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Duisburg
Mercatorquartier: Die letzten Mauern fallen

Duisburg: Mercatorquartier: Die letzten Mauern fallen
FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Der letzte Teil des ehemaligen Berufskollegs wird in den kommenden Tagen dem Erdboden gleich gemacht. Anfang kommenden Jahres kann die Fläche übergangsweise genutzt werden, bis hier Wohnungen entstehen. Von Carolin Skiba

Die Abbrucharbeiten auf dem Mercatorquartier befinden sich in den finalen Zügen. In der kommenden Woche soll der letzte Gebäudeteil des ehemaligen Berufskollegs abgerissen werden - die Sicht auf das Rathaus und die Salvatorkirche wird danach frei sein.

Seit Mitte Januar wird zwischen Steinscher Gasse, Oberstraße, Rabbiner-Neumark-Weg (Obermauerstraße) und Gutenbergstraße das ehemalige Schulzentrum in der Mitte abgerissen und an den Rändern zum Teil gut erhaltene Reste der Altstadt ausgegraben. Im Mercator-Jahr 2012 erklärte Stadtarchäologe Thomas Platz das gesamte Areal zum Bodendenkmal. Mit 25.000 Quadratmetern ist dieses nun eines der größten Bodendenkmäler in Deutschland. Alle Arbeiten müssen daher archäologisch begleitet werden. "Dadurch geht alles natürlich etwas langsamer, ist aber dafür auch interessanter", sagt Oberbürgermeister Sören Link. Er zeigte sich sehr zufrieden mit dem Projekt und dessen Verlauf. "Hier passiert viel für die Entwicklung der Stadt", sagte er. Das sei ein deutliches Signal an die Duisburger Gesellschaft.

Die Bagger leisten ganze Arbeit. Schon bald gibt es hier eine innerstädtische Fläche von rund 25.000 Quadratmetern Fläche, die entwickelt werden soll. FOTO: Christoph Reichwein

Sobald der große Körper des Berufskollegs weg ist, soll die Zwischennutzung des Geländes besprochen werden. Denn bis sich ein Investor findet, der das Gelände bebaut, soll die Fläche nicht ungenutzt bleiben. Was genau dort entstehen soll, ist aber noch nicht klar. Planungsdezernent Carsten Tum: "Ich könnte mir vorstellen, dass dort ein Zirkus gastiert", sagt er. Oder das Areal könnte für Parkplätze genutzt werden. Bis Anfang kommenden Jahres soll eine Entscheidung gefallen sein, denn Ende dieses Jahres werden die Arbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein. Dazu gehört aber nicht nur, dass alle Gebäude dem Erdboden gleich gemacht wurden, sondern auch, dass die ausgehobenen Löcher provisorisch mit etwa 20.000 Kubikmeter Sand befüllt sind, um die Fläche zu nutzen. Sobald sich ein Investor gefunden hat, werden die archäologischen Funde in die rund 200 geplanten Wohneinheiten, die im Mercatorquartier entstehen sollen, integriert. Tum: "Ich stell' mir das schon toll vor, wenn man oben in seiner modernen Stadtwohnung sitzt und unten befindet sich ein historischer Weinkeller." Gefunden wurden neben den historischen Fundamenten nämlich auch mittelalterliche Keller und Brunnen. Was bei den letzten Arbeiten, die in den kommenden Tagen stattfinden werden, noch gefunden wird, ist unklar. Projektleiter Lars Heuser sagt: "Wir sind gespannt, was sich unter dem Schulgebäude verbirgt. Wir sind gut im Zeitplan, aber wir müssen jederzeit damit rechnen, dass etwas Unerwartetes passiert." Die größte Herausforderung bei diesem Großprojekt sei, die historischen Funde nicht zu beschädigen.

Dass sich schnell ein Investor findet, davon sind alle Beteiligten überzeugt. Auf der anstehenden Expo Real, der größten Fachmesse für Immobilien und Investitionen in Europa, die Ende Oktober auf dem Münchner Messegelände stattfindet, soll das Areal bereits vorgestellt werden. Es gebe aber bereits einige Interessenten, wie der Planungsdezernent berichtete. "Innerstädtisch 25.000 Quadratmeter auf solch historischem Grund sind natürlich interessant", sagt er. Die Abrisskosten betragen rund 1,2 Millionen Euro. Abgerissen wurden laut Projektleiter Heuser 100.000 Kubikmeter umbauter Raum, also 35.000 Tonnen. Material, das recycelt wird und an anderer Stelle wiederverwendet werden kann.

Quelle: RP
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