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Heimat erleben in Duisburg
"Meine Wurzeln sind hier und nicht anderswo"

Heimat erleben in Duisburg: "Meine Wurzeln sind hier und nicht anderswo"
Hermann Kewitz, Vorsitzender von proDuisburg. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Hermann Kewitz ist Vorsitzender der Bürgerschaftlichen Vereinigung proDuisburg, Nachfolgerin des 1910 gegründeten Verkehrsvereins.

Der Verkehrsverein hatte sich seinerzeit die Vermarktung der damals wachsenden und prosperierenden Stadt zur Aufgabe gemacht. Liebe zur Heimat verband damals die Mitglieder. Heimatliebe ist auch heute noch die Basis für die Arbeit von proDuisburg.

Was verbinden Sie mit dem Begriff Heimat?

Kewitz Damit verbinde ich den Ort, an dem man seine Wurzeln in den Boden lassen kann. Für mich ist Heimat eng verknüpft mit dem Gefühl der Sicherheit, mit Menschen, die man kennt und denen man vertraut, mit einem Ort, an dem ich mich geborgen fühle und an dem ich mich tatsächlich auskenne.

An welchen Stellen in Duisburg fühlen Sie sich denn heimisch?

Kewitz Sicherlich an meinem Wohnort in Buchholz. Aber vieles verbindet mich auch mit Hüttenheim, weil ich dort geboren wurde und aufgewachsen bin. Wenn ich nach einer Reise nach Duisburg zurückkehre, dann ist der Stadtwerketurm für mich ein Symbol für unsere Stadt, auch wenn ich dessen Abriss für sinnvoll halte. Und wenn ich auf der Brücke der Solidarität stehe und über den Rhein in Richtung Norden schaue, dann weiß ich, wo ich meine Wurzeln habe. Hier und nicht anderswo!

Finden Sie nicht, dass Heimat antiquiert klingt?

Kewitz Das mag vor einigen Jahren so gewesen sein, aber heute nicht mehr. In einer Zeit, in der wir uns - zum Beispiel virtuell - in der ganzen Welt bewegen und vieles über fremde Länder wissen, gewinnt Heimat wieder an Wert. Ich habe den Eindruck, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit gerade bei jungen Menschen wächst und Heimatliebe eine Renaissance erlebt. Schauen Sie sich nur an, wie viele Zeitschriften es auf dem Markt gibt, deren Inhalte Heimatgefühle transportieren - sei es bei der Wohnungseinrichtung (Stichwort Landliebe), bei der Ernährung oder auch beim Reisen innerhalb Deutschlands.

Was hat Sie bewogen, proDuisburg beizutreten?

Kewitz Als freier Mitarbeiter dieser Zeitung habe ich den Verein bei einem Pressetermin kennengelernt. Ich habe mich schon damals als Duisburger gefühlt, der seine Heimat liebt, ohne unkritisch zu sein. Ich war damals und bin auch heute der Meinung, dass diese Leidenschaft sehr gut zu proDuisburg passt.

Grund zu Kritik hat man in Duisburg doch reichlich, oder?

Kewitz Ich vergleiche das immer mit einem Fußballfan: Der hält seinem Verein auch dann die Treue, wenn mal ein Spiel verloren geht, er schimpft dann kräftig auf die Spieler, den Trainer oder die Vereinsspitze. Aber sich abkehren, wird er nie. Meine Beziehung zu dieser Stadt ist eine nicht gewinnorientierte Liebe. Sicherlich gibt es hier viele Entwicklungen, die mir gar nicht gefallen. Aber das ist doch kein Grund, meine Freundschaft zu kündigen! Oft verliebt man sich in Duisburg erst auf den zweiten Blick, will zunächst nicht hierher, und wenn man erst mal hier ist, will man nicht mehr weg. Das sagt doch viel aus über den Charakter unserer Stadt und ihrer Bürger.

Warum verliebt man sich nicht in Duisburg auf den ersten Blick?

Kewitz Weil wir ein schlechte Image haben, was mich sehr ärgert. Gegen dieses schlechte Image kann man aber etwas tun. Allerdings nicht, indem man alles in den Fokus rücken will, was wir hier für wichtig halten. Ich würde erst mal einen einzigen Ansatzpunkt herausnehmen. Zum Beispiel Duisburg, die Hafenstadt. Von da ließe sich ganz leicht ein Bogen schlagen zu anderen Orten in der Stadt, für die Wasser eine wichtige Bedeutung hat, wie die Regattabahn oder der Innenhafen. Ich finde, dass der Standortvorteil gar nicht genug herausgehoben werden kann. Und auch Duisburg, die Mercatorstadt, ist werbewirksam. Denn ohne die Arbeit von Gerhard Mercator gäbe es heute weder Globen und Landkarten, noch Navigationsgeräte. Wir haben zwar die drei Türen zum Niederrhein, zum Ruhrgebiet und zum Rheinland. Aber lass uns doch erst einmal durch eine richtig durchgehen und nicht gleich auch die beiden anderen öffnen.

Kann es sein, dass sich Duisburg seiner Stärken überhaupt nicht richtig bewusst ist und viel zu bereitwillig in Selbstmitleid versinkt?

Kewitz Ja, das Gefühl habe ich manchmal. Wir gefallen uns leider in unserem Selbstmitleid viel zu sehr und klagen über alles und nichts, weil es uns ja angeblich so schlecht geht. Wie man es richtig macht, das haben wir doch beim MSV erlebt. Der Verein war nun wirklich tot, und zwar so was von tot... Mit Leidenschaft - auch die der Fans - ist der Club wiederbelebt worden. Er hat damit unheimlich viel Sympathie gewonnen. Diese Leidenschaft müssen wir auch für Duisburg zeigen. Es gibt doch genug Bürger, die für ihre Anliegen in ihren Stadtteilen kämpfen. Warum soll es nicht möglich sein, diese Leidenschaft auch zum Wohl der gesamten Stadt zu wecken? Und genau das, nämlich zum Wohle der Stadt tätig zu sein, das ist die zentrale Aufgabe von proDuisburg.

Aber wäre das nicht eigentlich Aufgabe der Politik?

Kewitz Da halte ich mich raus. Der Verein ist bewusst nicht politisch. Bei 400 Mitgliedern gäbe es ansonsten wohl auch nur ergebnislose Diskussionen. Wir sind aus gutem Grunde unparteiisch und überkonvessionell. Wir versuchen auch nicht, bei aktuellen Debatten mitzureden. Sondern wir überlegen, wie wir handeln können, wenn ein Problem auftaucht. Ein gutes Beispiel dafür ist die Loveparade-Katastrophe vor gut fünf Jahren. Von uns haben Sie keinen Ton dazu gehört, wie wir die Rolle von Oberbürgermeister Adolf Sauerland damals bewertet haben. Wir haben aber andererseits die Initiative für einen Trauermarsch ergriffen und uns an der Planung und Realisierung einer Gedenkstätte beteiligt.

DAS INTERVIEW MIT HERMANN KEWITZ FÜHRTE HILDEGARD CHUDOBBA.

Quelle: RP
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