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Duisburg
Nur der Mastanstrich ist falsch

Duisburg. Einst im Nachklang zum 275-jährigen Hafenjubiläum erbaut und errichtet, nun zum 300. Hafengeburtstag grunderneuert wiederaufgestellt: Die Großskulptur "Binnen-Hafen-Tor" in Ruhrort. Von Olaf Reifegerste

Nach gut drei Jahren wurde der sogenannte "Schraubenturm" instandgesetzt und steht nun zusammen mit den beiden Spiralmauern wieder als Gesamtensemble auf der Ruhrorter Mühlenweide: Vom Kunstwerk "Binnen-Hafen-Tor" von Günter-M. Schirmer ist die Rede. Ermöglicht hat die Wiederherstellung der Skulptur der "Förderverein für ein Maritimes Ruhrort" um Alt-Bürgermeister Benno Lensdorf herum.

Als zum 275. Jubiläum des Ruhrorter Hafens bei dem Düsseldorfer Künstler die Idee entstand, ein Bildhauersymposion in dem Hafenstadtteil zu veranstalten mit der Maßgabe, Hafenmotive als Skulpturen im öffentlichen Raum durch Künstler erstellen zu lassen, rief dieses Vorhaben den damaligen Kulturbeauftragen des Initiativkreises Ruhrgebiet und früheren Duisburger Kulturdezernenten, Dr. Konrad Schilling, auf den Plan. Schilling nahm Schirmers Idee auf und setzte sein Vorhaben im Nachklang zum besagten Hafenjubiläum als Projekt unter dem Titel "Junge Kunst im Ruhrgebiet" beim Initiativkreis durch. Gefördert mit damals 125.000 Mark nannte Schirmer das Gesamtprojekt "Binnen-Hafen-Zeit", an dem insgesamt sieben Künstler beteiligt waren, darunter neben ihm Heide Weidele, Susanne Windelen, Peter Könitz und Adem Yilmaz, deren Kunstwerke aus jener Zeit nach wie vor in Ruhrort zu sehen sind.

Schirmer selbst ließ sich vom Schiffsantrieb der Schifffahrt inspirieren und errichtete mit neun Schiffsschrauben einen Turm von sechs Metern Höhe, der rechts und links mit bis zu etwa drei Meter hohen Spiralmauern flankiert wird. Die größte Breite des Kunstwerks beträgt etwa zehn Meter. Die Skulptur wurde in Stahl (Achse des Schraubenturms), Messing (Schiffsschrauben) und Ziegelsteinen/Klinker (Spiralmauern) ausgeführt. Das Kunstwerk, 1993 entstanden, hat er "Binnen-Hafen-Tor" genannt und stellt einen Gruß an die Binnenschiffer beim Einlaufen ihrer Schiffe in den Hafenmund dar.

Zu einigen Diskussionen im Stadtteil führte Anfang 2013 das plötzliche Verschwinden des Schraubenturms aus der Kunstinstallation. Doch die Spekulationen waren schnell beendet als bekannt wurde, dass der Mast mit den Schiffsschrauben zu brechen drohte und deshalb aus sicherheitstechnischen Gründen abgebaut und eingelagert werden musste. Für das im Besitz bei den Kulturbetrieben der Stadt befindliche Kunstwerk wurde versucht, finanzielle Mittel zur Wiederherstellung der Skulptur zu akquirieren. Doch die dafür veranschlagten 28.000 Euro waren haushaltstechnisch einfach nicht zu stemmen. Da nahm sich der rührige "Förderverein Maritimes Ruhrort" der Sache an und schaffte es, zusammen mit befreundeten Unternehmen, die Großskulptur zu restaurieren und am selben Standort, nämlich unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke neben dem Ruhrorter Pegel, wieder aufzustellen.

Rechtzeitig zum 300. Hafenjubiläum übergab am vergangenen Mittwoch der besagte Förderverein im Beisein von Duisburgs Kulturdezernent Thomas Krützberg und dem Künstler Schirmer die Großskulptur wieder der Öffentlichkeit. Doch originalgetreu war der Mastanstrich nicht: Denn statt der ursprünglichen Goldlackierung wurde der Mast seines "Irminsuls", wie Schirmer den "Schraubenturm" nennt, in ein einfaches blau getaucht. Der Name "Irminsul" geht etymologisch auf "irmin" (groß) und "sul" (Säule) zurück, bezeichnet also eine "Große Säule". "Das geht so nicht", kritisierte Schirmer die eigenmächtige Umlackierung seines Kunstwerks. "Meine 'Irminsul' ist ganzheitlich goldfarben. So war es seinerzeit von mir beabsichtigt und so soll es jetzt auch wieder sein."

Lensdorf versprach noch an Ort und Stelle, das nachträglich schnellstmöglich ändern lassen zu wollen.

Quelle: RP
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