| 06.17 Uhr

Kundgebung zum 1. Mai in Duisburg
Pyrotechnik und Notarzt-Einsatz bei Pro-NRW-Demo

NPD-Demo in Duisburg: Prügelei zwischen Linken und Rechten
NPD-Demo in Duisburg: Prügelei zwischen Linken und Rechten FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Bei den Kundgebungen der rechtsextremen NPD und rechtspopulistischen Partei Pro NRW in Duisburg kam es zu mehreren Vorfällen. Die Polizei musste mit Hunden und Tränengas gegen Demo-Teilnehmer vorgehen. Die Beamten nahmen Personen fest, es gab mehrere Verletzte. Von Tim Harpers

Claudia Roth macht ernst. Die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen steigt aus ihrem BMW - ihr Bodyguard schaut dabei ein wenig unglücklich aus – und marschiert auf die Polizeiabsperrung zu. Vor der Kette der Hundertschaft der Bereitschaftspolizei bleibt sie stehen und blickt abschätzend die Straße herunter. Dann schüttelt sie den Kopf. "Unglaublich", murmelt die Bundespolitikerin. "Einfach unglaublich."

Roths Blick war auf etwa 100 Anhänger der NPD gefallen, die gestern in der Innenstadt an einem Demonstrationszug teilnahmen. Am Abend wurde darüber hinaus die rechtspopulistische Partei Pro NRW mit etwa 100 Mann im Dellviertel vorstellig. Den Rechten standen dabei über den Tag verteilt etwa 1000 Gegendemonstranten gegenüber.

Linke wollten Umzug der NPD verhindern

Der Demotag in der Innenstadt begann früh. Schon gegen 9 Uhr waren erste Gruppen linker Demonstranten auszumachen, die nach einer Lücke in der Sperrzone der Polizei Ausschau hielten, um den Umzug der NPD doch noch verhindern zu können – vergeblich.

Mit dem Eintreffen der ersten rechten Demonstranten gegen 11 Uhr kam es auch gleich zum ersten Zwischenfall des Tages. In der Halle des Hauptbahnhofes gerieten zwei autonome und zwei nationalistische Kundgebungsteilnehmer aneinander, was einen Tumult auslöste. Durch den Lärm in der Bahnhofshalle angelockt, sahen sich etwa zehn NPD-Anhänger plötzlich rund 120 Linken gegenüber. Die Polizei musste Pfefferspray einsetzen, um die Lager zu trennen.

Traurige Bilanz des Morgens: vier Festnahmen, davon drei wegen Körperverletzung und eine wegen Widerstandes, und zwei Verletze. Danach wurde die Bahnhofshalle durch die Bundespolizei geräumt. Etwa eine Stunde später setzte sich die NPD-Demonstration in Bewegung. Die ursprünglich geplante Route: Friedrich-Wilhelm-Straße, Düsseldorfer Straße, Mercatorstraße musste aus Sicherheitsgründen verkürzt werden.

Zwischenfall im Kantpark

Zum zweiten Zwischenfall des Tages kam es gegen 14 Uhr. Etwa 20 Gegendemonstranten hatten sich über einen Hinterhof an den Polizeiabsperrungen vorbeigemogelt und versuchten durch den Kantpark auf die Route der NPD zu gelangen. Die Polizei musste  Hunde einsetzen, um die Situation in den Griff zu bekommen. Dabei wurde ein Gegendemonstrant gebissen, der daraufhin im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Polizei sprach den aufgegriffenen Linken Platzverweise aus. Bis zur Abreise der NPD-Anhänger kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Claudia Roth wollte mit ihrem Besuch in Duisburg vor allem Flagge zeigen. "Der erste Mai ist vor allem auch ein Tag der Menschenrechte", sagte sie. "Die alten und neuen Nazis versuchen diesen Tag zu kapern und zu beschmutzen. Daher ist es wichtig Gesicht zu zeigen." Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Frank Börner stellte sich der NPD in den Weg. Via Lautsprecher  machte er deutlich, dass sich die Sozialdemokratie ihren Feiertag nicht durch solche Leute kaputtmachen lasse. Es sei wichtig, dass es Menschen gebe, die sich den rechten Bestrebungen in den Weg stellen.

Rund um die Pro NRW Kundgebung am Abend blieb es weitestgehend friedlich. Bis auf den Einsatz von Pyrotechnik und einen Notarzteinsatz im Bus der rechten Partei (ein Teilnehmer erlitt einen Herzinfakt) passierte nichts ungewöhnliches. Die Rechtspopulisten wollten mit einer an  einen Fackelmarsch angelehnten "Lichterkette" auf sich aufmerksam machen und sind dabei vor die Duisburger Parteizentrale der SPD gezogen. 19.30 Uhr begann der Aufmarsch von Pro NRW mit einer Kundgebung auf der Düsseldorfer Straße. Gegen 22 Uhr war der Spuk dann vorbei und für die Polizei einer der wohl längsten Arbeitstage des Jahres beendet.

 

Quelle: RP
 
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