht verstehen, wieso ihre an Epilepsie erkrankte Tochter nicht an der Ferienfreizeit im Zoo teilnehmen darf. Dabei habe ihr Kind seit langer Zeit keinen Anfall mehr gehabt. Von Jan Luhrenberg

Carmen Scheeren ist sauer, ihre Tochter tief traurig. Grund ist, dass die achtjährige Emma nicht an der Ferienfreizeit im Duisburger Zoo teilnehmen darf. Nachdem die Mutter den Zoo darüber informiert hatte, dass ihre Tochter an einer besonderen Form der Epilepsie leidet, hatte dieser ihr die Teilnahme an der Veranstaltung untersagt. Scheeren kann diesen Schritt nicht nachvollziehen und ist verärgert.

Sie sagt, dass bei ihrer Tochter die sogenannte Rolando-Epilepsie diagnostiziert wurde. Bei dieser Krankheit kann es vorkommen, dass ein Kind nachts oder in den späten Abendstunden Krampfanfälle bekommt. "In der Einschlafphase oder wenn meine Tochter sehr müde ist, dann ist das Risiko eines Anfalls zwar größer", erklärt Scheeren, die als Kinderpsychologin in einem Krankenhaus arbeitet, "doch da meine Tochter Medikamente nimmt, ist ein Anfall selbst dann äußert unwahrscheinlich." Zudem habe ihre Tochter schon seit langer Zeit keine Probleme mehr gehabt, sie gehe normal zur Schule und besuche mehrere Sportvereine.

Nicht nur aus diesem Grund ist die Mutter über die Absage des Zoos überrascht und enttäuscht. Auch habe ihre Tochter stets ein Notfallmedikament dabei. "Das ist eine Art Spritze - aber ohne Nadel -, die jeder Mensch verabreichen kann", erklärt die Psychologin. Dafür sei keine Ausbildung nötig. Bei einem Krampf müsse das Medikament nur in den Mund eingeflößt werden.

Nach Angaben von Scheeren habe der Zoo am Kaiserberg auch dann noch erhebliche Bedenken geäußert, nachdem der zuständige Betriebsarzt des Tierparks zurate gezogen worden war. "Mir wurde gesagt, dass der Zoo nicht verantworten kann, dass Mitarbeiter in eine therapeutische Situation gelangen", berichtet Scheeren. "Dabei ist die Anwendung des Medikaments einfach und wahrscheinlich nicht nötig." Vor allem ärgere sie aber, dass der Arzt ein Urteil gefällt habe, ohne Rücksprache mit ihr zu nehmen oder den behandelnden Arzt des Mädchens zu kontaktieren.

Auch sei ihr bis Mittwoch verweigert worden, mit dem zuständigen Arzt zu sprechen und die Rolando-Epilepsie zu erklären. Der Zoo habe schlicht nicht gewusst, welche Krankheit ihre Tochter genau habe. "Auf meine Bitte, mit jemandem zu sprechen oder eine Telefonnummer zu bekommen, wurde nur gesagt, dass an der Entscheidung nicht zu rütteln sei", berichtet Scheeren. Die Erklärungsversuche des Zoos seien zum Teil hanebüchen gewesen. "Mir wurde ein extremer Fall geschildert, der sehr wahrscheinlich nicht eintritt", sagt die Mutter. "Man hat mir zum Beispiel mitgeteilt, dass der Zoo es nicht verantworten könne, dass meine Tochter einen Anfall bekommt, wenn die Gruppe mit 15 Kindern in einem Tiergehege unterwegs ist." Sie wisse allerdings ganz genau, dass es eine solche Situation bei der Freizeit nicht gebe. Ihr Sohn habe das Programm schließlich schon im Jahr 2015 absolviert.

Auf Nachfrage beteuert der Zoo, dass an einer Lösung gearbeitet werde. Man habe der Mutter vorgestern auch die Telefonnummer des Arztes gegeben, berichtet Philipp Schroeder, der im Zoo für die Ferienfreizeit zuständig ist. "Es ist niemals gesagt worden, dass das Kind partout nicht an der Ferienfreizeit teilnehmen darf."

"Das ist falsch", sagt Scheeren. "Ich habe eine ganz klare und endgültige Absage bekommen." Darin stehe wortwörtlich, dass ihre Tochter nicht an der Ferienfreizeit teilnehmen dürfe. "Außerdem hat man mir gesagt, dass das Gesprächsangebot mit dem Betriebsarzt nur dazu dienen soll, die Gründe für die Absage zu erhalten." Damit sei ihr aber nicht geholfen. Emma habe sich schon jahrelang auf die Ferienfreizeit gefreut und müsse die schlechten Nachrichten erst einmal verdauen. "Meine Tochter ist bitter enttäuscht."

Quelle: RP
 
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