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Duisburg
Orgelfestival Ruhr glänzend eröffnet

Duisburg. In der Salvatorkirche spielte David Cassan aus Paris, der seinen erkrankten Lehrer Pierre Pincemaille vertrat. Von Ingo Hoddick

Von der Vielfalt der "Königin der Instrumente", die laut Johann Gottfried Herder "alle Sprachen redet", können sich Musiliebhaber auch 2015 wieder beim Orgelfestival Ruhr überzeugen. An zwölf Sonntagen erklingt in sechs Städten des Ruhrgebiets ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm, dargeboten von den Organisten der jeweiligen Kirche und von renommierten Gästen aus dem europäischen Ausland.

Die Ehre des Eröffnungskonzerts hat immer die Duisburger Salvatorkirche. Pierre Pincemaille, prominenter Organist der Kathedrale von St. Denis bei Paris, war erkrankt und musste leider absagen. Er hatte aber seinen ehemaligen Schüler David Cassan aus Paris geschickt, der dafür sogar andere Konzerte absagte oder verlegte. Und der 1989 geborene Gast war ein wirklich vorzüglicher Ersatz. Sein komplett neues Programm hatte zwei Schwerpunkte, passend zur 2002 erbauten Kuhn-Orgel: Bearbeitungen von Orchesterwerken und die französische Orgelspätromantik. So gab es Adagio und Fuge c-Moll KV 546 von Wolfgang Amadeus Mozart, arrangiert von André Isoir, und "Finlandia" op. 26 von dem vor 150 Jahren geborenen Jean Sibelius, womöglich noch raffinierter und effektvoller transkribiert von Cassan selbst.

An diesem frühen Abend erklang kein Stück von César Franck - doch schien sein Geist darüber zu schweben. Denn zum einen hatte Franck als erster gesagt "Meine Orgel ist ein Orchester", und zum anderem gab es hier hörenswerte Werke von zwei seiner Nachfolger. Das eine war der "Marche funèbre et chant séraphique" op. 17 Nr. 2, den Alexandre Guilmant nach dem Tod seiner Frau schrieb, das andere die von Claude Debussy beeinflussten Drei Stücke op. 29 von Gabriel Pierné.

Der Höhepunkt war aber die abschließend improvisierte, fast halbstündige Symphonie in vier Sätzen, teils verspielt und teils dramatisch, in der David Cassan ein unendliches Füllhorn an Klangfarben und überhaupt Einfällen ausschüttete. Das Thema hatte Salvatorkantor Marcus Strümpe tatsächlich erst unmittelbar zuvor gegeben, es war das französische Volkslied "Sur le pont d'Avignon".

Quelle: RP
 
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