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Duisburg
Neue Vorwürfe gegen Rettungsarzt

Duisburg: Neue Vorwürfe gegen Rettungsarzt
Dr. Frank Marx, hier im Einsatz bei einem Duisburger Chemieunfall. FOTO: EICKERSHOFF
Duisburg. Die Staatsanwaltschaft prüft unter anderem, ob Dr. Frank Marx, der suspendierte Leiter des Rettungsdienstes in Duisburg, ein zwar in den USA, nicht aber in Deutschland zugelassenes Medikament eingesetzt hat. Von Hildegard Chudobba und Sandra Kaiser

Dem suspendierten Leitenden Rettungsarzt der Stadt Duisburg, Dr. Frank Marx, ist in den vergangenen Wochen Sympathie von allen Seiten entgegengebracht worden. Vor allem der offene Solidaritätsbrief der Duisburger Notärzte hatte gewaltige Resonanz in den sozialen Netzwerken losgetreten - meist mit aufmunternden Kommentaren und Lob für seine Arbeit. Von den rund 150 Notärzten im Stadtgebiet hatten 46 ihre Unterschrift gegeben. Die Verfasser begründeten den vergleichsweise geringen Anteil mit den Arbeitszeiten der Mediziner, die schwer zu erreichen seien.

Der suspendierte Leitende Rettungsarzt war gestern für eine Stellungnahme zu den folgenden Vorwürfen trotz mehrfachen Versuches telefonisch nicht zu erreichen. Seitens des zuständigen Rechtsdezernates der Stadt gibt es ebenfalls keine Stellungnahmen. Nur so viel wird bestätigt: Die Stadt hat Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft gehe den Verdachtsmomenten nach. Das bestätigte auch Oberstaatsanwalt Martin Fischer auf Anfrage: "Uns liegt eine Strafanzeige der Stadt Duisburg vom 10. September vor. Diese Strafanzeige wird nun geprüft." Zum Inhalt, so Fischer, wolle die Staatsanwaltschaft derzeit noch keine Angaben machen.

Was dem Leitenden Rettungsarzt vorgeworfen wird? Es ist wohl weit mehr als die von Marx selbst vermuteten Vorwürfe, er habe Fahrtenbücher nicht korrekt geführt und Einsätze nicht in allen Fällen formal richtig abgerechnet. Inzwischen macht in der Ratspolitik und in Feuerwehrkreisen die Runde, Inhalt der Anzeige, die die Stadt gestellt hat, sei, dass Dr. Marx ein in den USA (nach strengem Prüfverfahren), aber in Deutschland noch nicht zugelassenes Medikament in mehreren Fällen bei Herzinfarktpatienten angewendet haben soll, ohne sie oder ihre Angehörigen darüber zu informieren. Eine zuverlässige Quelle bestätigte diesen Vorwurf unserer Redaktion. Wäre dies der Fall, hätte sich Marx der Körperverletzung schuldig gemacht.

Ebenfalls Bestandteil der Anzeige: Er habe an einer Studie des Herstellers teilgenommen, obwohl ihm dies von der Stadt untersagt worden sei. Dr. Marx hatte in den zurückliegenden Tagen erklärt, er kenne die Gründe für seine Suspendierung nicht.

Ein weiterer Vorwurf lautet, er habe seine Notärzte angewiesen, Herzinfarktpatienten vor allem in zwei Duisburger Krankenhäuser zu bringen, auch wenn andere über die notwendigen Überwachungsgeräte verfügen und qualifiziert behandeln könnten. Bei einem Infarktpatienten besteht allerdings die Dienstanweisung, ihn in die nächst gelegene geeignete Klinik zu bringen. Unter diesen beiden "bevorzugten" Häusern befindet sich die Herzklinik in Meiderich nicht, legen die Aufnahmezahlen nahe.

Die Staatsanwaltschaft soll, wenn sich die Bevorzugung bestätigen sollte, auch die Motive herausfinden. Die Ermittlungen führt nicht die Duisburger Polizei, wie sie auf Anfrage bestätigt. Die Stadt Duisburg hat sich offenbar direkt an das Landeskriminalamt gewandt. Dort wurde allerdings auf Nachfrage der RP erklärt: "Uns ist kein entsprechendes Verfahren bekannt. Und wenn, wäre die Staatsanwaltschaft Duisburg der richtige Ansprechpartner."

Quelle: RP
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