| 00.00 Uhr

Duisburg
"Natürlich geht Kunst in Duisburg!"

Duisburg: "Natürlich geht Kunst in Duisburg!"
31 Jahre lang war Irmhild Kugel als Galeristin selbstständig. Jetzt, nach ihrem 73. Geburtstag, hat sie sich entschlossen, ihre Kunsthandlung zu schließen. Sie präsentiert hier eine Grafik von Gertrude Degenhardt. FOTO: Peter Klucken
Duisburg. 31 Jahre lang war Irmhild Kugel als Kunsthändlerin selbstständig, zunächst in Moers, seit 1996 in Duisburg. Am 17. Mai schließt sie ihre Kunsthandlung an der Friedrich-Wilhelm-Straße und freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt. Von Peter Klucken

Eine Frage hängt Irmhild Kugel mittlerweile zu den Ohren raus: "Kann man denn in Duisburg mit Erfolg eine Kunsthandlung betreiben?" - "Natürlich kann man das!", sagt Irmhild Kugel. Sie sagt es nicht nur, sie hat es bewiesen. 31 Jahre lang war Irmhild Kugel als Galeristin selbstständig. Jetzt, nach ihrem 73. Geburtstag, hat sie sich entschlossen, ihre Kunsthandlung zu schließen. Am Mittwoch, 17. Mai, ist es soweit. Dann verabschiedet sich Irmhild Kugel in den Ruhestand. Ganz entspannt wirkt sie, wenn sie darüber spricht.

Noch vor einigen Monaten habe sie selber vor ihrem Entschluss, ihre Berufstätigkeit zu beenden, ein wenig Angst gehabt. "Aber jetzt freue ich mich darauf", sagt sie. Zwar habe sie immer sehr gerne ihren Beruf ausgeübt, und sie tue das auch jetzt noch bis zum Schluss, doch sehe sie mit viel Zuversicht auf den nächsten Lebensabschnitt. "Ich habe nun endlich mehr Zeit für Freunde, für Theater- und Konzertbesuche, für Reisen und für Gartenarbeit", sagt sie. Auf die Biennale in Venedig, die sie demnächst besuchen möchte, freut sie sich jetzt schon. Seit 1986 arbeitet Irmhild Kugel als selbstständige Galeristin.

Bevor sie in der Moerser Altstadt ihre erste "Kunsthandlung Kugel" eröffnete, arbeitete sie in der Galerie und Buchhandlung Atlantis, wo sie mit Inhaber Kurt Selbiger die Kunstabteilung leitete. Da habe sie sich ihr Rüstzeug für den Kunsthandel erarbeitet, sagt sie rückblickend. Gerne erinnert sie sich an die Reisen nach Paris und die vielen Künstlerkontakte, die sie damals knüpfen konnte und die bis heute auf unterschiedliche Weise nachwirkten. 1996 verlagerte sie ihre Kunsthandlung von Moers nach Duisburg. Zugleich begann sie damals ihre Zusammenarbeit mit Ulrike Thelen, die das Fachgeschäft für Künstlerbedarf, den "Farbklecks", im Nachbargeschäft führte. Mit Ulrike Thelen und ihrer gesamten Familie verbindet Irmhild Kugel nun eine lange Freundschaft. Inzwischen wohnen die Thelens und Irmhild Kugel zusammen in einem großen Haus in Neudorf. Unter einem Dach, doch in separaten Wohnungen. Auch privat ist Irmhild Kugel Eigenständigkeit wichtig. 2006 zogen Irmhild Kugel mit der Kunsthandlung und Ulrike Thelen mit dem Farbklecks von der Tonhallenstraße zu ihrem heutigen Domizil an der Friedrich-Wilhelm-Straße um. Der Umzug war nur eine Straßenüberquerung. Ulrike Thelen (70) wird ihren Farbklecks Ende des Jahres an einen Nachfolger übergeben; was mit den Räumlichkeiten der Kunsthandlung geschieht, ist noch ungewiss.

In den verbleibenden Wochen bietet Irmhild Kugel Kunstwerke zu günstigen Preisen an, doch ist sie nicht gezwungen, um jeden Preis ihre hochwertigen Gemälde und Grafiken zu verkaufen. Die meisten Werke, die sie anbietet, hat sie in Kommission übernommen. Auch ist sie international mit Künstlern und Galeristen so gut vernetzt, dass sie nicht in Existenznöte kommt, wenn die Wände ihrer Kunsthandlung nicht kahl werden.

Irmhild Kugel hat mit Kunst niemals spekuliert. Sie hat stets die Kunst angeboten, die ihr auch selber gefällt. Ein Schwerpunkt ist dabei die klassische Moderne. Die Liste der Namen, deren Werke sie im Laufe der Jahre angeboten hat, könnte dem Register einer modernen Kunstgeschichte entnommen sein. Hier eine Auswahl: Pablo Picasso, Marc Chagall, Georges Braque, Jean Cocteau, Oskar Kokoschka, Aristide Maillol, Salvador Dalí, Marx Ernst, Otto Pankok oder auch Henri Matisse. Und als sich einige Duisburger über den Lifesaver-Brunnen von Niki de Saint-Phalle mokierten, stellte Irmhild Kugel die weltbekannte Künstlerin in ihrer Kunsthandlung vor. Überhaupt beobachtete Irmhild Kugel die sie umgebende Kunstszene sehr genau. Werke von Markus Lüpertz waren beispielsweise zeitlich parallel und sich gegenseitig ergänzend im Lehmbruck-Museum und bei ihr zu sehen.

Natürlich erinnert sich Irmhild Kugel gerne an die Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern. Bei ihr waren beispielsweise Janosch oder auch Armin Müller-Stahl zu Gast, der nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Maler Furore macht. Besonders gut besucht waren die James-Rizzi-Ausstellungen. Noch kurz vor Rizzis Tod war Irmhild Kugel mit dem weltbekannten Künstler in Kontakt, den sie bereits in Moers ausgestellt hatte. Eine Freundschaft verbindet Irmhild Kugel mit Gertrude Degenhardt, deren Werke seit Jahren von ihr vertreten werden. Auch Künstler aus dieser Region stellten bei Irmhild Kugel aus. Johann Hendrix ist da einer der erfolgreichsten.

"Ich bin selbst überrascht, mit wie vielen Künstlern und Werken ich im Laufe der vergangenen 31 selbstständigen Jahre in Kontakt gekommen bin", sagt Irmhild Kugel. Sie hat erfahren, dass die Beschäftigung mit Kunst das Leben bereichern kann. Nun kann sie diese Bereicherung von der "anderen Seite" kennenlernen.

Die Kunsthandlung Kugel, Friedrich-Wilhelm-Straße 77-79, ist bis zum 17. Mai dienstags bis freitags, von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Info unter www.kunsthandlung-kugel.de oder Tel. 0203/ 299399.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: "Natürlich geht Kunst in Duisburg!"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.