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Duisburg
Mit Kreuzen gegen den Stellenabbau

Duisburg. 279 Holzkreuze waren gestern an den Geländern vor dem Hauptgebäude der Sana Klinik in Wedau angebracht. Ein Kreuz für jeden Mitarbeiter, der durch den geplanten Stellenabbau seinen Job verlieren könnte. Von Carolin Skiba

Wer gestern Morgen das Hauptgebäude der Sana Klinik in Wedau besuchen wollte, wurde auf dem Weg dort hin von 279 Holzkreuzen begleitet, die am Geländer angebracht waren. An jedem Kreuz hing das Foto eines Angestellten, der bald seinen Job verlieren könnte, sollte der Plan der Geschäftsführung, den Mitarbeitern Mitte des Jahres zu kündigen, in die Tat umgesetzt werden. Während sich auf dem Vorplatz betroffene und solidarische Angestellte versammelten, um gegen die geplanten Entlassungen zu demonstrieren, tagte im Gebäude der Aufsichtsrat.

Das Sana Klinikum hatte im Februar mitgeteilt, Technikbereiche, Wäscherei und andere patientenferne Bereiche auszugliedern. Sana hatte diese Umstrukturierungen angekündigt, als das Klinikum im vergangenen Jahr der Stadt ihre Krankenhaus-Anteile abgekauft hatte. Sana hält die Ausgliederung für "unumgänglich" und branchenüblich, um konkurrenzfähig zu bleiben. Eine Kündigung der 279 Mitarbeiter soll zum 30. Juni erfolgen.

Der Betriebsrat hatte der Geschäftsführung das Angebot gemacht, das Kündigungsdatum der Mitarbeiter auf den 31. Dezember zu verschieben, um somit die Chancen der Angestellten zu erhöhen, andere Jobs zu bekommen oder intern versetzt zu werden. Der Betriebsratsvorsitzende Helmut Böckeler sagte nach der Sitzung, dass das Angebot nicht angenommen worden sei. "Man besteht weiterhin auf den 30. Juni", sagte Böckeler. Bis zu diesem Datum könne man aber keine vernünftigen Lösungen, wie etwa einen Übergang in den Vorruhestand, Abfindungsregelungen oder Versetzungen für die Betroffenen finden. Von der Geschäftsführung kam auf Anfrage folgendes Statement: "Der Aufsichtsrat der Sana Kliniken Duisburg verhandelt nicht mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan, da nicht er rechtlich zuständig ist, sondern die Geschäftsführung. Aus diesen Verhandlungen werden wir die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit informieren, sobald es konkrete Ergebnisse gibt."

Böckler kündigte an, dass nun Aktionen von Verdi folgen werden, die dazu führen könnten, dass die gesamte Klinik bestreikt wird.

Die Beschäftigten bangen unterdessen um ihre Jobs. "Ich bin seit 31 Jahren mit Herz und Seele bei der Arbeit, wir haben immer alles gegeben und jetzt wird uns einfach so gekündigt. Ich kann gar nicht mehr schlafen, so sehr belastet mich das", sagt Sabine Kampmann, die im Schreibdienst tätig ist. Ihre Kollegin Vera Heggen sieht das ähnlich: "Wir haben alle Angst. Damals hieß es noch, dass die Abteilungen outgesourced werden sollen, heute ist keine Rede mehr davon. Die wollen uns einfach weg haben, das finde ich ziemlich hinterhältig."

Betroffene und solidarische Duisburger, wie beispielsweise Elisabeth Brandt, sorgen sich nicht nur um die Arbeitsplätze, sondern auch um die Gesundheitsversorgung: "Darum geht diese Angelegenheit jeden Duisburger etwas an", sagt Frau Brandt. Aufgeben wollen die Angestellten noch nicht. Petra Graul, die derzeit in der Küche arbeitet, sagt: "Wir werden klagen und weiterkämpfen."

Quelle: RP
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