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Duisburg
Museum Küppersmühle: Die Kehrtwendung

Duisburg: Museum Küppersmühle: Die Kehrtwendung
Duisburg. Die jetzt vorgestellten Pläne für den Erweiterungsbau stellen das frühere Konzept auf den Kopf, obwohl die Architekten dieselben sind. Von Peter Klucken

Das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher nimmt die Tugend Treue offenbar ernst: Es hält am Standort Duisburg für seine gewaltige Kunstsammlung fest. Vermutlich hätten sich die Ströhers nach den gescheiterten Erweiterungsplänen unter Federführung der Gebag auch anders entscheiden können. Doch die Ströhers stehen zum Museum Küppersmühle und haben durch die Übernahme des historischen Gebäudes dem städtischen Immobilienunternehmen einen Gefallen getan und neue Fakten geschaffen. Nun haben es die Ströhers selber in der Hand, wie sie ihren Wunsch nach einer Erweiterung des Museums umsetzen. Allerdings müssen auch sie die Vorgaben des Denkmalschutzes berücksichtigen.

Ströhers Treue-Tugend zeigt sich auch darin, dass sie wiederum das Architekturbüro Herzog & Meuron mit der Konzeption des Erweiterungsbaus beauftragt haben. Die international bekannte Baseler Architektengemeinschaft hatte einst das alte Speichergebäude aus dem Jahr 1912, das seit 1972 nicht mehr genutzt wurde, von 1997 bis 1999 in ein Museumsgebäude umgewandelt, das von allen Seiten in den höchsten Tönen gelobt wurde. Herzog & Meuron schufen aber auch die Pläne für eine Museumserweiterung mit einem auf den Silos balancierten Leuchtkubus, der in Duisburg schon bald den Spottnamen "Schuhkarton" bekam. Bekanntlich ist das Konzept des "schwebenden Kubus", der ein neues, weit sichtbares Wahrzeichen am Innenhafen werden sollte, gescheitert. Herzog & Meuron werden dafür nicht verantwortlich gemacht, sondern die inzwischen bankrotte Firma, die das Stahlgerüst fehlerhaft geschweißt hatte. Wie dem auch sei: Unter architektonischen Gesichtspunkten wird so mancher froh sein, dass der "Schuhkarton" niemals realisiert wird. Denn das "Wahrzeichen" mit dem auffälligen Sponsor-Schriftzug "Evonik" wäre zweifellos auch ein Fremdkörper in der gesamten industriellen Gebäudezeile am Innenhafen gewesen.

FOTO: Herzog & de Meuron

Der neue Gebäude-Entwurf ist eine glatte Kehrtwendung zum ersten Erweiterungskonzept von Herzog & Meuron, die seinerzeit vehement für ihr Leuchtturm-Projekt geworben hatten, bei der Alt und Neu kombiniert würden. Erstaunlicherweise gab damals der Denkmalschutz grünes Licht. Hieß die alte Devise "Weithin sichtbar", so heißt die neue "Weithin unsichtbar", denn der neue Baukörper am Kopf des Museums Küppersmühle soll so wirken, als habe er dort schon immer gestanden.

Man sieht also, dass sich für die eine architektonische Lösung genauso gut Argumente finden lassen wie für das architektonische Gegenteil. Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass die neuen Planungen auch wirklich umgesetzt werden. Anders gesagt: man hat aus Fehlern gelernt.

Die ebenerdige Verlängerung des Museums Küppersmühle wird nicht an statischen Problemen scheitern. Die Ströhers garantieren mit ihrer finanziellen Unabhängigkeit für den Rest.

Und nicht zuletzt kann man sich vorstellen, dass der Erweiterungsbau ideale Präsentationsmöglichkeiten für die gigantische Kunstsammlung der Ströhers bietet. Dazu gibt es sogar noch als architektonisches Tüpfelchen auf dem "i" eine Aussichtsplattform auf dem Silo. Das kann schön werden!

Quelle: RP
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