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Rp-Seire 60 Jahre Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik
Mit starkem Willen wieder auf die Beine

Rp-Seire 60 Jahre Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik: Mit starkem Willen wieder auf die Beine
Jörg Kreinacke (58) war Opfer eines unverschuldeten Motorradunfalls. Bei ihm Dr. Stefan Hobrecker. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Nach einem schweren Unfall war Jörg Kreinacke von der Brust abwärts gelähmt. Den Rollstuhl benötigt er inzwischen schon nicht mehr. Und in der BG Unfallklinik unternimmt er alles, um bald wieder selber laufen zu können. Von Hildegard Chudobba

Der 10. März war vergleichsweise sonnig und warm. Für Jörg Kreinacke endete an diesem Tag sein bisheriges Leben. Auf einer Landstraße bei Wesel übersah ein 72-jähriger Autofahrer an einer Kreuzung das Stoppschild und nahm dem dreifachen Familienvater die Vorfahrt, der den Frühlingstag zu einem ersten Ausflug auf seiner Harley nutzte.

"Ich kann mich sehr genau erinnern", sagt der 58-Jährige. Er wisse, dass er nach dem Aufprall durch die Luft geflogen sei und er nach dem Aufprall auf dem Asphalt seine Beine nicht mehr bewegen konnte. Er habe gesehen, dass die Kindergärtnerin seiner Tochter am Unfallort gewesen sei, und er habe irgendjemanden gebeten, seine Ehefrau anzurufen. Er erlebte mit, dass die Rettungskräfte ihm den ledernen Schutzanzug mit den Protektoren im Rückenteil vom Körper schnitten, der ihm vermutlich das Leben gerettet hatte. Nach der notärztlichen Versorgung am Unfallort wurde er ins Duisburger Sana-Klinikum gebracht und blieb dort etwa drei Wochen - von der Brust abwärts bewegungsunfähig. Wegen der Lähmungserscheinungen kam er anschließend in die Buchholzer Unfallklinik und damit zu Dr. Stefan Hobrecker, Leiter des Akut-Querschnittzentrums. "Herr Kreinacke muss einen sehr guten Schutzengel gehabt haben", stellte er nach den ersten Untersuchungen fest. Die Lähmung rührte von Quetschungen des Rückenmarks her, gebrochen war das Rückgrat nicht. Dadurch, dass Hobrecker und sein Team den durch Einblutungen entstandenen Druck von der Wirbelsäule nehmen konnten, gaben sie dem 56-Jährigen die Chance auf Bewegungsfähigkeit zurück. "In die Unfallklinik kam ich im Rollstuhl. Schon am ersten Tag wurde der mir weggenommen", erzählt der Weseler. Stattdessen versuchten die Ergo- und Physiotherapeuten am BG Klinikum, den Mann wieder auf die Beine zu bringen - jeden Tag ein bisschen mehr. "Es kam mir wie ein Quantensprung vor, als ich mich nach ein paar Tagen wieder selbstständig auf die Bettkante setzen konnte", sagt er. Mit eiserner Disziplin arbeitete er mit. Denn für ihn gab es nur ein Ziel: "Ich will wieder laufen können."

Acht Wochen nach dem Unfall steht der Baustellen-Projektleiter tatsächlich alleine auf seinen Beinen und kann sich am Rollator durch die Gänge bewegen. Die Krücken an seinem Bett zeigen, dass er bereits dabei ist, die nächste Hürde zu nehmen. Zur Konfirmation seines Sohnes in diesem Monat will er laufen, sagt er. Und seine behandelnden Ärzte halten das nicht einmal für ausgeschlossen.

Doch das Problem mit den Beinen ist nicht sein einziges. "Querschnittslähmung bedeutet meist auch, dass der Patient Blase und Darm nicht mehr selber kontrollieren und entleeren kann", erklärt Hobrecker. Weil das BG Klinikum ein Akut-Querschnittszentrum ist, verfügt es aber auch hier über Spezialisten. Noch halten sie es nicht für ausgeschlossen, dass ihr Weseler Patient auch diese Folgen seines Unfalls noch in den Griff bekommt. Und Kreinacke selbst ist davon sogar fest überzeugt. Die Therapien seien äußerst effektiv, sagt er, aber sie seien auch extrem anstrengend. "Abends bin ich immer platt."

Ob er je wieder seinen Beruf ausüben kann, weiß er nicht. Dass sich der Unfallverursacher bis heute bei ihm noch nicht gemeldet hat, nimmt er zur Kenntnis. Dass seine Ehefrau und seine Kinder zu ihm halten, auch dann, wenn die Genesung vielleicht doch nicht so voranschreitet, wie er sich das wünscht, darauf hofft er inständig. Und auch darauf, dass er sich irgendwann eine neue Harley kaufen kann. Denn Motorrad fahren, das will er auch in Zukunft.

Quelle: RP
 
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