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Duisburg
Mühsame Suche nach Winterspuren

Duisburg. Kaum mal Nachtfrost, gar kein Schnee, tagsüber manchmal frühlingshaft warm: Wer auf Winter hofft, der tut dies zur Zeit vergeblich. Von Lena Köhnlein und Julia Zuew

Dicke Flocken fallen vom Himmel, eine funkelnde, weiße Decke liegt über der Stadt. Der Atem: neblige Wolken in der kalten Luft. Lautes Lachen und Kreischen von den Hängen am Kaiserberg, wo Kinder um die Wette rodeln. Tja, so kann es in dieser Jahreszeit in Duisburg theoretisch aussehen. Stattdessen breitet sich vergammeltes Herbstlaub auf den Wiesen am Kaiserberg aus und es lassen sich statt Schneemänner allenfalls Matsch-Männer bauen.

Wir haben uns in Duisburg auf die Suche gemacht und entdeckt, dass Spuren des Winters gut getarnt zu finden sind: Zum Beispiel auf der Kuhstraße in der Innenstadt. Sechs Wochen lang luden dort die "Eisfeger" den Belag ab, der sich regelmäßig auf der Eislauffläche des Weihnachtsmarktes bildete. Gut eingezäunt liegt er dort, der weiße Berg, und schmilzt bei acht Grad plus am Tag zuverlässig vor sich hin.

Doch wo bleibt der Winter in Weiß? Wer darauf gut verzichten kann, denn wird es freuen, dass vorerst damit nicht zu rechnen ist. Den Tieren im Zoo schlägt das milde Wetter nicht auf das Gemüt. "Natürlich kommen die arktischen Wölfe, Rentiere, Polarfüchse oder Vielfraße aus kälteren Gebieten", sagt Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter. "Aber sie verhalten sich nicht anders als sonst im Winter, auch wenn noch kein Schnee gefallen ist."

Ist es den Tieren wirklich egal, dass der Schnee so lange auf sich warten lässt? Tiere, die ein warmes Fell bekommen, wie etwa die arktischen Wölfe, hätten trotz der milden Temperaturen ihr Winterfell, für alle Fälle so zu sagen: "Vielleicht wissen die Tiere genau, dass es noch kälter werden könnte", sagt Reiter. Und er würde sich als gebürtiger Bayer eh über Schnee freuen. Im Zoo herrsche dann eine ganz besondere Atmosphäre - auch für die Besucher: "Da stehen dann zum Beispiel farbenprächtige Flamingos vor weißem Schnee. Das sieht schon sehr eindrucksvoll aus", sagt Reiter.

Während den Tieren das milde Wetter nicht viel ausmacht, spielt die eine oder andere Pflanze scheinbar verrückt. Frühjahrsblüher wie die Osterglocken oder Primeln stehen bereits jetzt in Blüte. "Das ist zwar skurril, aber nicht schlimm", sagt Jörg Stephan, Teamleiter des Gartencenters Schlösser. Die Blüten wären einfach etwas früher dran als sonst. Wird es noch mal richtig kalt, würden die Pflanzen danach eben nicht mehr blühen, aber absterben würden sie nicht. Folgenschwerer sei es, wenn beispielsweise die Kirschbäume jetzt schon ausschlagen würden (da, wo das passiert, handelt es sich allerdings meist um Zierkirschen, die keine Früchte ansetzen): "Wenn Kirschbäume schon Knospen haben und dann noch mal der Frost kommt, ist das eine Katastrophe für die Obstbauern". Dann gibt es nämlich keine Kirschen mehr in diesem Jahr.

Zurzeit müssen wir uns wohl mit der Eishalle und dem umzäunten "Gletscher" in der Innenstadt zufriedengeben. Aber vielleicht lässt sich der Winter ja noch mal blicken. Er hat ja noch eine Weile Zeit. Denn Frühlingsanfang ist offiziell schließlich erst am 20. März.

Quelle: RP
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