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Duisburg
Nicht die kleinste Hütte übergangen

Duisburg: Nicht die kleinste Hütte übergangen
Dr. Gernot Tromnau, der fast 25 Jahre lang Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums in Duisburg war, hat sich viel mit Mercator und seiner Zeit beschäftigt. Johannes Corputius war ein Schüler Mercators. FOTO: andreas probst (archiv)
Duisburg. Der langjährige Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums über den Stadtplan, den vor 450 Jahren Johannes Corputius von der Stadt entwarf. Bis heute haben wir ein Bild vom alten Duisburg aus der Vogelperspektive. Von Gernot Tromnau

Vor 450 Jahren erschien der erste Stadtplan von Duisburg, der von Johannes Corputius im Jahre 1566 fertiggestellt und dem Rat der Stadt Duisburg übergeben wurde. Der Stadtplan von Duisburg kann als das "Examensstück" von Johannes Corputius angesehen werden. Er zeigt Duisburg aus der Vogelperspektive und ist durch seine Detailgenauigkeit ein herausragendes Zeugnis für die Darstellung der frühneuzeitlichen Stadt von nur 33 Hektar Größe, die als Ellipse nur 875 Meter und 445 Meter betrug. Selbstbewusst schrieb er in der Legende des Plans, dass er nicht die kleinste Hütte übergangen habe. Der Plan enthält auch Erläuterungen über Straßen und Gebäude und diente als Vorbild für spätere Stadtansichten von Duisburg bis zum Beginn der Industrialisierung.

Diese Kopie des kolorierten Exemplars des Corputius-Plans befindet sich im Kultur- und Stadthistorischen Museum. FOTO: christoph reichwein

Wer war nun dieser Johannes Corputius? Johannes Corputius (1542 - 1611) studierte zunächst 1558 in Löwen, Basel und Köln, bevor er 1562 nach Duisburg kam. Er wohnte bei Mercator und studierte bei ihm Mathematik. Mercator legte großen Wer darauf, dass seine Schüler Vermessungsinstrumente fertigten und die Landvermessung und das Kartenstechen erlernten. Mit seinem "Examensstück" hat er uns einen großartigen Stadtplan Duisburgs hinterlassen.

Mit einem Winkelmesser mit Visiereinrichtungen peilte er vom Turm der Salvatorkirche aus die einzelnen Gebäude in der Stadt an und stach die so gewonnene Stadtansicht aus der Vogelschau in vier Kupferplatten. Zuvor hatte er offensichtlich zunächst den Grundriss der Stadt vermessen. Zwei Blätter mit Notizen und den erstellten Peillinien sind erhalten, die von dem Duisburger Lehrer am Landfermann-Gymnasium Duisburg, Rolf Kirmse, in der Heidelberger Universitätsbibliothek entdeckt wurden. Daraus lässt sich die Vorgehensweise der Vermessungen von Johannes Corputius ableiten. Seine Darstellung vom mittelalterlichen Duisburg sind so genau, dass sie noch heute bei den archäologischen Untersuchungen von großem Nutzen sind.

Der Autor nennt sich auf der Widmungstafel des Stadtplans J. de Corput Breadanus nach seinem Geburtsort Breda in Nordbrabant. Von ihm wissen wir, dass er seit Mitte der siebziger Jahre des 16. Jahrhunderts als Soldat und Artilleriehauptmann große Verdienste im Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien durch den Entwurf von Stadtbefestigungen und der Beteiligung an Belagerungen erworben hat und seit 1580 mehrfach ausgezeichnet wurde. Am 17. September 1611 verstarb er als Hauptmann von Groningen.

Corputius hatte seinen Stadtplan von Duisburg dem Landesherrn Wilhelm dem Reichen (1539 - 1592), Herzog von Jülich - Kleve - Berg, und der Stadt Duisburg zugeeignet. Der Stadtplan wurde gerahmt und im Rathaus von Duisburg aufgehängt. Für einen Vorentwurf erhielt der Autor vom Rat der Stadt Duisburg 1564 lediglich zehn Taler, was damals ungefähr 45 Tagelöhne eines Handwerkers entsprach. Dieser ersten Fassung fehlte allerdings noch der erläuternde Text.

Den Forschungen von Dr. Joseph Milz nach, dem früheren Direktor des Duisburger Stadtarchivs, war dieser Stadtplan allerdings ein Flop. Nur so ist zu erklären, dass er in so wenigen Abzügen erstellt wurde.

Das Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckte kolorierte, mit den Erläuterungen versehene Exemplar aus der Breslauer Stadtbibliothek ist leider zusammen mit Mercators seltenen Wandkarten von Europa, den Britischen Inseln und der Weltkarte von 1569, auf der erstmalig die "Mercatorprojektion" dargestellt wurde, den Plünderungen sowjetischer Truppen zum Opfer gefallen.

Die Ecken der Randleiste des Duisburger Stadtplans von 1566 zieren vier Medaillons, die meiner Meinung nach nicht reiner Zierrat sind. Das Porträt oben rechts stellt wahrscheinlich Johannes Corputius selbst dar. Da die frühneuzeitlichen Stadtpläne nicht vorrangig eine Orientierungshilfe für einen Ortsfremden darstellten, sondern vielmehr ein Propagandamittel waren, sollte der Plan wahrscheinlich eine Stadtwerbung für Duisburg sein und sich als Standort für die damals geplante Universität anbieten.

Dieser Artikel ist die gekürzte Fassung eines Vortrags, den Dr. Gernot Tromnau im Rotary Club Duisburg gehalten hat.

Quelle: RP
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