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Rp-Thema Turandot-Premiere
Opernscouts sind geteilter Meinung

Duisburg. Die Premiere der Puccini-Oper im Theater der Stadt Duisburg stieß auf begeisterte Zustimmung, aber auch auf massive Kritik. Von Peter Klucken

Als nach der Aufführung der Vorhang fiel, gab es vom Publikum im ausverkauften Duisburger Stadttheater viel Beifall. Für die Rheinoper war die Premiere der berühmten Puccini-Oper Turandot, die in Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying, Taiwan, produziert wurde, durchaus ein Erfolg. Allerdings hörte man auch vereinzelte Buhs. Die Opernscouts, die auf Einladung der Rheinoper und der Rheinischen Post, ebenfalls bei der Premiere dabei waren, spiegelten die unterschiedlichen Meinungen des Turandot-Premieren-Publikums wider.

Martin Breil meinte bei der Diskussion gleich im Anschluss nach der Aufführung, dass ihn der Beginn der Inszenierung und auch das "Hollywood-Ende" irritiert habe. Insgesamt fand er die Aufführung jedoch stimmig. Es sei interessant, mal ein taiwanisches Regieteam zu erleben. Jessica Gerhold sah die Aufführung etwas kritischer. Ihr fehlte der rote Faden bei der Inszenierung. Viele Aspekte hätten sie verstört. Die Andeutung der verschiedenen Zeitebenen durch die Kostüme sei bisweilen schwierig nachzuvollziehen. Lobende Wort fand sie für die Duisburger Philharmoniker. Wie auch alle anderen Opernscouts lobte sie Brigitta Kele in der Rolle der Sklavin Liù. Auch das Ministertrio Ping, Pang, Pong (Bogdan Baciu, Florian Simson und Cornel Frey) überzeugte die meisten Opernscouts.

Christoph Grätz machte darauf aufmerksam, dass Turandot, die ohne Skrupel alle ihre Freier köpfen lässt, wenn diese drei fast unlösbar schwere Rätsel nicht enträtseln können, keine sympathische Rolle ist. Die Härte, mit der Linda Watson singt, sei deshalb wohl angemessen. Ihn hätte der Einsatz der zahlreichen Projektionen etwas gestört. Insgesamt sprach er allerdings von einem "tollen Opernabend". Ähnlich empfand es Ralph Kreiten, der bei der Nachbesprechung auf die "fabelhafte Leistung" des Chors aufmerksam machte, was auf allgemeine Zustimmung stieß. Julia Kulig gestand, dass sie ab und zu die Augen geschlossen habe, um sich ganz dem Musikgenuss hingeben zu können. Kathrin Pilger und Birgit Idelberger waren in der Scouts-Runde die größten Fans dieser Turandot-Inszenierung. Kathrin Pilger meinte, dass man auch mal Kitsch schön finden könne, und Birgit Idelberger sprach von einer optisch neuen Erfahrung. Eine solche Begeisterung konnte Rouven Kasten überhaupt nicht teilen. Er fand die Inszenierung überladen. Alles sei "viel zu viel gewesen" und sei oftmals rätselhaft geblieben. Die Computer-Animationen fand er "einfach schlecht". Die gesamte Aufführung sei in sich nicht stimmig gewesen. Immer habe er sich gefragt: "Was hat sich das Regieteam dabei nur gedacht?"

Als hilfreich wurde im Übrigen die Einführung in die Aufführung von Chefdramaturgin Hella Bartnig empfunden. Der Hinweis, dass die Rolle des Kaisers Altoum (Bruce Rankin) als Alter Ego von Puccini angelegt ist, fehlte in der Einführung allerdings. (Siehe auch Besprechung von Wolfram Goertz .)

Quelle: RP
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