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Duisburg
Mit der Caritashilfe durch Bosnien

Duisburg: Mit der Caritashilfe durch Bosnien
Noch immer sind in der bosnischen Landschaft Kriegsruinen zu sehen - wie hier in der Umgebung von Gorni Vakuf. FOTO: Heribert Hölz
Duisburg. Gemeinsam mit Bosnienhelfer Heribert Hölz haben drei Frauen der Kirchengemeinde St. Quirinus die Projekte der Caritas in Bosnien besucht. Sie sind beeindruckt von der Gastfreundschaft und erschüttert von der Armut vor Ort. Von Stefan Gilsbach

"Man braucht keine kugelsichere Weste, um Bosnien besuchen zu können", sagt Heribert Hölz. Er muss es wissen, denn der Neukirchen-Vluyner reist seit Jahrzehnten in das Land auf dem Balkan und hilft dort im Auftrag des Caritasverbandes Duisburg bedürftigen Menschen. Weil es nicht mehr gefährlich ist, Bosnien zu bereisen, nimmt Hölz gern Interessierte mit, die vor Ort die Arbeit der Bosnienhilfe erleben können.

Dieses Mal waren es drei Frauen aus der katholischen Kirchengemeinde St. Quirinus in Neukirchen-Vluyn, die mit der Caritas-Delegation gereist sind: Ursula Ernst, Marie-Luise Kals und Lilo Kruse. "Wir sind zunächst nach Sarajevo geflogen", berichten sie. Zwei Tage verbrachten sie dort als Gäste der Caritas. Ziel der Reise war Banja Luka im nordwestlichen Bosnien, dort sollte das 30-jährige Bestehen der dortigen Caritas gefeiert werden.

Auf dem Weg dorthin machten die Reisenden unter anderem Station in Zenica. "Dort betreibt die Bosnienhilfe eine Suppenküche", berichtet Heribert Hölz. "30.000 Euro im Jahr geben wir dafür aus." Und das Angebot ist bitter nötig, wie die Begleiterinnen bestätigen können. "Es gibt dort alte Frauen, die ganz einsam leben", erzählt Lilo Kruse. "Wenn die Mitarbeiter der Suppenküche ihnen nicht täglich die Mahlzeit vorbeibrächten, diese Menschen würden wahrscheinlich verhungern."

Überhaupt zeigten sich die drei Besucherinnen, die zum ersten Mal das Land auf dem Balkan besuchten, erschüttert über die Armut vieler Menschen. Die Arbeitslosigkeit ist dramatisch hoch, die Jugend sieht ihre Zukunft nicht in der Heimat, sondern in anderen europäischen Ländern wie Deutschland. Überall in der eindrucksvollen Landschaft stünden halb fertige Häuser, verlassene Rohbauten. Ursula Ernst kommentiert: "Ich habe meinen Bekannten daheim gesagt, ihr könnt vor Dankbarkeit niederknien, dass ihr hier in diesem Land leben dürft."

Doch dann wieder sehe man auch wieder protzige Anwesen mit Villen. Der Gegensatz zwischen den Superreichen und den Habenichtsen sei in Bosnien besonders krass, sagt Heribert Hölz. Dass es keine Fortschritte beim Aufbau des Landes gebe, liege nicht zuletzt an der Politik, die nach wie vor den Nationalitätenkonflikt schüre.

Angst und Hass zwischen den verschiedenen Gruppen zu säen - Serben, Kroaten, Muslimen - das bringt den einschlägigen Parteien verlässliche Wählerstimmen - ein Prinzip, das bekanntlich nicht nur in Bosnien funktioniert. "Ich war erstaunt, wie tief verwurzelt der Konflikt noch ist", gesteht Marie-Luise Kals. Immerhin: Die Waffen schweigen seit Jahrzehnten. Doch das Krisenpotenzial ist in der Region noch immer vorhanden.

Für Zeichen der Hoffnung in dieser Situation sorgen unter anderem christliche Schwestern, die Lebensmittel und Medikamente sammeln, um sie bedürftigen Menschen zukommen zu lassen. Ein eigenes Transportmittel haben sie meist nicht. "Sie müssen jemanden bitten, sie zu den Dörfern zu fahren, und das sind oft große Entfernungen", berichten die Reisenden. Trotz ihrer oft verzweifelten Lage seien die Menschen außerordentlich gastfreundlich, teilten mit den Besuchern, was sie haben.

Ebenfalls ein ermutigendes Projekt findet sich in der Europaschule in Travnik. Dort unterstützt die Bosnienhilfe der Duisburger Caritas mit 15.000 Euro für einen neuen Traktor eine angeschlossene Landwirtschaft, die den jungen Menschen Perspektiven gibt.

Mit verschiedenen Projekten hilft Heribert Hölz seit Jahren den Menschen vor Ort: mit Patenschaften, der bekannten Schaf-Aktion, mit dem Verkauf von Marmelade, die er mit seiner Ehefrau Ursula selbst einkocht und anderen Aktionen. "Es ist nicht leicht, die Armut in Bosnien immer wieder öffentlich zu machen, denn das Thema ist ja zum großen Teil aus den Medien verschwunden." Doch Hölz gelingt es immer wieder, die Menschen vom Sinn seiner Arbeit zu überzeugen. Sein Engagement begann in den 90er Jahren, als sich auf dem Balkan der schwelende Konflikt zum Krieg entzündete. Noch immer sehe die Zukunft der Region düster aus, meint er. Und dennoch fühlen er und seine Mitstreiter sich verpflichtet, den Menschen zu helfen, die es dringend nötig haben.

Quelle: RP
 
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