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Ulrich Käser
Neue Abteilung nur für Flüchtlinge

Duisburg. Die Agentur für Arbeit Duisburg bekommt eine Einheit, die sich ausschließlich um Asylbewerber kümmern wird. Am 4. Januar soll der so genannte Integration Point seine Arbeit aufnehmen.

Das Flüchtlingsthema beschäftigt uns schon länger. Kommt diese Maßnahme nicht ein wenig spät?

Käser Nein, ganz und gar nicht. Das Flüchtlingsthema wird den Arbeitsmarkt erst mit zeitlicher Verzögerung erreichen. Das hängt mit den langwierigen Anerkennungsverfahren zusammen, die mehrere Monate dauern. Erst wenn der Status eindeutig geklärt ist, haben Asylsuchende das Recht, sich in Deutschland eine Arbeit zu suchen und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Wir rechnen damit, dass wir ab dem neuen Jahr richtig viel Arbeit damit bekommen, aber wir sind gut vorbereitet.

Wie sahen diese Vorbereitungen aus?

Käser Schon seit Mai dieses Jahres befinden wir uns in enger Abstimmung mit allen relevanten Akteuren in der Stadt. Wir haben eine Projektgruppe ins Leben gerufen unter Beteiligung des Jobcenters, des Ausländeramtes und des Amtes für Soziales und ausgelotet, wie wir dieses Thema angehen können. Und wir haben uns entschieden, einen so genannten Integration Point bei uns an der Wintgensstraße einzurichten, was übrigens flächendeckend in ganz NRW geschehen soll. Die zehn Mitarbeiter, die ab Januar in dieser Organisationseinheit arbeiten werden - wir können die Zahl bei Bedarf auf bis zu 25 aufstocken -, haben wir sehr sorgfältig ausgesucht und geschult. Neben dem fachlichen Wissen werden auch interkulturelle Kompetenzen und Fremdsprachenfähigkeiten eine große Rolle spielen. Darauf haben wir besonderen Wert gelegt.

Mit wie vielen Kunden rechnet Ihre neue Abteilung?

Käser Das ist schwer einzuschätzen. Denn natürlich kann niemand genau vorhersehen, ob die Menschen, die als Flüchtlinge anerkannt werden, dann auch in Duisburg bleiben und sich hier Arbeit suchen. Und es ist auch schwer zu sagen, wer aus anderen Regionen zu uns kommen wird. Deshalb sind wir sehr vorsichtig, was Prognosen angeht. Wir gehen davon aus, dass 1500 Flüchtlinge in Duisburg ein Bleiberecht erhalten und davon in etwa 70 Prozent dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden. Das wären 1050 Menschen.

Ist das zu schaffen?

Käser Es ist sicherlich eine große Herausforderung. Aber wir sind gut aufgestellt, denn der Bund stellt uns aktuell zusätzliche Mittel zur Verfügung. Das betrifft nicht nur die Mittel für Mitarbeiter, die wir einstellen können, sondern auch Gelder für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die uns zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen haben wir festgestellt, dass die meisten der rund 150 Flüchtlinge, die wir derzeit bereits betreuen, sehr motiviert sind und so schnell wie möglich Arbeit finden wollen. Alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch, dass wir das schaffen werden. Viel hängt auch von der Bereitschaft der Unternehmen ab, Flüchtlinge einzustellen.

Wie schnell können die Menschen, die hierher geflohen sind, in den Arbeitsmarkt integriert werden?

Käser Wir müssen sie natürlich zunächst kennenlernen, herausfinden, was sie können, welche Qualifikationen sie haben. Ganz wichtig sind erst einmal Sprach- und Integrationskurse. Wir gehen davon aus, dass zehn bis 15 Prozent der zu uns Kommenden gute, relativ schnell verwertbare Qualifikationen haben. Bei ihnen wird es rund ein Jahr dauern. Die allermeisten werden aber nicht sofort integrierbar sein. Weil es ihnen an Qualifikationen fehlt, weil sie traumatisiert sind, oder aus anderen Gründen. Unser Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung rechnet damit, dass die Arbeitsmarktintegration schrittweise erfolgen und mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Erfolg und Geschwindigkeit hängen dabei wesentlich von der Dauer der Asylverfahren, der Sprachförderung, aber auch der Aufnahmebereitschaft der Wirtschaft ab.

Viele haben Bedenken, dass die Flüchtlinge ihnen die Arbeit wegnehmen. Was sagen Sie dazu?

Käser Natürlich ist es erst einmal so, dass wir in Duisburg ohnehin schon zu wenige freie Stellen haben. Und bald werden dem noch mehr Arbeitssuchende gegenüber stehen. Das lässt sich nicht leugnen. Doch: Derjenige, der am motiviertesten und am besten ausgebildet ist, hat die größte Chance, eine Stelle zu bekommen. Eine weit verbreitete Annahme kann ich direkt entkräften: Kein Flüchtling wird einem Arbeitssuchenden arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und Möglichkeiten streitig machen. Niemand muss damit rechnen, dass ihm das Arbeitslosengeld gekürzt wird. Für die Flüchtlinge hat der Bund zusätzliche Gelder bereitgestellt. Bis Mitte 2016 sind das für Duisburg 2,5 Millionen Euro zusätzlich für arbeitsmarktpolitische Leistungen. Und auch an Personal wird nicht zugunsten von Flüchtlingen an anderer Stelle gespart. Was den Menschen gar nicht so bewusst ist: Die Flüchtlingskrise schafft auch viele Arbeitsplätze, vor allem im Bildungssektor, in der beruflichen Bildung und Sprachförderung. Auch im Bereich der Wohnungsförderung und der sozialen Dienste gibt es positive Effekte für den Arbeitsmarkt. Auch der Ausbildungsmarkt profitiert. Denn es kommen viele motivierte junge Menschen zu uns, die in einem Alter sind, in dem sie sich integrieren wollen. Das ist durchaus eine Chance.

SANDRA KAISER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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