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Duisburg
Ort für Kunstwerk dringend gesucht

Duisburg: Ort für Kunstwerk dringend gesucht
FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. Mitte Januar beginnen die Abrissarbeiten bei der Grundschule Obermauerstraße. In der Aula hängt eine 6 mal 4,50 Meter große Intarsienarbeit des Duisburger Künstlers Wilhelm Wiacker. Von Peter Klucken

"Es wäre eine Schande, wenn dieses Werk zerstört würde." Der Duisburger Künstler und langjährige Künstlersprecher Gerhard Losemann steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Dennoch ist bislang noch keine Lösung gefunden worden, wie die 6 mal 4,50 Meter große Intarsienarbeit in der Aula der Grundschule Obermauerstraße gerettet werden kann. Das Problem ist: Die GGS Obermauerstraße soll abgerissen werden. Ursprünglich sollte das im Frühjahr 2016 geschehen. Nach den jüngsten Plänen wird der Termin aber vorgezogen. Bereits Mitte Januar soll nach Auskunft von Karoline Hoell, Leiterin der Kulturbetriebe, mit den Abrissarbeiten begonnen werden.

Oben: Gerhard Losemann sorgt sich um die Zukunft des Kunstwerks. Das Foto verdeutlicht die Dimension. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Das monumentale Werk wurde von Wilhelm Wiacker (1914 bis 1977) entworfen und zusammen mit einem hervorragenden Handwerker namens Gerhard Büren in der Duisburger Werkstatt Gerber hergestellt. Der Seniorchef der Firma kann sich, so berichtet Gerhard Losemann, noch an die Arbeiten in der Familienwerkstatt erinnern. Das in edlem Holz gestaltete Werk besteht aus acht Teilen, von denen jedes zwei Meter hoch und 1,5 Meter breit ist, woraus sich die Gesamtgröße ergibt. Der Titel des Werks ist schlicht: "Duisburg 1952". Wiacker wählte Duisburger Motive, die die Stadt in ihrer Ausdehnung von Süden bis Norden symbolisieren. So erkennt man zum Beispiel den Zwiebelturm der Rahmer St.-Hubertus-Kirche im Süden der Stadt und Industrieanlagen im Duisburger Norden. Hinzu kommt ein Abbild von Wilhelm Lehmbrucks berühmter Knieender und - einige Meter hoch - ein Bildnis von Gerhard Mercator, den Wiacker Anfang der 50er Jahre als historischen Repräsentanten der Stadt Duisburg sah - genau, wie es heute wieder geschieht. Vermutlich hängt das Werk seit Eröffnung der Schule im Jahr 1952 an der Aula-Wand. Seine Motive sind gut zu erkennen und zu verstehen; sie sind durchaus schülergerecht, doch mit künstlerischem Anspruch gestaltet.

Die schönste Lösung wäre, wenn so schnell wie möglich eine Schule oder auch eine Lehrwerkstatt gefunden wird, die das Werk übernimmt. Nach Auskunft von Karoline Hoell habe das Immobilienmanagement Duisburg (IMD) schon einmal einen Rundruf an Duisburger Schulen unternommen, doch habe sich daraufhin niemand zurückgemeldet. Gerhard Losemann rät dringend dazu, jetzt noch einmal nachzuhaken. Er könne sich vorstellen, dass das Werk sehr gut zum Mercator-Gymnasium oder einer anderen Schule passen würde. Wilhelm Wiacker lebte in Meiderich, so dass hier ein weiterer Bezug gefunden werden könne. Das große Problem ist nun der enorme Zeitdruck. Die Möglichkeiten des Kulturbüros seien beschränkt, gestand Karoline Hoell gestern. Beim Stadttheater, für das sie auch zuständig ist, gebe es kein Gerüst, das groß genug wäre, das Werk abzubauen; auch mangele es an Personal. Deshalb müsse anderweitig Hilfe gefunden werden. Wenn auf die Schnelle keine Schule oder sonstige Einrichtung gefunden werden kann, dann müsse, so Gerhard Losemann, das Werk dennoch auf jeden Fall erst einmal abgebaut, gesichert und zwischengelagert werden. Er sei zuversichtlich, dass sich für Wiackers spektakuläres Duisburg-Kunstwerk, dessen Motive auch heute noch aktuell sind, schon bald ein geeigneter Raum finden lässt.

Einige Wiacker-Werke befinden sich im öffentlichen Besitz (Duisburg, Düsseldorf, Utrecht). Viermal war Wiacker erster Preisträger in Städtischen Wettbewerben "Kunst am Bau". Wiacker hat häufig mit Architekten zusammengearbeitet, wenn Kunst am Bau gefragt war.

Quelle: RP
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