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Duisburg
Neue Toiletten für gute Schule zu wenig

Duisburg: Neue Toiletten für gute Schule zu wenig
Stolz ließen sich die Stadtvertreter fotografieren, als im Januar mit Fördermitteln des Landes am Hamborner Berufskolleg die Toiletten-Sanierung begann. Der Stadtelternpflegschaft ist das viel zu wenig. Sie fordert zum Beispiel Geld für digitale Schulausstattungen. FOTO: Reichwein
Duisburg. Die Stadtschulpflegschaft kritisiert, dass die Stadt nicht genug Geld für die Pflege und Instandhaltung ihrer Schulen ausgibt. Die Schüler würden dadurch immer mehr abgehängt, lautet die zentrale Kritik. Von Hildegard Chudobba

In Duisburgs Schullandschaft rumort es gewaltig. Erst vor wenigen Tagen demonstrierten Eltern vor dem Rathaus, weil die Stadt an zahlreichen Grundschulen im Stadtgebiet Container aufstellen lässt, um den Mangel an Klassenräumen zu kompensieren. Sie forderten unter anderem, dass ein Mehr an Schülern zwingend einhergehen müsse mit entsprechenden Konzepten zur Beschulung. Denn der Anstieg der Schülerzahlen ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, dass nach Duisburg viele Flüchtlingsfamilien und Zuwanderer aus Südosteuropa gekommen sind mit entsprechend mangelhaften Deutsch-Kenntnissen.

Nun ist es die Stadtschulpflegschaft EDuS, die zu einer Demo vor dem Rathaus aufruft. Sie soll stattfinden am 3. Juli um 14.30 Uhr, also kurz vor der Ratssitzung (15 Uhr). Die Eltern wollen damit erreichen, dass in Duisburg in Zukunft ein größerer Schwerpunkt auf das Thema Bildung gelegt wird. Auch wenn die Kommune klamm ist, könne man durch eine bessere Organisation der Verwaltung einiges mehr erreichen und erzielen als es in den vergangenen zehn Jahren der Fall gewesen sei. Die Elternvertreter mahnen beispielsweise einen Schulentwicklungsplan an.

Der war früher Standard für die politischen Beratungen, wurde kontinuierlich fortgeschrieben, fasste nicht nur den Ist-Zustand zusammen, sondern blickte auch in die Zukunft. Daraus ließ sich dann ableiten, wo kurz- oder mittelfristig zusätzlicher Schulraum und mehr Personal benötigt wird, welche Schulformen sich auf einen Ansturm vorbereiten müssen, wo Leerstand droht und wie sich die Schülerzahlen auf Sicht entwickeln werden.

In den vergangenen Jahren sei in das Bildungssystem nicht ausreichend investiert worden, lautet ein Vorwurf der Stadtschulpflegschaft. Gelder aus dem Programm "GuteSchule2020" , die derzeit investiert werden, reichten nicht aus, um die Notstände zu beseitigen. "Während andere Standorte die Gelder in den Ausbau der Digitalisierung oder Fachräume investieren können, saniert Duisburg die Schultoiletten, so dass das Programm sich eher der ,guten Toilette2020' nähert", so die Elternsprecher.

Es sei von großer Notwendigkeit, schon heute die Anmeldungen in den Kindergärten für künftige Schulplanungen zu berücksichtigen. "Um nur ein Beispiel zu nennen, in Baerl haben 120 Eltern keinen KIGA Platz bekommen. Wo sollen diese Kinder in drei Jahren zur Schule gehen? Wie viel Raum ist zudem dann für den Offenen Ganztag vorhanden?" Dessen Ausbau an den Grundschulen finde trotz gestiegener Nachfrage nicht statt, so der Vorwurf der Stadtschulpflegschaft. Da Schule immer mehr zum Lebensraum werde, in dem Kinder ihre Zeit verbringen, müsse auch an dieser Stelle in Quantität und Qualität investiert werden. Auch der gebundene Ganztag an den Gymnasien sei in Duisburg in den vergangenen Jahren nicht weiter ausgebaut worden.

Schlechte Noten gibt es von den Eltern auch für den Ausbau der Digitalisierung der Schulen. " Jetzt gibt es zwar durch "GuteSchule2020" Breitbandanschlüsse für fast jede Schule. Aber damit ist es ja nicht getan. Während an anderen Schulen in NRW die Klassen schon mit Beamer, Tablets, LapTops, PCs, Whiteboards etc. ausgestattet sind, hinkt Duisburg hinterher."

Bezüglich der Lehrerausstattung sieht die Elternvertretung gleichfalls Handlungsbedarf und ist bereits mit dem zuständigen Ministerium in Kontakt. Im Juli soll es eine Podiumsdiskussion mit Politikern aus Land und Kommune geben. Die Stadt habe durchaus die Möglichkeit, mehr Mittel bereitzustellen z.B. für Sekretariate, Psychologen oder Sozialarbeiter. "Wenn wir uns den Haushaltsplan anschauen, denken wir, dass unsere Kommune im Stande ist mehr zu leisten." Es sei Teil der verpflichtenden kommunalen Daseinsvorsorge, sich um Schulgebäude zu kümmern. Wenn die Stadt dies nicht alleine schaffe, solle sie sich der Hilfe von Sponsoren bedienen. "Unsere Schüler werden im Vergleich immer mehr abgehängt. Man könnte auch sagen, in Duisburg gibt es bald nicht nur Parallelgesellschaften, sondern auch parallele Bildungssysteme 2. Klasse".

Quelle: RP
 
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