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Duisburg
Opernehe bleibt ein Zukunftsmodell

Duisburg. Die Ausstellung und Vortragsreihe im Landesarchiv NRW am Innenhafen zum 60-jährigen Jubiläum der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg wurde jetzt eröffnet mit einem Podiumsgespräch auf einem Loriot-Sofa. Von Ingo Hoddick

Im September 1956 gründeten die Städte Düsseldorf und Duisburg eine musikalische Theatergemeinschaft, die Oper und Operette mit Ballett in einer Gesellschaft vereinigt, jedoch zwei Spielstätten betreibt. Was zunächst als reine Zweckgemeinschaft aus finanziellen Erwägungen begonnen hatte, erwies sich zunehmend als Erfolgsgeschichte. Schon bald nach Beginn der ersten Speilzeit 1956/57 wurde von der Fachwelt eine "bedeutende künstlerische Leistungssteigerung" bescheinigt.

Zwei Jahre später zählte die Deutsche Oper am Rhein, wie sich die Theatergemeinschaft seitdem nennt, bereits zu den fünf renommiertesten Opernbühnen Deutschlands. Heute ist sie fest im Kulturleben des Rheinlands etabliert und verfügt über das größte Ensemble einer Oper in der Bundesrepublik, wenn nicht in Europa. Dem Erfolg schadet auch das stete Bangen um den Fortbestand der liebevoll als "Opernehe" bezeichneten Gemeinschaft nicht. Vielmehr ist die Freude beim Publikum jedes Mal groß, wenn die finanziellen Schwierigkeiten wieder einmal überwunden werden konnten, zuletzt 2012, erst einmal bis 2022.

Im Landesarchiv NRW am Innenhafen läuft noch bis zum Ende des Jahres die Ausstellung und Vortragsreihe "Vom ,Theater-Experiment' zum ,deutschen Spitzeninstitut'" (die RP berichtete). Zur Eröffnung freuten sich jetzt Dr. Frank Bischoff, Präsident des Landesarchivs NRW, und Dr. Martina Wiech, Leiterin der Abteilung Rheinland, über die Zusammenarbeit von Landesarchiv und Rheinoper, denn Kultur ist ja in Deutschland Ländersache und das Landesarchiv sitzt nach über 180 Jahren in Düsseldorf seit zwei Jahren in Duisburg.

Professor Christoph Meyer, Generalintendant der Rheinoper, nannte in seinem Grußwort alle Angriffe auf sein Haus "idiotisch". Duisburg könne nicht ohne Düsseldorf, aber Düsseldorf auch nicht ohne Duisburg.

Bei den Verhandlungen 2012 habe er den Durchbruch erzielt mit der Bemerkung "Wenn Ihr das so wollt, dann könnt Ihr demnächst Dönerweitwurfwettbewerbe veranstalten auf Eurem Opernplatz."

Moderiert von Dr. Martin Schlemmer und Dr. Mark Steinert vom Landesarchiv, gab es dann ein Podiumsgespräch auf einem Loriot-Sofa unter dem passenden Titel "Szenen einer (Opern)-Ehe". Die beliebte Sopranistin Morenike Fadayomi plauderte über ihre Arbeit an der Rheinoper, wo sie seit 19 Jahren als Ensemblemitglied in ihrer künstlerischen Entwicklung gefördert wird.

Auch die Spielleiterin und Regieassistentin Esther Mertel lobte die Möglichkeiten, die das Haus gerade jungen Künstlern biete. So haben Spielleiter, die meist Regisseure werden wollen, hier noch mehr Freiraum, wenn sie die Übernahmepremiere in der jeweils anderen Stadt betreuen.

Und Operndirektor Stephen Harrison zeigte die Opernehe als Zukunftsmodell: "Die beiden Städte bekommen dadurch mehr Oper, als sie alleine haben könnten und sparen Verwaltungskosten. Allerdings müssen sie verkehrstechnisch gut verbunden sein, deshalb ist vor einigen Jahren das Schillertheater von Gelsenkirchen und Wuppertal gescheitert. Es dürfen gerne auch Nachbarstädte sein, denn an Rhein und Ruhr gehen die Menschen meist nur in der eigenen Stadt in die Oper." Als größten Erfolg der Rheinoper sieht er die Uraufführungen von Familienopern auf der großen Bühne: "Das ist keine Mozart-Musik, zum Teil atonal, die Kinder lieben das - die Lehrer weniger."

Quelle: RP
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