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Schrottimmobilien
Ordnungsamt räumt Wohnungen in Duisburg

Wohnungsräumung in Duisburg-Hochfeld
Wohnungsräumung in Duisburg-Hochfeld FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. In Duisburg-Hochfeld mussten am Mittwoch 16 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Der Grund: brandschutztechnische Mängel in zwei Schrottimmobilien. Von Carolin Skiba, Duisburg

Heruntergekommene Treppenhäuser, unhygienische Wohnungen und jede Menge Müll finden sich in den beiden Häusern an der Hochfeldstraße im gleichnamigen Stadtteil. Doch all das ist nicht der Grund, warum hier Mittwochmorgen das Ordnungsamt mit Unterstützung der Feuerwehr, zweier Dolmetscherinnen und Vertretern der Stadt vor der Türe stand. "Die Feuerwehr hat eklatante brandschutzrechtliche Mängel festgestellt", erklärt Rechtsdezernentin Daniela Lesmeister. "Darum müssen wir drei Wohnungen für unbewohnbar erklären."

Spaziergang in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Reichwein

Die beiden Häuser gehören zu den 85 so genannten Schrottimmobilien, die die Stadt auf ihrer Liste hat. Seit 2014 sind es das elfte und zwölfte Haus, die durch die Stadt kontrolliert werden, wie Anja Kopka, Pressesprecherin der Stadt, mitteilte.

16 Menschen waren von der Räumung in Hochfeld betroffen. "Im Falle eines Brandes können wir die Menschen nicht in Sicherheit bringen", erklärte Jörg Theilenberg von der Feuerwehr. Zu kleine Fenster, durch die im Brandfall die Leiter der Feuerwehr nicht passen würde - somit würde ein fehlender zweiter Rettungsweg fehlen, und auch ein Rauchabzug sei nicht vorhanden, dafür aber zahlreiche weitere Mängel, die den brandschutzrechtlichen Vorschriften nicht entsprechen.

Dafür zu sorgen, dass in einem Mietshaus alles den Vorschriften entspricht, ist Aufgabe des Vermieters. Arif K., dem beide nebeneinanderliegenden Gebäude gehören, die vom Ordnungsamt gestern kontrolliert wurden, sieht die Schuld aber nicht bei sich. Das Gebäude sei schon alt, schon immer hätten hier Menschen gewohnt und erst jetzt, nachdem er vor fünf Jahren Eigentümer geworden sei, würde es Probleme geben, sagte er sichtlich verärgert. "Was soll ich denn jetzt meinen Mietern sagen?"

Dass er selbst durch nachlässige Verwaltung und Pflege seiner Immobilien für den Auszug seiner Mieter verantwortlich ist, wollte er nicht einsehen. Das machte ihm Lesmeister aber noch mal klar: "Sie sind als Eigentümer in der Pflicht, das Gebäude so herzurichten, dass die Bewohner sicher sind." Im Nachbarhaus, das ebenfalls gestern kontrolliert wurde, hatten die Mieter Glück - sie durften in ihren Wohnungen wohnen bleiben, weil die Mängel nicht so gravierend waren, als dass sie nicht vom Vermieter behoben werden können. "Hier ging es eher darum, Wege freizumachen, die im Ernstfall die Feuerwehr behindert hätten", erklärt Lesmeister.

Von Glück für die Mieter kann allerdings kaum die Rede sein, hat man einen Blick in die Häuser geworfen. Dreck und Müll überall, zerschlagene Fensterscheiben und desolate Zustände des Inventars. Lesmeister: "Die Wohnungen sind in keinem guten hygienischen Zustand." Das allerdings sei allein kein Grund für eine Räumung.

Marcel Willms, ebenfalls Bewohner einer Immobilie an der Hochfeldstraße, sieht das anders. "Meinetwegen könnte die Stadt das ruhig häufiger machen", sagt der 38-Jährige. "Diese Menschen haben überhaupt keinen Respekt vor fremdem Eigentum. Sehen sie sich die Häuser doch mal an!"

Die Mieter, die aus ihren Wohnungen raus müssen, werden entweder von ihrem Vermieter in anderen Wohnungen untergebracht. Sollte er keinen Platz haben, so wie im aktuellen Fall vom Eigentümer behauptet, kommt in der Regel die Stadt für eine vorübergehende Unterbringung auf - sie ist dazu rechtlich nicht verpflichtet. Auf der Straße bleiben musste bisher niemand. Kopka: "Da kommt dann das Sozialamt ins Spiel, das sich darum kümmert, dass die Menschen untergebracht werden." Die Stadt versuche, sich das Geld für die Unterbringung vom Vermieter wieder zu holen. Sollte das nicht gelingen, zahlt die Gemeinschaft, im Klartext: der Steuerzahler.

Mehr Hintergrund zu den Schrottimmobilien in Duisburg finden Sie hier. 

Quelle: RP
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