| 00.00 Uhr

Serie: Duisburger Geschichte Und Geschichten
Napoleon Bonaparte in Duisburg

Duisburg. Es gab verhaltenen Jubel und ein Frühstück bei Böninger. Französische Gendarme kontrollierten den Heckenschnitt. Von Harald Küst

Im Jahr 1811 hatte der Kaiser die österreichische Kaisertochter Marie-Louise von Habsburg geheiratet, die ihm einen Sohn gebar. Dies war ein willkommener Anlass für Napoleon, an den Niederrhein zu reisen und sich huldigen zu lassen. Duisburg gehörte damals mit dem früheren Herzogtum Kleve zu dem neuen Großherzogtum Berg, das Napoleon 1806 errichtet hatte. Selbstvermarktung und Herrschaftsstabilisierung standen im Vordergrund der Reise.

Die Ankündigung löste hektische Betriebsamkeit in Duisburg aus. Schon tagelang klapperten die Heckenscheren in den Weiden am Wege zur Aakerfähre. Mit wichtiger Miene schritten die französischen Gendarmen von der Stadt zur Ruhr und maßen mit dem Zollstock, ob das Gebüsch beiderseits des Weges nun auch kurz geschnitten sei. Dahinter sollte sich kein deutscher Heckenschütze verbergen können. Hunderte von Menschen waren vor den Toren und in den Straßen der Stadt beschäftigt, alles zum Empfang Napoleons vorzubereiten. Die Straßen vom Stapeltor bis zum Kuhtor wurden frisch mit Sand belegt. An beiden Enden errichtete man hohe Ehrenbogen. Die ganze Stadt war mit Grün - durchzogen mit Blumengewinden - geschmückt. Dazwischen flatternde Fahnen in den Farben der Trikolore. Und überall nervöse, säbelrasselnde französische Gendarmen.

Endlich war der große Tag gekommen. Es war ein Samstag, der 2. November 1811, an dem der große Feldherr Duisburger Boden betrat. Mit glänzendem Gefolge und zu Pferde traf er von Wesel über Hamborn kommend in Duisburg ein. Tausende Schaulustige traten dem mächtigsten Mann der Welt im blauen Marschallsrock auf der Königstraße mit einer Mischung aus Neugier, Argwohn und Ablehnung entgegen. Hoffnungen auf einen Aufschwung durch Gewerbefreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und Schutz des Eigentums hatten sich nicht erfüllt. Stattdessen: Zollbarrieren, Kontinentalsperre, Importverbot.

Die Beschlagnahme von Maschinen und Vorräten der Tabakmanufakturen in Duisburg für die französische Tabakregie sorgte zusätzlich für Verärgerung. Mit der Wirtschaft ging es bergab. Die Armut stieg. Dennoch verfielen die Duisburger in die vorgeschriebene Begeisterung. Was blieb ihnen auch sonst übrig?! Als Napoleon vorbei ritt, murmelte ein Zuschauer spöttisch: "Da kommt der Berliner Pferdedieb".

Dahinter stand die Verbitterung über den Raub der Quadriga am Brandenburger Tor. Die Quadriga befand sich damals in einem Magazin in Paris. Eine Schmach. In Duisburg hielten sich die befohlenen Hochrufe "Vive L'Empereur - Es lebe der Kaiser" in Grenzen. Des Kaisers Haltung und Blick wirkten angespannt, so berichten einige Zeitgenossen. Er spürte wohl die Skepsis.

Zwar versuchte das Wirtschaftsbürgertum sich mit dem Machthaber zu arrangieren. Arnold Böninger, der einflussreiche Tabakfabrikant der Stadt, hatte in seinem Hause an der Kuhstraße ein Frühstück für den Kaiser bereitgestellt. Die vage Hoffnung Böningers auf ein Zugeständnis in der französischen Handelspolitik erfüllte sich nicht. Oberflächliche Konversation und Huldigung bestimmten das Treffen. Gepudert und befrackt standen die Honoratioren der Stadt vor der Tür des Frühstückszimmers. Einer nach dem anderen durfte eintreten. Professoren der alten Duisburger Universität, Geistliche und Honoratioren der Stadt wurden vorgelassen.

Modebewusstsein und Abneigung gegen Napoleon vertrugen sich dennoch gut: Die Damen der Oberschicht trugen flattrige Empirekleider, die nur unter der Brust locker geschnürt waren. Französische Mode galt eben als "très chic". Etwa zwei Stunden weilte Napoleon in den Mauern Duisburgs. Viel Aufwand und ohne Nutzen für die Duisburger.

Dann ging es weiter nach Düsseldorf. Es blieb Bonapartes einziges Gastspiel in Duisburg. Seine Macht bröckelte mehr und mehr. Das Jahr 1811 war vor allem durch die sich steigernde Rivalität zwischen Frankreich und Russland gekennzeichnet, die dann im darauf folgenden Jahr in einem desaströsen Russlandfeldzug mündet. Die Befreiungskriege besiegelten Napoleons Niederlage. Danach ging es in Duisburg wirtschaftlich allmählich wieder aufwärts.

Aus heutiger Sicht hat Napoleon dazu indirekt beigetragen: Gewerbefreiheit , Verwaltungsreform und der Code Civil schufen einen Rechtsrahmen, der den Aufschwung in der Zeit der Industrialisierung begünstigte.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie: Duisburger Geschichte Und Geschichten: Napoleon Bonaparte in Duisburg


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.