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Duisburg
Moos-Suche für die Krippe

Duisburg. Ich bin ein Nachkömmling, der Abstand zu meinem nächst jüngeren Bruder beträgt fünf Jahre. Die anderen drei sind noch älter. Heute spielt das keine Rolle mehr, aber es gab eine Zeit, da war ich in unserer Familie der einzige, der glaubte, die Geschenke unterm Tannenbaum bringe das Christkind. Unter meine ersten Erinnerungen an Weihnachten mögen sich auch Erzählungen meiner Geschwister mischen, so dass sich Gehörtes und selbst Erlebtes wohl mischen.

Fest steht immerhin, dass zwei meiner älteren Brüder kurz vor Weihnachten in den Wald geschickt wurden, um Moos für unsere Krippe zu sammeln. Nicht irgendwelches, sondern schönes Moos, das der Bettung des Jesuskindes würdig ist. Damals gab es bei uns in Mündelheim noch keinen Gottesdienst am späten Heiligabend, stattdessen ging unsere Familie am Ersten Weihnachtstag ganz früh um 6 Uhr in die Kirche. Erst danach gab es bei uns Bescherung.

Unser Vater brachte hinter verschlossener Tür die Wachskerzen am Weihnachtsbaum an, der mit viel (!) Lametta geschmückt wurde. Wenn unser Vater mit einem Glöckchen klingelte, mussten wir "O Tannenbaum" singen. Dann durften wir zusammen mit unserer Mutter, die mit uns gewartet hatte, ins Wohnzimmer kommen, das nur durch die Kerzen am Tannenbaum erhellt war. Wir alle bekamen dann unsere Geschenke. Und jeder einen Weihnachtsteller mit Süßigkeiten und Obst, wobei die Einzelteile genau abgezählt waren, damit sich kein Geschwisterkind benachteiligt fühlte.

Während wir am Heiligabend nur ganz "normal" zu Abend aßen, gab es am Ersten Weihnachtstag festliches Essen, Gänse- oder Puterbraten. Mein Bruder, der bis heute gerne gut isst, fragte da gelegentlich: "Und was gibt es Ostern?"

Quelle: RP
 
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