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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Mit Stolz auf die Hansetradition sehen

Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: Mit Stolz auf die Hansetradition sehen
Derick Berck gehört u den Hansekaufleuten, die vom berühmten Maler Hans Holbein dem Jüngeren eindrucksvoll porträtiert wurden. FOTO: duisburger forschungen, band 52.
Duisburg. Nur wenige Duisburger wissen, dass die weiß-roten Farben auf dem Stadtwappen die Farben der Hanse sind. Ein selbstbewusstes Geschichtsmarketing würde der Stadt guttun. Von Harald Küst

Über Jahrhunderte war Duisburg Mitglied der Hanse - wobei die Hansezeit im kollektiven Gedächtnis seltsamerweise keine Rolle mehr spielt. Nur wenige Duisburger wissen, dass die weiß-roten Farben auf dem Stadtwappen die Farben der Hanse sind. Ein selbstbewusstes Geschichtsmarketing würde der Stadt guttun.

"Geschichte und Gegenwart der Stadt müssen neu erzählt werden", so steht es im Masterplan zum Thema Imageverbesserung der Stadt. Da ist es allemal verwunderlich, dass Duisburg nur noch passives Mitglied der heutigen Hanse-Städtevereinigung ist. Auf dem Hansetag 2017 im niederländischen Kampen mit rund 300.000 Besuchern fehlte ein Ausstellungsstand der Stadt mit dem größten Binnenhafen der Welt. Die anderen 187 Hansestädte nutzten den Hansetag mit Kunst, Kultur und Musik als Tourismusmagnet. Die "Neue Hanse" ist wie ihr Vorgänger eng vernetzt. Sie wurde 1980 in Zwolle als "Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte über die Grenzen hinweg" gegründet. Ziel der Städtevereinigung ist es, Handel und Tourismus zu fördern. Die Gründe für den Rückzug Duisburgs aus dem Hansenetzwerk können die anderen Hansestädte nicht nachvollziehen. "Wir hätten die Teilnahme Duisburgs begrüßt ", hörte man bedauernd von den Ausstellern in Kampen (NL).

"Mut zu großen Projekten" und "das internationale Profil schärfen" heißt es dagegen im Masterplan der Stadt Duisburg zur Imageverbesserung. Schließlich haben die Duisburger allen Grund mit Stolz auf ihre Hansetradition zurückzublicken. Duisburger Kaufleute waren an den großen Handelsplätzen der damaligen Welt, in Antwerpen, Brüssel, Bergen op Zoom oder London anzutreffen. Dirk Tybis und Derick Berck gehörten zu den Hansekaufleuten, die im Londoner Hansekontor Stalhof von dem berühmten Maler Hans Holbein dem Jüngeren eindrucksvoll porträtiert wurden.

Hansestolz verspürt man heute in Duisburg nicht. Eher stellt man sein Licht unter den Scheffel. "Die Bedeutung Duisburgs innerhalb der Hanse war gering", lautet das gängige Geschichtsbild. Eine umstrittene These. Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz entlarvt mit Fakten und Argumenten die Mär vom Niedergang der Stadt durch die Rheinverlagerung. "In den Schriftquellen des 16. Jahrhunderts ist belegt, dass am Schwanentor u.a. Kohlenschiffe anlegten und dort die Ladung gelöscht wurde", so Platz. Dagegen spricht auch, dass Duisburg bis zuletzt Mitglied der Hanse blieb. Das Auf und Ab der Hansegeschichte mit Zukunftsperspektiven verknüpfen - diese Chance nutzen andere Hansestädte. Was hat unsere Stadt zu bieten? Duisburg ist dabei, Hamburg den Titel als größter Hafen der Republik streitig zu machen - zumindest beim Vergleich der Hamburger Seefracht mit der umgeschlagenen Tonnage im Duisburger Hafen. Mit der Zugverbindung von China nach Duisburg hat Duisburg ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Duisport-Vorstandsmitglied Markus Bangen verwies kürzlich beim Empfang des Hansischen Geschichtsvereins in Duisburg darauf, dass die Duisburger Hafen AG wie in früheren Zeiten die Hanse ein internationales Handelsnetzwerk aufgebaut habe. Der Logistik-Sektor bleibt ein Wachstumsmotor mit positiver Außenwahrnehmung. Da drängt es sich geradezu auf, die Hansetradition unserer Stadt als ein Element zur Imageförderung zu nutzen. Die Leitmarke Mercator ist gesetzt. Karten und Handelsschifffahrt gehören einfach zusammen. Das geplante Mercatorhaus könnte dabei als weiterer "Ankerplatz" für die Geschichte der Hanse dienen - zumal die angesehenen Hansekaufleute Tybis und Berck über Häuser an der Oberstraße verfügten. Mit dem Museum für Binnenschifffahrt kann Duisburg zusätzlich punkten. Für Marketing-Experten und Stadtentwickler bietet die Hansetradition unserer Stadt eine Vielfalt an Chancen. Die gilt es zu nutzen.

Infos zur "Neuen Hanse" unter : "http://www.hanse.org"

Quelle: RP
 
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