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Duisburg
Ohrfeige auf dem Schulflur?

Duisburg. Im April verurteilte das Amtsgericht einen Duisburger Hauptschullehrer wegen Körperverletzung im Amt. Der Pädagoge soll einen Schüler geschlagen haben. Gegen die Entscheidung legte der Angeklagte Berufung ein. Von Julia Hagenacker

Marvin (Name geändert) ist ein „typischer“ Teenagern. So einer, der betont lässig auftritt, jedenfalls, was die Kleidung betrifft. Er trägt diese weiten, tief sitzenden Jeans, coole Turnschuhe und eine bedruckte Trainingsjacke. In der Schule, sagen seine Lehrer, habe der Junge so seine Probleme. Marvin sei beileibe kein einfacher Schüler. Eher einer von denen, die im Unterricht störten, die zu oft zu spät kämen, gerne provozierten und wenig Respekt zeigten, vor Mitschülern – aber auch vor dem Lehrpersonal.

Am 1. September 2005 soll er sich dafür eine Ohrfeige von einem Lehrer eingefangen haben. Marvin besuchte damals die achte Klasse einer Hauptschule in Hamborn. Das Amtsgericht verurteilte den teils an besagter Hauptschule, teils an einer Hamborner Gesamtschule angestellten Pädagogen im April vergangenen Jahres wegen Körperverletzung im Amt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätze zu je 50 Euro.

Gegen die Entscheidung legte der 64-Jährige Berufung ein. Sämtliche Vorwürfe – dass er den Jungen beim Klassenraum-Wechsel auf dem Schulflur unsanft am Oberarm packte, ihn beschimpfte, bedrohte und schließlich mit der flachen Hand auf die Wange schlug – streitet der Lehrer ab, ganz vehement. Jetzt wird vor dem Landgericht erneut verhandelt.

Fest steht: Der banale Auslöser für den mutmaßlichen Ausraster war die Frage des Schülers, wie spät es denn sei. „Diese Frage“, sagte der Angeklagte gestern, „regt mich auf.“ Immer wieder sei er damit von Schülern geärgert worden, manchmal 20, 30 Mal am Tag. „Die wussten, dass sie mich damit provozieren. Ich bin auch nur ein Menschen. Auch ich kann die Nerven verlieren.“

Können: ja, aber dürfen nicht. „Ich fand das Verhalten für einen Lehrer unangemessen, ihm fehlt die nötige Distanz“, erklärte Marvins ehemaliger Klassenlehrer im Zeugenstand. Der 42-Jährige hatte seinerzeit nach eigener Aussage mitangehört, wie der Angeklagte den Schüler „maßlos beschimpfte“. „Du bist dumm“, habe er Marvin nach dem Übergriff an den Kopf geworfen. Und: „Wenn das noch mal passiert, hänge ich dich mit den Beinen in der Luft auf“. Der Vertrauenslehrer, an den sich Marvin noch am selben Tag wandt, will sogar rote Striemen im Gesicht des Jungen entdeckt haben. Über den Angeklagten hätten sich bei ihm auch früher schon Schüler beschwert, sagte der 61-Jährige im Zeugenstand. Anzeigen seien aber nie erstattet worden. Im Kollegenkreis waren uns da die Hände gebunden.“

Quelle: RP
 
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