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Duisburg
"Organisatorisches Theaterexperiment"

Duisburg: "Organisatorisches Theaterexperiment"
Tanja Brill von der Rheinoper sowie Kathrin Pilger, Mark Steinert und Martina Wiech vom Landesarchiv (von links) stellten das Ausstellung und das Vortragsprogramm vor. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Am kommenden Montag beginnt im Landesarchiv am Duisburger Innenhafen eine Vortragsreihe, bei der die Rheinoper im Mittelpunkt steht. Zugleich wird die Ausstellung "60 Jahre Deutsche Oper am Rhein" eröffnet. Eintritt ist frei. Von Peter Klucken

Kaum zu glauben, dass diese schlichten Schreibmaschinen-Seiten den Vertrag zu Schließung der "Opernehe" zwischen Düsseldorf und Duisburg darstellen sollen. Aber so ist es! Mit schlichten Schreibmaschinen-Lettern steht da unter "§ 1": "Die Städte Düsseldorf und Duisburg schließen sich zur Bildung einer ,Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg' zusammen". Nach 20 weiteren Paragrafen wird der Vertrag von Düsseldorfer Seite von Oberstadtdirektor Dr. Hensel und dem Beigeordneten Menken, auf Duisburger Seite von Oberstadtdirektor Klimpel und dem Beigeordneten Dittrich unterzeichnet. Übrigens an unterschiedlichen Tagen. Die Duisburger unterschrieben den Vertrag am 2. April 1955, die Düsseldorfer am 6. April 1955, wobei die "6" eine handschriftliche Korrektur ist.

In Augenschein nehmen kann man den Vertrag ab Montag, 26. September, 17.30 Uhr. Er ist Teil der kleinen, aber feinen Ausstellung "Vom ,Theater-Experment' zum ,deutschen Spitzeninstitut' - 60 Jahre Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg, die im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen am Duisburger Innenhafen (Schifferstraße 30a) zu sehen ist. Die Ausstellung über die Rheinoper greift verschiedene Aspekte der aus der Geschichte dieser Theatergemeinschaft auf, die am 29. September 1956 offiziell begann. Neben beeindruckenden Fotografien von herausragenden Oper- und Ballett-Inszenierungen, Bühnenmodellen und zeichnerischen Kostümentwürfen werden Zeitungsausschnitte und weitere Dokumente präsentiert, unter anderem Leihgaben aus dem Theatermuseum Düsseldorf.

Dabei wird vor allem klar, dass die Deutsche Oper am Rhein immer wieder um ihre Existenz bangen musste, obwohl die künstlerischen Leistungen herausragend waren. Nur zwei Jahre nach Gründung der Rheinoper kam es im Duisburger Rat zu einer Abstimmung über die Fortsetzung der Opernehe: 27 Ratsmitglieder stimmten dafür, 26 dagegen. Dass die Operngemeinschaft fortbestand ist wohl vor allem dem damaligen Oberbürgermeister August Seeling zu verdanken, der sich vehement für sie einsetzte, zum Teil auch gegen den Widerstand aus der eigenen SPD-Fraktion. Bezeichnet wurde die Operngemeinschaft anfangs als ein "organisatorisches Theaterexperiment"; einige Jahre später sprachen Kritiker unisono von einem "deutschen Spitzeninstitut". Das allerdings immer wieder unter finanziellen Gesichtspunkten in Frage gestellt wurde und immer wieder - oft mit Ach und Krach - gerettet werden musste. Aktuell läuft der Vertrag bis 2022.

Die Ausstellung im Foyerbereich begleitet eine Vortragsreihe, die ebenfalls am Montag, 26. September, 18 Uhr startet. Unter dem Motto "Szenen einer (Opern-)Ehe" beleuchten im Rahmen eines Podiumsgesprächs Operndirektor Stephen Harrison, Spielleiterin und Regieassistentin Esther Mertel sowie die beliebte Sopranistin Morenike Fadayomi ihre künstlerische Arbeit an der Rheinoper.

Das öffentliche Podiumsgespräch moderieren Dr. Martin Schlemmer und Dr. Mark Steinert vom Landesarchiv, die unter anderem folgende Fragen stellen werden: Wie wird man Opernsänger(in)? Wie hat sich der Opernalltag in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Ist die Opernehe ein Zukunftsmodell? An dem Abend wird auch der Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Prof. Christoph Meyer teilnehmen.

Am 4. und 31. Oktober, am 15. und 22. November sowie am 1. und 13. Dezember folgen weitere Vorträgen von Fachleuten, die sich mit der neueren Operngeschichte, mit Wagner oder den niederrheinischen Musikfesten beschäftigen. Besonders viel Publikum wird vermutlich der Abend mit dem langjährigen Ballettmeister Wolfgang Enck am 22. November haben. Enck wird von seinen eigenen Erfahrungen bei der Rheinoper berichten und dabei auch Teile seines (filmischen) Privatarchivs mitbringen.

Alle Vorträge beginnen um 18 Uhr. Bereits um 17.30 Uhr bieten Archivmitarbeiter eine Führung durchs Landesarchiv ein. Die Ausstellung kann bis zum 30. Dezember besichtigt werden. Das Archiv ist montags und freitags von 6.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist durchweg frei.

Quelle: RP
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