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Duisburg
Opernlandschaft ist bedroht

Duisburg: Opernlandschaft ist bedroht
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Im Landesarchiv sprach der Publizist und Musikwissenschaftler Ralph Bollmann über die Opernlandschaft in Nordrhein-Westfalen. Das Modell der Rheinoper hilft beim Sparen und sichert zugleich eine hohe Qualität. Von Ingo Hoddick

Ralph Bollmann veröffentlichte 2013 sein Buch "Walküre in Detmold", für das er alle etwa 80 Opernhäuser (also Theater mit eigenem Opernensemble) in Deutschland besucht hatte. Es ist zur Zeit vergriffen und erscheint im Februar als Taschenbuch. Jetzt referierte der Journalist und Buchautor im Landesarchiv NRW am Innenhafen über "Die NRW-Opernlandschaft im deutschen und europäischen Kontext".

Inzwischen hat Bollmann begonnen, auch alle 130 Opernhäuser in Europa zu besuchen - was weniger aufwendig ist, denn schon die Hälfte aller Opernhäuser weltweit findet sich im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und die Schweiz). Hier leisteten sich im 18. und 19. Jahrhundert die vielen Fürstentümer jeweils eigene Opernhäuser. 13 davon, so viele wie kein anderes Bundesland, hat Nordrhein-Westfalen, darunter nur eines das vom Land betrieben wird (das Landestheater Detmold) und drei, die akut bedroht sind (in Bonn, Hagen und Wuppertal). Zum Vergleich: in ganz Großbritannien gibt es fünf Opernhäuser (davon zwei in der Hauptstadt London und keines in Nordirland), in den Niederlanden drei (wobei die beiden außerhalb von Amsterdam ständig bedroht sind) und in Spanien zwei (Madrid und Barcelona). Das sind stark protestantische beziehungsweise katholische Länder, in denen die Oper als Vergnügen eher verpönt war - in Deutschland dagegen wurde die Oper im 19. Jahrhundert in den bürgerlichen Bildungskanon aufgenommen. Selbst in Italien, wo die Oper einen besonders hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat, gibt es nur 15 Opernhäuser (plus einige "Traditionshäuser", in denen nur zwei bis drei Aufführungen pro Spielzeit stattfinden). Vorhersagen zur Zukunft der Oper seien schwierig, so Bollmann im Landesarchiv. Viele junge Leute, gerade die kulturinteressierten, ziehen in die großen Städte - das könnte gefährlich werden für die Opernhäuser in kleineren Städten. Aussagen über die Bevölkerungsentwicklung seien aber nicht sicher, auch wenn die Demographen das anders sehen. In einigen Ländern, etwa in Skandinavien oder in Polen, seien in den letzten Jahren sogar neue und große Opernhäuser gebaut worden - aus ähnlichen Gründen wie damals bei den deutschen Kleinstaat-Potentaten, nämlich um Anschluss an die große weite Welt zu haben. - Das war ein Vortrag, wie man ihn von der Reihe über die Musik- und Tanzgeschichte des Rheinlands im Landesarchiv erhoffen kann: spannend und informativ, mit der Kunst, auch aus Statistiken einen Unterhaltungswert zu gewinnen. Und indirekt wurde auch der hohe europäische Stellenwert der vorerst geretteten Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg deutlich, wo durch die Opernehe nicht nur gespart wird, sondern auch die Qualität gesichert wird.

Im nächsten Vortrag am Dienstag, 15. November, um 18 Uhr, spricht Prof. Dr. Arnold Jacobshagen (Hochschule für Musik und Tanz Köln) über "Die Niederrheinischen Musikfeste: von der ,provinciellen Nationalfeier' zum internationalen Musikfestival (1818-1958)". Diese Musikfeste waren sozusagen ein Vorläufer der vor 60 Jahren gegründeten Rheinoper. Der Eintritt ist frei, ebenso die Führung durch das Landesarchiv um 17.30 Uhr.

Quelle: RP
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