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Duisburg
Nolde-Gemälde geht an die Erben

Duisburg: Nolde-Gemälde geht an die Erben
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Duisburg. Ein jahrelanger Rechtsstreit ist nun endgültig beigelegt: Das Lehmbruck-Museum gibt das Gemälde "Frauen im Blumengarten" von Emil Nolde an die Erben der ehemaligen Besitzer zurück. Von Peter Klucken

Auf diese Nachricht haben viele gewartet: "Die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum hat das Gemälde 'Frauen im Blumengarten' von Emil Nolde an die Erben der ehemaligen Besitzer zurückgegeben." Damit ist ein jahrelanger Rechtsstreit endgültig beigelegt. Und fest steht nun, dass das Gemälde, das einen Versicherungswert von einer Millionen Euro hat und das jahrelang zur Sammlung des Duisburger Museums gehörte, die Stadt verlässt. Die vage Hoffnung, dass das Gemälde als Dauerleihgabe der Erbengemeinschaft im Lehmbruck-Museum bleibt, erfüllt sich nicht.

Vor 13 Jahren forderten die Erben des jüdischen, in Dresden ansässigen Sammlerehepaars Eduard und Rita Müller das Lehmbruck-Museum erstmals zur Rückgabe des Gemäldes auf. Doch erst in der Amtszeit der gegenwärtigen Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla entschied das Kuratorium der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum einen Förderantrag für Provenienzrecherche bei der damaligen Arbeitsstelle für Provenienzforschung, Berlin (heute: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg) zu stellen. Die Recherche wurde von Facts & Files, Historisches Forschungsinstitut Berlin, durchgeführt. Das Fazit der Gutachterin Beate Schreiber ist, dass das Gemälde eindeutig als zur Sammlung Müller gehörig identifiziert wurde und dass es sich um einen NS-verfolgungsbedingten Verlust handelt. Demzufolge beschloss das Kuratorium der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum im November 2015: "Die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum erkennt den NS-verfolgungsbedingten Verlust des Gemäldes 'Frauen im Blumengarten' von Emil Nolde an, so dass nach den Maßgaben der Washingtoner Erklärung eine Restitution angezeigt ist." Anfang 1942 war Eduard Müller im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden. Kurz darauf versuchte Rita Müller die Flucht, zu deren Finanzierung sie u.a. das Nolde-Gemälde verkaufte. Doch auch sie wurde von den Nazis aufgegriffen und in Auschwitz am 5. November 1942 ermordet. Der Sohn konnte noch 1938 von Prag aus emigrieren. Nun sind es die Urenkel des Sammlerehepaares, die das Gemälde zurück erhalten haben.

FOTO: Christoph Reichwein

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link sagte gestern: "Mir ist es eine Herzensangelegenheit, dass wir zu einer fairen und gerechten Lösung gefunden haben, wie es die Washingtoner Erklärung vorsieht." Der Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Thomas Krützberg, hat seit Beginn seiner Amtszeit 2013 die Gespräche um die Rückgabe maßgeblich mitgeführt: "Ich empfinde Erleichterung dabei, das Gemälde seinen rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. Dass dieser Weg so lang war, ist der Verantwortung geschuldet, die das Museum als Bewahrer öffentlichen Eigentums besitzt. Letztlich sind die historischen Fakten ausschlaggebend, die uns zur Rückgabe veranlassen." Und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla "sieht das Museum in der historischen Verantwortung, die Enteignung der jüdischen Bevölkerung fundiert zu erforschen und Werke unserer Sammlung, die, wie Noldes Blumengarten, unter dem Druck nationalsozialistischer Verfolgung entzogen wurden, zu restituieren." Zu ergänzen bleibt Folgendes: Der für die Restitution entscheidende Satz im Gutachten von Beate Schreiber heißt: "Da der Verkauf 1942 stattfand und Rita Müller ohne die Herrschaft des Nationalsozialismus nicht hätte fliehen müssen, handelt es sich nicht um einen rechtsgeschäftlichen Verlust, sondern um einen verfolgungsbedingten." Kurt und Gertrud Müller machten 1958 erstmals Entschädigungsansprüche geltend. Unfassbar, was ihnen, deren Eltern in Auschwitz ermordet wurden und deren Besitz, einschließlich der Häuser in Dresden, das Naziregime gestohlen hatte, zugebilligt wurde: "1431,80 DM wegen Vermögensschädigung aufgrund der Eingruppierung in eine höhere Steuergruppe für Juden ab 1. April 1939." Einige Fragen bleiben nach den Recherchen der Gutachterin noch offen. So ist nach wie vor unklar, auf welche Weise das Nolde-Gemälde der Familie Dittmayer verloren ging. Hans Dittmayer hatte das Noldegemälde von Rita Müller gekauft. Es gibt keinen Anlass, Hans Dittmayer unredliche Motive zu unterstellen. Auch er litt unter den Nazis, da seine Frau nach den damaligen Rassegesetzen als Jüdin verfolgt wurde. Allerdings wurde Dittmayer nach den Recherchen der Gutachterin kein Vermögen von den Nazis entzogen. Die Gutachterin geht davon aus, dass Hans Dittmayer, der im Jahr 1946 starb, sein Vermögen nicht aufgrund nationalsozialistischer Verfolgung verloren hat, obwohl seine Frau als Zwangsarbeiterin von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. Hans Dittmayers mittlerweile 91-jähriger Sohn Wolfram wird gewiss die Restitution des Nolde-Gemäldes weiter klären wollen.

Damit wird sich das Lehmbruck-Museum nach der Rückgabe des Nolde-Werkes nicht mehr beschäftigen. "Es gibt gegenüber dem Duisburger Museum keinen Anspruch von Dritten", sagte der Museumssprecher gestern.

FOTO: Christoph Reichwein
Quelle: RP
 
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