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Duisburg
Nahe am Krisen-Modus angekommen

Duisburg: Nahe am Krisen-Modus angekommen
Der Sprecher der regionalen Wirtschaft, Heinz Lison (Mitte) und der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Wolfgang Schmitz (l) stellten gestern die Ergebnisse der jüngsten Konjunktur-Umfrage vor. FOTO: Unternehmerverband
Duisburg. Der Sprecher der regionalen Wirtschaft des Unternehmerverbandes, Heinz Lison, sieht die Gefahr, dass in 2016 in unserer Region ein echter Aufschwung ausbleibt.

Die Gesamtwirtschaft stagniert, das heißt, in der Region werde im kommenden Jahr wohl ein echter Aufschwung ausbleiben, kommentiert der Sprecher der regionalen Wirtschaft des Unternehmerverbandes, Heinz Lison, die Ergebnisse der Konjunktur-Umfrage der Arbeitsgemeinschaft "arbeitgeber ruhr", ein Zusammenschluss von Arbeitgeber- und Unternehmerverbänden der gesamten Region. "Die Wirtschaft der Region stagniert - in der Metall- und Elektroindustrie sind wir sogar auf das Niveau der Herbstumfrage 2008 zurückgefallen." Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung mache er sich erhebliche Sorgen: "Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einem bösen Erwachen kommt."

Zwar bewerten branchenübergreifend 60 Prozent der befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als gut bzw. befriedigend, im Vergleich zur letzten Umfrage im Frühjahr ist dieser Wert aber erneut gesunken. "In der Metallindustrie melden nur 44 Prozent eine gute bzw. zufriedenstellende Geschäftslage. Das waren vor einem halben Jahr noch über die Hälfte", erklärt Lison. "Anlass zur Sorge geben aber vor allem die Rückmeldungen über Umsätze und Erträge in der Metallindustrie: Nur 38 Prozent der Unternehmen melden gute bzw. befriedigende Umsätze. Ebenfalls nur eine Minderheit von 44 Prozent ist mit den Erträgen zufrieden. Vor einem halben Jahr waren es bei beiden Parametern noch rund 60 Prozent", so Lison weiter.

"Entscheidend für die Zukunft bleibt, ob es uns gelingen wird, die immer noch vorhandene Investitionsschwäche im Revier zu überwinden", so Lison. Hier gebe es noch deutlich Luft nach oben. "Zu der Schlüsselfrage unserer Region gehört, ob wir es schaffen, die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen in Arbeitsplätze zu schaffen", erklärt Lison. Zu viele Städte versuchten, ihre Haushalte über höhere Steuern und damit vor allem zulasten der Unternehmen zu sanieren. Sie schreckten dadurch Investoren ab. "Die neue Generation der Oberbürgermeister im Revier hat eine einmalige Chance, eine neue Phase der Zusammenarbeit im Revier einzuläuten." Ein wichtiges Thema müsse dabei die Gewerbesteuer werden. "Wir müssen die Erhöhungsspirale stoppen und runter vom bundesweiten Rekordniveau. Die Revierstädte sollten sich zunächst mithilfe des Landes auf ein Moratorium bei der Gewerbesteuerentwicklung verständigen. Gemeinsam muss dann der Weg zu niedrigeren Hebesätzen beschritten werden, sonst wird das Ruhrgebiet im Wettbewerb mit anderen Regionen weiter zurückfallen", erklärt Lison.

Positiv merkt Lison an, dass die Personal- und Ausbildungssituation sich insgesamt stabilisiert hat. Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation fügt er hinzu: "Die Voraussetzungen zur Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt sind im Revier durch die hohe Arbeitslosigkeit ungünstiger als in anderen Regionen, gleichzeitig aber auch besser als vor einigen Jahren. Wir können das aber schaffen, wenn es zu einer sinnvollen Verteilung der Flüchtlinge kommt."

Insgesamt lasse die Auswertung der Umfrage den Schluss zu, dass die Gesamtwirtschaft stagniere. Die Lage in der Metall- und Elektroindustrie müsse sogar mit "schwacher Konjunktur" umschrieben werden. "Seit 2011 geht der Konjunktur-Trend bei M+E nur noch bergab. Ich möchte zwar noch nicht von einer Krise sprechen. Wenn sich der Trend aber fortsetzt, sind wir 2016 sehr nah am Krisen-Modus angekommen", sagt Lison. Wenn die Politik weitere Belastungen etwa bei den Werkverträgen und der Zeitarbeit, beschließe und Gewerkschaften in ihren Forderungen "Maß und Mitte" vermissen ließen, sei mittel- und langfristig eine "hausgemachte" Negativentwicklung vorstellbar.

Quelle: RP
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