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Krawalle nach Spiel MSV-Spiel gegen Rostock
Polizei soll wahllos auf Fans eingeschlagen haben

MSV Duisburg gegen Hansa Rostock: Zeugen erheben Anschuldigungen gegen Polizei
Nach dem Drittliga-Spiel zwischen dem MSV Duisburg und Hansa Rostock kam es am Hauptbahnhof zu schweren Ausschreitungen. (Hier ein Archivbild von einer Demonstration am Hauptbahnhof im Februar 2015) FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Nach dem Fußballspiel zwischen dem MSV Duisburg und Hansa Rostock am vergangenen Samstag ist es am Duisburger Hauptbahnhof und dem Bahnhof "Im Schlenk" zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Zeugen machen der Polizei schwere Vorwürfe. Von Carolin Skiba

Die Bundespolizei hatte am Sonntag, einen Tage nach dem Spiel, berichtet, dass Rostocker Fans zunächst die Regionalbahn, die von der Haltestelle "Im Schlenk" (Wanheimerort) zum Duisburger Hauptbahnhof fahren sollte, blockiert hatten, weil jemand die Notbremse gezogen hatte. Im Hauptbahnhof soll die Situation dann eskaliert sein. Dort hatte die Polizei vorsorglich Sperren aufgebaut, um die beiden Fanlager voneinander zu trennen. Nach Darstellung der Bundespolizei wurden die Sperren von einigen der rund 220 Rostocker durchbrochen, die "Parteien" gingen aufeinander los. Als schließlich einige auf die Gleise liefen, ließ die Bundespolizei den kompletten Bahnhof sperren. Eine halbe Stunde lang – zwischen 17.45 Uhr und 18.15 Uhr – fand im Hauptbahnhof überhaupt kein Zugverkehr mehr statt. Die Beamten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein, auch um sich aggressiver Randalierer zu erwehren, die mit Tritten und Faustschlägen die Polizisten attackierten. Nun melden sich aber Zeugen zu Wort, die die Situation teilweise anders wahrgenommen haben.

Thomas Hoeschen, Duisburger, aber Fan von Hansa Rostock, war bei dem Spiel und den anschließenden Ausschreitungen dabei. Er berichtet, dass die Männer der Bundespolizei in höchstem Maße aggressiv, unkoordiniert und überzogen reagiert und die Vorfälle geradezu provoziert hätten. Zwischen den MSV- und den Rostocker-Fans habe es seinem Empfinden nach keine Probleme gegeben, weshalb die Lager hätten auseinander gehalten werden müssen. Er persönlich habe den Weg über die Bahnschienen gesucht, aus Panik vor den Polizeibeamten, die mit Knüppeln den Weg von den Bahnsteigen versperrt hätten. "Ich bin ein friedlicher Fan und wollte einfach nur nach Hause. Die Beamten wollten uns einfach nicht gehen lassen und haben die Gleise komplett gesperrt."

Vorwürfe gegen die Polizei

Auch ein anderer Zeuge berichtet von völlig willkürlichem Verhalten der Beamten, das schon am Bahnhof im Schlenk begonnen habe, als die Notbremse gezogen worden war. Nachdem sich die Situation wieder beruhigt hätte, seien Beamten der Bundespolizei von zwei Seiten in die S-Bahn gestürmt, was zu einer Panik im Zug geführt habe. Dabei habe die Polizei auf alles und jeden eingeschlagen, was im Zug war. Es soll ein Vater auf einem Sitzplatz geschlagen worden sein, der seine kleine Tochter schützen wollte. Mehrere Frauen hätten unvermittelt Schläge der Polizisten abbekommen.

Direkt neben einem Zeugen habe die Polizei eine Scheibe im Zug eingeschlagen. Personen die dort saßen, sollen danach die Kleidung voll mit Glasscherben gehabt haben. Personen, die versucht haben sollen, sich schützend vor junge Frauen zu stellen, sollen sich plötzlich mit blutender Nase wiedergefunden haben. Der Zeuge berichtet, dass er gesehen habe, dass die Polizei Leute geschlagen habe, die lediglich "zur falschen Zeit am falschen Ort waren", wie der Zeuge es ausdrückt. Eine Person, die eine Frau und Kind in Panik aus der S-Bahn brachte, soll kurze Zeit später von den Beamten auf den Boden geprügelt und festgenommen worden sein.

Auf Nachfrage sagte der Pressesprecher der Bundespolizei, dass es seiner Behörde ebenfalls ein großes Anliegen sei, den gesamten Vorgang aufzubereiten und abschließend Stellung zu nehmen. Die hierzu erforderlichen Stellungnahmen des Polizeiführers und der Einsatzkräfte vor Ort sowie eine Videoauswertung der Geschehnisse seien angefordert worden und würden mit aller Wahrscheilichkeit in den nächsten Tagen vorliegen. Nach Eingang aller Stellungnahmen werde es ein umfassendes Statement seitens der Bundespolizei geben.

 
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